Wie wird man schnell Millionär? // Auf die Definition kommt es an

Lesezeit: 6 Minuten

Millionär

Was verbindest du mit diesem Wort? Denkst du direkt an deutsche Promis wie Robert Geiss, der als „Aus dem Weg, Geringverdiener“-Meme gerade eine Renaissance feiert? Oder sogar an die reichsten Menschen der Welt, wie Jeff Bezos, Elon Musk oder Warren Buffet? Die sind ja nicht nur Millionäre, sondern sogar jeweils Milliardäre.

Das Wort Millionär jedenfalls kommt ursprünglich aus dem Französischen und entstand wohl 1719 im Zusammenhang mit den Spekulationen um die „Mississippi-Kompagnie“. Die Verheißungen der neuen Welt ließen die Aktien der extra gegründeten französischen Kompagnie (heute wohl am besten mit einem Venture Capital Fonds vergleichbar) in schwindelerregende Höhen steigen. Wer rechtzeitig vor dem Crash den Ausstieg geschafft hatte, war plötzlich reich – Millionär! Andere verloren durch den Absturz des Aktienkurses um -90% innerhalb weniger Monate ihr gesamtes Vermögen, da sie sich verspekuliert hatten.

Einige Definitionen zum Start

Laut Wikipedia gibt es zwei Arten von Millionären, nämlich Vermögensmillionäre und Einkommensmillionäre, wobei ersterer wie folgt definiert ist:

Ein (Vermögens-) Millionär ist eine Person, die Eigentum im Wert von mindestens einer Million Einheiten der entsprechenden Landeswährung besitzt. Die Definition ist also abhängig von betrachteter Währung und Zeitpunkt.

Wikipedia, Vermögensmillionär

Meinem Bauchgefühl nach verbinde ich mit dem Wort Millionär eher den Vermögensmillionär, also eine Person, die eine Million Euro besitzt. Andererseits braucht man für den Lebensstil, den wohl viele mit dem Wort Millionär verbinden (also Luxusautos, Gourmetessen und ein Ferienhaus im Süden) wohl eher ein regelmäßiges Einkommen von mindestens einer Million Euro pro Jahr – und nicht nur eine Million an Vermögen. Das ist ja schnell ausgegeben…

Würdest du zum Beispiel vermuten, dass der Besitzer dieses 127qm großen Reihenmittelhauses mit 4 Zimmern im Frankfurter Süden Millionär ist, wenn er sein Haus fertig abbezahlt hat? Das entspricht wohl eher nicht der Vorstellung, die man landläufig von Millionären hat.

Es gibt keine allgemeingültige Definition des Begriffs Millionär. Allerdings wird in der Forschung zu Vermögen und Reichtum meist das selbst bewohnte Eigenheim aus der Betrachtung ausgeschlossen. Auch zukünftige Renten(anwartschaften) werden nicht mitgezählt.

Für Banken und Vermögensverwalter, die sich auf sogenannte High Net Worth Individuals (HNWI) spezialisiert haben, zählt oft sogar nur das liquide (Geld-)Vermögen für die Klassifikation der Kunden. Das heißt, erst wenn ich so reich bin, dass ich der Bank mindestens eine Million Euro Vermögen zur Verwaltung übertragen könnte, zähle ich hier als „echter“ Millionär. In solchen Fällen wird neben dem Eigenheim auch nicht der implizite Wert von (schwer verkäuflichen) Unternehmensbeteiligungen oder ähnlichen Sachwerten berücksichtigt.

Zahl der Millionäre nimmt seit Jahren stetig zu

Wie viele Millionäre es auf der Welt und in Deutschland genau gibt, wird von verschiedenen Quellen unterschiedlich geschätzt. Denn über die Steuererklärung (er)kennt man nur die ca. 25.000 deutschen Einkommensmillionäre, während die Vermögensmillionäre schwieriger zu erfassen sind. Schätzungen gehen davon aus, dass in Deutschland im Jahr 2021 ca. 1.500.000 Millionäre lebten. Das entspräche etwas weniger als ca. 1,8% der deutschen Bevölkerung. Schaut man nur auf die erwachsene Bevölkerung, dann sind allerdings sogar über 3% der Deutschen Millionäre.

