Welche Arten von ETFs gibt es? // Besondere und kuriose ETFs

Astronaut auf Wiese
Lesezeit: 7 Minuten

ETFs haben viele Vorteile: Sie sind kostengünstig und erlauben es der Anlegerin mit nur einem Produkt in einen diversifizierten Wertpapierkorb zu investieren. Aber nicht alles, was als ETF vermarktet und beworben wird, ist tatsächlich ein ETF und hat diese Vorteile. Es gibt ein paar ETFs, die aus verschiedenen Gründen eher in ein Kuriositätenkabinett als ins Depot gehören. Diese möchte ich heute vorstellen und dabei auch noch auf ein paar ETF-Superlative eingehen.

Höher, schneller, weiter: ETF-Superlative

Mann am Startblock
ETFs eilen von Rekord zu Rekord

Welcher ETF ist der größte?

Der weltweit größte ETF ist der SPDR S&P 500 ETF mit einem Fondsvolumen von ca. 250 Milliarden Euro. Er besitzt die International Securities Identification Number (ISIN) US78462F1030, ist aber besser bekannt unter seinem Börsenkürzel SPY. Dieser Indexfonds trackt die Performance des amerikanischen S&P 500 Index, der die größten 500 amerikanischen Aktien aus verschiedenen Industrien enthält.

Oft wird auch der Vanguard Total Stock Market Fonds als größter ETF der Welt bezeichnet. Der Fonds selbst ist tatsächlich der größte der Welt mit über 750 Milliarden Euro Net Assets. Allerdings sind davon nur ca. 125 Milliarden in der ETF-Version des Fonds (VTI) angelegt, weitere 320 Milliarden in den beiden Privatanleger-Investmentfonds-Varianten und der Rest des Geldes kommt von institutionellen Anlegern. Der Fonds investiert in ca. 3500 verschiedene US-Aktien und damit in so gut wie alle börsennotierten amerikanischen Unternehmen. Daher auch der Name „Total Stock Market“ (auch wenn es hier eigentlich nur um den „Total US Stock Market“ geht).

Beide ETFs sind allerdings aktuell für deutsche Käuferinnen nicht an der Börse erwerbbar. SPY konnte man früher allerdings auch als Deutsche kaufen – ich habe diesen ETF auch im Depot.

Laut justETF-Suche ist der größte in Deutschland handelbare ETF auch ein Indexfonds auf den amerikanischen S&P500 Index (wie SPY): der iShares Core S&P 500 UCITS ETF (IE00B5BMR087) hat ein Fondsvolumen von 30 Milliarden Euro. Verglichen mit den amerikanischen ETFs ein Zwerg! Aber die sind auch über 15 Jahre älter. Damit kommen wir zur nächsten Frage:

Welcher ETF ist der älteste?

Der erste Investmentfonds der Welt, der MFS Massachusetts Investors Fund, wude 1924 gegründet. Mit einem Investmentsfonds konnten mehrere Anleger ihr Geld zusammenlegen und so andere Investmentchancen erschließen. Doch die Idee der passiven Indexfonds, die hinter den heutigen ETFs steht, ist deutlich jünger.

Die Geburtsstunde der Indexfonds

Basierend auf einer Idee des späteren Nobelpreisgewinners Paul Samuelson entwickelte John C. Bogle, der Gründer von Vanguard, im Jahr 1976 einen Investmentfonds für Privatanleger, der stur die Aktien des S&P500 Index nachkaufte. Der erste passive Investmentfonds war geboren. Institutionelle Anleger hatten bereits seit 1983 diese Chance. Aber alle diese Indexfonds waren zunächst nur sehr mäßig erfolgreich.

Ein ETF waren diese Fonds allerdings noch nicht, denn man konnte die einzelnen Anteile des Fonds nicht an der Börse handeln, sondern nur über die jeweilige Investmentgesellschaft. Ein echter Exchange Traded Fund muss aber per Definition an der Börse handelbar sein.

