Investierst du in P2P-Kredite? // Risiken von P2P-Krediten

Zwei Männer schütteln Hände
Lesezeit: 7 Minuten

Peer-to-Peer-Kredite erleben zurzeit einen ziemlichen Hype. Bei diesen Krediten verleiht man über Plattformen wie Bondora, Mintos oder Auxmoney Geld an Privatleute und erhält im Gegenzug Zinsen. Zusätzlich gibt es auch Plattformen wie z.B. Funding Circle, bei denen die Kreditnehmer kleine Unternehmen sind. Dabei muss man nicht die ganze Kreditsumme alleine finanzieren, sondern tut sich mit mehreren Anleger zusammen, die jeweils eine kleine Summe zur Gesamtkreditsumme beisteuern. Der Reiz dieser Plattformen liegt im hohen Zinssatz, den man für sein Investment bekommt. Die Plattformanbieter kategorisieren dabei die verschiedenen Kreditangebote meist in verschiedene Risikoklassen (z.B. A-F). Während man in den niedrigen Risikoklassen meist 3-5% Rendite erreichen kann, können in den höheren Risikoklassen auch Renditen weit über 10% p.a. möglich sein.

Risiko-Rendite-Abwägungen

Solche hohen Renditen sind natürlich mit Risiken verbunden. Insbesondere das Kreditausfallrisiko ist groß, also dass der Kreditnehmer nicht (pünktlich) zurückzahlt. Die Kreditnehmer, die über diese Plattformen Geld bekommen möchten, wurden oft mit ihrer Kreditanfrage von normalen Banken bereits abgelehnt. Den Banken war das Risiko einfach zu hoch, z.B. weil die Person zu geringe oder schwankende Einnahmen hat, um verlässlich zurückzahlen zu können, oder in der Vergangenheit bereits andere Kredite oder Rechnungen nicht pünktlich zurückgezahlt hat.

Die Risikoklassen, die die Plattformen vergeben, sollen Investoren dabei helfen, dieses Risiko besser einzuschätzen. Allerdings kann man das Risiko durch diese Risikoklassifizierung nur scheinbar besser einschätzen. Die P2P-Plattformen veröffentlichen ihre Scoring-Modelle, die entscheiden, welcher Kreditantrag welcher Risikoklasse zugeordnet wird, genauso wie etablierte Banken nicht. Als Investor muss man sich also darauf verlassen, dass die Plattform das Risiko korrekt abgeschätzt hat.

Automatisiertes Investieren und Reinvestieren

Viele P2P-Plattformen bietet automatisierte „Investment-Roboter“. Hier gibt man als Investor die Kriterien (u.a. die Risikoklasse, Laufzeit, etc.) vor, nach denen das eigene Geld in verschiedene Kredite investiert werden soll. Das ist praktisch, da man sich so nicht einzeln durch die verschiedenen angebotenen Kreditgesuche klicken muss. Oft gibt es auch ein Re-Invest-Feature, das die eintrudelnden Zinsen und Tilgungszahlungen automatisch wieder in neue Kredite anlegt.

Die Kehrseite dieses Komforts ist, dass man so gar nicht mehr vorher weiß, in welche Kredite das eigene Geld eigentlich fließt. Du kannst dann nicht selbst mitbestimmen, welche Kreditnehmer dein Geld bekommen sollen und welche nicht. Ich persönlich halte das nicht wirklich für einen relevanten Nachteil. Denn oft bekommt man als Investor sowieso nicht viele Infos über die Kreditwürdigkeit des Antragsstellers. Manchmal gibt es noch einen kurzen vom Kreditnehmer geschriebenen Text, warum er das Geld braucht und wozu er es verwenden möchte. Auf Basis dieser wenigen Informationen ist ohnehin keine sinnvolle Entscheidung über die Kreditwürdigkeit dieser Person möglich. Also muss man sich sowieso auf die Risikoklassifizierung der Plattform verlassen- und kann dann auch gleich die automatisierten Robo-Features nutzen, die keinen echten Informationsnachteil haben.

Risiko Kreditbetrug

Mann in Dunkelheit
So sieht ein Kreditbetrüger aus, oder?