Weltweit stieg die Zahl der Millionäre dieses Jahr erstmals über 20 Millionen. Obwohl also in Deutschland nur ca. 1,15% der gesamten Weltbevölkerung leben, kommen über 7% der weltweiten Millionäre aus Deutschland. Deutschland liegt aktuell auch tatsächlich auf Platz 5 der Rangliste der Länder mit den meisten Millionäre, nach den USA, die ca. 40% aller Millionäre beheimaten, China, Japan und UK. Andere Zählweisen sehen uns Deutsche sogar auf Platz vier, noch vor dem Vereinigten Königreich.

Infografik: In diesen Ländern leben die meisten Reichen | Statista Mehr Infografiken finden Sie bei Statista

Warum gab es 2002 einen großen Millionärsschwund?

Die Zahl der Millionäre steigt kontinuierlich an. Den einzigen echten „Knick“ in der Zählung der deutschen Millionäre gab es bei der Umstellung von DM zu Euro 2002. Denn ein Millionär wird ja zunächst immer in der jeweiligen aktuellen Landeswährung gezählt. Da die allermeisten DM-Millionäre im Jahr 2001 nur knapp über eine Million DM besaßen, waren fast die Hälfte der DM-Millionäre mit der Euro-Umstellung plötzlich keine Millionäre mehr. Denn eine Million DM-Vermögen waren nach der Währungsumstellung nur noch 511 Tausend Euro wert. Rechnet man die tatsächliche Inflation von 2001 bis heute mit ein, entspricht dies einem heutigen Vermögen von 651 Tausend Euro. Reicht diese Summe also schon für den „Millionärsstatus“, wie wir ihn vielleicht noch aus den 1990ern im Kopf haben, als die erste Folge Wer wird Millionär? ausgestrahlt wurde?

Millionär oder Dollar-Millionär?

Ein „einfacher“ DM-Millionär wie die WWM-Gewinner wäre im Jahr 2000 wahrscheinlich eher nicht in einen internationalen „Millionärs-Club“ aufgenommen worden. Denn schon damals und auch noch heute zählt als „echter“ Millionär nur, wer eine Million US-Dollar Vermögen besitzt. Während dies für Deutsche vor dem Euro noch erforderlich machte, dass man fast 1,8 Millionen DM besaß, um „dazuzugehören“, macht es diese Zählweise heute für Europäer theoretisch etwas einfacher, als Millionär gezählt zu werden. Auf Basis des aktuellen EUR-USD-Wechselkurses benötigt man „nur“ knapp über 880 Tausend Euro, um Dollar-Millionär zu sein. In anderen Währungen ist es noch leichter, Millionär zu werden! Durch den Netflix-Hit Squid Game haben wir wohl alle gerade ergooglet, wie viele Euro eigentlich 465 Milliarden südkoreanische Won sind (= 33 Millionen Euro). Man sieht also, in Südkorea ist es vergleichsweise leicht, Millionär zu werden, denn dafür sind nur 721 Euro Vermögen notwendig.

Es gibt über 150 Währungen auf der Welt. In den meisten davon sind wir bereits Millionär.

Tatsächlich ist es in den allermeisten Währungen der Welt deutlich leichter als in Deutschland oder den USA, Millionär zu sein. Ich habe mir mal den Spaß erlaubt, das für unser aktuelles Vermögen durchzurechnen: In 88% der weltweiten Währungen sind wir derzeit bereits Millionär! In 17 Währungen, z.B. dem iranischen Rial oder dem vietnamesischen Dong, sind wir sogar bereits Milliardäre. Kaufen kann man sich davon – im wahrsten Sinne des Wortes – allerdings nicht wirklich was…denn viele andere Menschen in diesen Ländern sind natürlich ebenfalls Millionäre oder vielleicht sogar Milliardäre. In Paraguay oder Simbabwe löst das Wort „Millionär“ sicherlich nicht die gleichen Assoziationen aus wie bei uns.

Wer gerne selbst einmal ausprobieren möchte, in welchen Währungen er bereits Millionär ist, kann dies hier in diesem von mir zusammengestellten Rechner gerne ausprobieren.

Gibt es unter Millionären eine eigene Rangordnung?

Auch heute noch ist das Verhältnis der im Englischen häufig „Millionaire Next Door“ genannten Low-Tier-Millionäre (mit einem Vermögen zwischen einer und fünf Millionen Dollar) ähnlich wie damals in Deutschland zur Euro-Einführung: Ca. 90% der Millionäre befinden sich in dieser niedrigsten Millionärsvermögensklasse. Nur ein verschwindend geringer Teil der Superreichen besitzt ein Vermögen von über 30 Millionen Dollar oder gar einer Milliarde Dollar. Als Dollar-Milliardäre können sich derzeit ca. 2.000 Personen auf der Welt bezeichnen. In dieser höchsten aller Vermögensklassen ist insbesondere die jährlich erscheinende Liste des US-Magazins Forbes eine vielbeachtete Quelle.

RangMilliardärVermögen in
Milliarden US-Dollar
NationalitätAlterWirtschaftszweig
1.  Jeff Bezos177  Vereinigte Staaten57Internethandel (Amazon.com)
2.  Elon Musk151  Vereinigte Staaten
Kanada
Südafrika 
49Diversifiziert (Tesla, SpaceX)
3.  Bernard Arnault150  Frankreich72Luxusgüter (LVMH)
4.  Bill Gates124  Vereinigte Staaten65Software (Microsoft)
5.  Mark Zuckerberg97  Vereinigte Staaten36Soziale Medien (Facebook)
6.  Warren Buffett96  Vereinigte Staaten90Investment (Berkshire Hathaway)
7.  Larry Ellison93  Vereinigte Staaten76Software (Oracle)
8.  Larry Page91,5  Vereinigte Staaten48Technologie (Alphabet Inc./Google)
9.  Sergey Brin89  Vereinigte Staaten47Technologie (Alphabet Inc./Google)
10.  Mukesh Ambani84,5  Indien 63Öl und Gas (Reliance Industries)
34.  Karl Albrecht jr. & Beate Heister39,2 Deutschland73/70Einzelhandel (Aldi-Süd)
Quelle: Wikipedia / Forbes, Oktober 2021

Das besondere bei der Forbes-Liste ist, dass meist Einzelpersonen wie Jeff Bezos oder Elon Musk im Fokus stehen. In Deutschland veröffentlich das Manager Magazin eine ähnliche Liste der reichsten Deutschen. Auf dieser werden allerdings ganze Familien gemeinsam betrachtet, wenn sie gemeinsame Erben eines Unternehmen sind (z.B. Aldi, Otto, Würth, Dr. Oetker).

Einzelpersonen vs Familien

Insbesondere in der deutschen Reichtumsforschung, z.B. vom Statistischen Bundesamt oder der Bundesbank, werden ebenso meist Familien / Haushalte als „Millionäre“ bezeichnet und nicht Einzelpersonen für sich genommen. Je nach Zählweise und Datengrundlage schwankt die geschätzte Anzahl der Millionäre und ihres Vermögens deswegen stark.

In Summe wusste man bis vor kurzem nur sehr wenig über diese Gruppe der Superreichen in Deutschland. Das Deutsche Institut für Wirtschaft hat 2020 allerdings erstmals eine spezielle Untersuchung durchgeführt, mit der die deutschen Multimillionäre (> 3 Millionen Euro Vermögen, allerdings hier inklusive selbst genutztem Wohneigentum) besser verstanden werden konnten.

Macht mehr Geld doch glücklicher?