Neben dem Risiko eines Kreditausfalls gibt es allerdings noch weitere Risiken, die weniger offensichtlich sind. Ein besonders schlimmer Fall des Kreditausfalls ist der Kreditbetrug. Denn die Betrüger planen erst gar nicht, die Kredite zurückzuzahlen. Während ein ehrlicher Schuldner, der mit seinen Zahlungen hinterher ist, im Prinzip noch versucht, das Geld irgendwie wieder zurückzahlen, nutzt der Betrüger bewusst falsche Identitäten und gefälschte Unterlagen, um an das Geld zu kommen. Banken und P2P-Plattformen führen bei Kreditanträgen sogenannte KYC-Prüfungen („Know-Your-Customer“) durch, um betrügerische Absichten aufzudecken. Selbst wenn man davon ausgeht, dass die Startups, die die P2P-Plattformen betreiben, ebenso gute Betrugserkennungsmechanismen besitzen würden wie die etablierten Banken (was ich bei manchen der vielen P2P-Plattformanbietern bezweifle), gibt es doch noch einen entscheidenden Unterschied. Beim Peer-to-Peer-Prinzip verleihe ich als Privatperson Geld an einen speziellen Kreditnehmer. Zahlt dieser nicht zurück, kriege ich kein Geld.

Hat eine Bank einen Kreditbetrüger nicht identifiziert, verliert die Bank als Unternehmen Geld. Aber mein Geld, das ich der Bank als Kunde gegeben habe, z.B. auf dem Girokonto oder auf dem Tagesgeld-Konto ist davon nicht betroffen. Geht eine Bank in Deutschland pleite, ist das Geld der Kunden über den Einlagensicherungsfonds, in den alle Banken einzahlen, bis zu bestimmten Grenzen abgesichert. In Deutschland sind alle Banken verpflichtet, Kundengelder bis mindestens 100.000€ pro Kunde abzusichern. Darüber hinaus gibt es freiwillige Verpflichtungen der verschiedenen Bankengruppen, sodass bei Pleite einer Bank aus einer Bankengruppe alle Kundengelder über den jeweiligen Einlagensicherungsfonds zurückgezahlt werden können. Die anderen Banken in der Bankengruppe haben ein Interesse daran, den Kunden der Pleitebank schnell ihr Geld wiederzugeben, damit das Vertrauen der Branche insgesamt nicht leidet. Fallen also nicht alle Banken gleichzeitig um, ist das gesparte Geld bei deutschen Banken sicher. Dafür gibt es im Moment natürlich auch so gut wie keine Zinsen auf diese sicheren Einlagen auf Giro- und Tagesgeldkonten. Die P2P-Plattformen haben keinen gemeinsamen Einlagensicherungsfonds.

Pleite einer P2P-Plattform

Geht eine P2P-Plattform insolvent (oder stellt den Betrieb aus anderen Gründen ein), ist das für die Sicherheit meines investierten Gelds – streng juristisch und hoch-theoretisch gesehen – nicht relevant. Denn nicht die Plattform besitzt mein Geld, sondern die Einzelperson, an die ich nach dem Peer-to-Peer-System verliehen habe. Und diese Person, der Schuldner, muss mir mein Geld auch weiterhin zurückzahlen.

Praktisch gesehen ist die Pleite einer P2P-Plattform aber deutlich dramatischer. Denn die Plattform organisiert genau diese Zahlungsströme und alle Kommunikation zwischen den Schuldnern und Gläubigern. Als Gläubiger weiß man nicht einmal, wer genau der Schuldner eigentlich ist, sondern kennt nur eine Nummer, unter der die Plattform den Vertrag verwaltet. Aus datenschutzrechtlichen Gründen erfährt man über den Schuldner sonst nichts. Und selbst wenn man den Namen und die Adresse des Schuldners hätte: Fährt man dann mal kurz in Estland vorbei, um sein Geld persönlich einzutreiben?

Viele Unbekannte

Sieht doch genauso aus wie bei uns, oder?
Sieht doch in Tallinn genauso aus wie bei uns, oder?

Die Sache mit Estland habe ich mir nicht ausgedacht: Eine der im Moment beliebtesten Plattformen, Bondora, vermittelt Kredite nämlich aktuell ausschließlich an Privatpersonen in Estland, Finnland und Spanien. Bei Mintos, dem Konkurrenten von Bondora, werden die Kredite in alle möglichen Länder vermittelt, z.B. Mexiko oder Georgien.

Selbst wenn der Kreditnehmer nebenan wohnen würde – man hätte rechtlich gesehen trotzdem Schwierigkeiten, sein Geld einzutreiben. Denn das besondere (und praktische) an P2P-Kreditinvestments ist, dass man eben nur einen kleinen Betrag je Kreditvertrag investieren muss und so sein Investment über viele verschiedene Kredite diversifizieren kann. Die Rechte aus dem Kreditvertrag (wie z.B. das Recht auf Rückzahlung) kann man auf Grund dieser Konstruktion allerdings nur gemeinsam mit den anderen Kreditgebern durchsetzen. Und die müsste man erst einmal auftreiben und dann von einem gemeinsamen Vorgehen überzeugen. Ohne die Plattformanbieter als Vermittler und Bindeglied zwischen Schuldnern und Gläubigern läuft nichts.