Obwohl man landläufig meint, dass „Geld allein nicht glücklich macht“, zeigte die DIW-Untersuchung das Gegenteil. Die befragten Millionäre arbeiten zwar durchschnittlich 10h länger pro Woche als andere Vermögensgruppen, sind aber trotzdem insgesamt mit ihrem Leben zufriedener als andere Befragte – und zwar in jeder Kategorie (u.a. Arbeit, Familie, Gesundheit) bis auf „Freizeit“. Hier steigt die Zufriedenheit mit dem Einkommen stetig an, um dann bei den Superreichen wieder abzufallen. Man kann also vielleicht besser resümieren: „Geld und Freizeit macht glücklich“ – klingt für mich genau nach der Idee hinter FIRE 😉

Was verbindest du mit dem Wort „Millionär“? Welche Assoziationen bringt der Begriff bei dir hervor? Kennst du einen Millionär persönlich? Möchtest du später (Dollar/Euro) Millionär sein? In wie vielen Währungen der Welt bist du bereits Millionär?

4 Replies to “Wie wird man schnell Millionär? // Auf die Definition kommt es an”

  1. Hi Jenni,
    ich bin eben über die Finanzblognews auf den aus meiner Sicht sehr interessanten Artikel gestoßen. Das ganze Millionär hat doch noch etwas magisches und für viele auch recht allgemein gesprochen, ein Ziel, als Definition. Wenn du jemand ganz klassisch fragst, ab wann bist du finanziell frei bzw. hast du es geschafft, dann kommt oftmals die Million ins Spiel. Allerdings ohne langes Nachdenken.

    Danke dir für das Tool. Habe natürlich direkt mein Vermögen eingegeben und komme auf rd. 84% als Millionär. Lustige Sache und ein Stück mehr Motivation auf die 100% zu kommen.

    Viele Grüße und einen schönen 3. Advent,
    Chris

    1. Hi Chris,
      Danke für deinen Kommentar. Ich finde auch, dass das Wort „Millionär“ irgendwie schon noch einen besonderen Klang hat!
      Und wer 1 Millionen Euro hat, ist doch auch schon ziemlich nah an der finanziellen Freiheit aus meiner Sicht. Mit 3,5% SWR kommt man bei einem Vermögen von einer Million immerhin schon auf ein Nettoeinkommen von 1.650€ pro Monat. Wenn die Miete gering genug ist (z.B. 650€), kann man von den restlichen 1.000€ als Einzelperson doch schon gut leben. Klar, das ist noch kein Luxusleben, aber ich finde erstmal, das ist ein guter Anfang.
      Viele Grüße
      Jenni

      1. Man hat sich mit 1 Million € investiert auf alle Fälle ein „bedingungloses persönliches Grundeinkommen“ geschaffen, das bereits deutlich über dem Existenzminimum (ALG II, Grundsicherung) liegt.

        Die einzige“ Bedingung“ ist, dass man an die langfristigen Nettoerträge aus dem Depot glauben muss, in guten als auch schlechten Zeiten.
        (aber den Glauben an das Fortbestehen des Sozialsystem brauchen ja die davon abhängigen ebenso)

  2. Mir gefällt am Beispiel des RMH das dessen Wert komplett außen vor gelassen wird.
    Was nutzt es wenn dieses sich zwar im Preis verdoppelt hat aber keine Einkünfte erzielt? Man spart zwar die Mietausgaben, aber nicht unwahrscheinlich das diese überschätzt werden.

    Hypothetisch am obigen Beispiel – das RMH vor 15 Jahren für 500T€ erworben. 1,05Mio rückgerechnet mit Kaufpreisfaktor 30 = Monatskaltmiete 2916€. Würde ich das tatsächlich dafür ausgeben wollen?

    PS:
    Vielleicht auch mal eine Betrachtung wert – Begriffsklärung Reich vs. Wohlhabend.
    Deutsche Forscher sagen wohlhabend = doppelter Median beim Einkommen.
    In den USA eher wohlhabend = nachhaltiges Einkommen bzw. Leute die wissen, wie man zu Geld kommt (und dieses auch behält).

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