Hohe Abhängigkeit von den Plattformanbietern

Die jeweilige P2P-Plattform ist also in vielerlei Hinsicht sehr wichtig, denn sie ist verantwortlich für:

  • Auswahl der Kreditnehmer / Bonitätsprüfung
  • Risikoklassifizierung bzw. Festlegung des „richtigen“ Zinssatzes für das Risiko
  • Kreditbetrugsprävention und KYC-Prozess
  • Algorithmen des „Robo-Investors“, falls man diesen nutzt
  • Verwaltung der Zahlungsströme
  • Inkasso, also den Umgang mit verspäteten Kreditrückzahlungen, und alle ggf. darauf folgenden rechtlichen Schritte zur Durchsetzung von Forderungen gegen Schuldner (und ggf. Bürgen)

Mir persönlich ist die Abhängigkeit von den teilweise noch recht jungen Plattformanbietern zu groß. Ich habe selbst bisher nur kleine Summen, bei denen ich einen Totalverlust verschmerzen kann, in P2P-Kredite investiert, um das System dahinter besser zu verstehen. Mein Eindruck ist, dass die Plattformen durch hübsch gestaltete Webseiten den Eindruck erwecken, das P2P-Investment wäre super einfach – und damit auch sicher. Die rechtlichen Konstrukte dahinter sind aber extrem komplex – aber wer liest schon eine 15-seitige Vereinbarung über Verkauf, Abtretung und entgeltliche Verwaltung künftiger (Teil-)Forderungen aus einem Ratentilgungskreditvertrag mit einem Unternehmen (so der offizielle Titel eines Vertrags bei Funding Circle) in Juristen-Deutsch im Detail durch?

Lohnt sich ein Investment in P2P-Kredite trotz der Risiken?

Ob die Rendite der P2P-Kredite hoch genug ist, um die genannten Risiken zu rechtfertigen, muss jeder für sich selbst entscheiden. Und dabei sollte man sich nicht von den Bruttorenditen blenden lassen, die bei den einzelnen Krediten angezeigt werden. Denn schon ein ausgefallener Kredit kann die Rendite kräftig verhageln. Ein Beispiel mit 1000€ Gesamtinvestition:

Investiert man z.B. jeweils 10€ in 100 verschiedene Kredite und einer fällt aus, müssen die restlichen 990€ schon alleine 1% Rendite bringen, nur um den einen Verlust auszugleichen. Fallen von den 100 Krediten 5 aus, müssen die 950€ Restsumme bereits 5,3% Rendite erwirtschaften, damit man überhaupt auf Null herauskommt. Und Gebühren, die man bei den P2P-Plattformen meist auch noch zahlen muss, sind da noch gar nicht berücksichtigt.

Trotzdem werben die P2P-Kreditplattformen oft mit zweistelligen Renditen, bei Bondora laut Aussage des Unternehmens z.B. 10,6%, bei Mintos laut Aussage des Unternehmens 11,78%. Ob diese Renditen so hoch bleiben, sobald es zu einem wirtschaftlichen Abschwung kommt, der dazu führt, dass mehr P2P-Kreditnehmer ihre Kredite nicht mehr zurückzahlen?

Bei der Bewertung der genannten Renditen sollte man sich anschauen, welche anderen Optionen man für sein Investment hat und diese Renditen vergleichen. Natürlich sind 10% Rendite sehr hoch im Vergleich zum Tagesgeld, das kaum noch verzinst wird. Allerdings sind die Risiken überhaupt nicht vergleichbar. Vergleicht man die 10% Rendite mit einem Investment in einen breit gestreuten ETF, das je nach Anlagehorizont auch zwischen 5-7% Rendite pro Jahr bringt, erscheinen einem die paar mehr Prozentpunkte Rendite vielleicht doch nicht mehr ganz so gut wie zuvor. Ein Investment in einen breit diversifizierten ETF ist dabei eben auch deutlich weniger risikoreich, denn selbst bei einem Börsencrash ist die Chance eines Totalverlusts verschwindend gering.

Für mich persönlich sprechen neben dem Risiko-Rendite-Profil auch noch moralische Gründe gegen ein Investment in P2P-Kredite. Aber dazu mehr im zweiten Teil.

Investierst du in P2P-Kredite? Welche Plattformen nutzt du dabei? Welche Renditeerwartungen hast du? Und wurden deine Erwartungen bisher erfüllt? Welche Erfahrungen hast du gemacht?

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3 Antworten auf “Investierst du in P2P-Kredite? // Risiken von P2P-Krediten”

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