Der erste echte ETF

Auch der erste ETF der Geschichte bezog sich auf den amerikanischen S&P 500 Index. Allerdings wurde das 1989 eingeführte Investmentprodukt vom Regulator direkt wieder verboten und musste deswegen eingestellt werden. Das Investoreninteresse war Anfang der 90er noch recht gering. Zudem waren die rechtlichen und regulatorischen Rahmenbedingungen kompliziert. So überlebten die meisten frühen ETFs nicht lange. Erst der von der Bank State Street Global Investors Anfang 1993 eingeführte Standard & Poor’s Depository Receipt (SDPR) S&P 500 trust war tatsächlich erfolgreich. Und wie: Dieser ETF konnte innerhalb von drei Jahren nach Gründung bereits eine Milliarde US-Dollar von Investoren einsammeln. Dieser Fonds besteht noch heute. Und er ist der oben bereits erwähnt größte ETF der Welt mit dem Kürzel SPY. Dieser frühe ETF musste auf Grund der damaligen regulatorischen Rahmenbedingungen auf einen kuriosen Trick zurückgreifen, um dauerhaft am Markt bleiben zu können.

Der kleinste ETF der Welt

Kleine Figur
Gibt es auch Mini-ETFs?

Nach Anlagevolumen

Natürlich gibt es nicht nur den größten ETF der Welt, sondern auch viele sehr kleine ETFs. Um den kleinsten ETF zu finden, muss man aber erst einmal überlegen, wie man „klein“ jetzt genau definiert. Wie beim größten ETF der Welt könnte man auf das Fondsvolumen schauen. Wird ein ETF neu aufgelegt, ist sein Fondsvolumen erst einmal sehr gering. Daher sollte man die ganz neu aufgelegten ETFs bei der Suche nach dem kleinsten ETF der Welt wahrscheinlich eher ausschließen. Ansonsten wäre immer der neuste ETF am Markt der kleinste.

Aber auch bei den ETFs, die bereits länger als drei Jahre am Markt sind, gibt es eine Menge, die nur ein sehr geringes Fondsvolumen aufweisen. Meist sind dies Nischen-ETFs, die eine spezielle Strategie verfolgen (z.B. Dividendentitel, Momentum-Ansatz, etc.) und zusätzlich eine regionale Begrenzung (z.B. auf Europa, USA, Japan) haben.

Da diese ETFs einen hohen Spezialisierungsgrad aufweisen, sind sie für eine breite Diversifikation des Portfolios nicht besonders geeignet. Man kann sie eher nutzen, wenn man in seinem bereits gut diversifizierten Portfolio einzelne Akzente setzen möchte oder mal mit einem kleinen Teil seines Geldes ins mittelfristige Trading einsteigen möchte, ohne gleich komplett auf die Diversifikation von ETFs verzichten zu wollen.

Nach Aktienanzahl im ETF

Unter dem kleinsten ETF der Welt könnte man nicht nur den ETF mit dem geringsten Fondsvolumen verstehen, sondern auch den ETF mit der geringsten Anzahl Positionen im Fonds. Um beim US-amerikanischen Finanzamt als ETF durchzugehen, braucht man mindestens 20 Positionen innerhalb des ETFs. Denn die Regeln der US-Steuerbehörde sehen vor, dass keine 10 Titel zusammen mehr als 50% des ETF-Volumens ausmachen dürfen. Einige ETFs auf Länderindizes enthalten nur knapp mehr Positionen als diese Grenze, z.B. beim griechischen Aktienindex (25 Aktien) oder auch beim deutschen Aktienindex DAX (30 Aktien).

ETF-ähnliche Fonds, die genauso an der Börse handelbar sind, aber diese Bedingung nicht erfüllen, nennen sich dann Exchange Traded Notes (ETNs). Und unter den ETNs gibt es viele Produkte, die sogar nur eine einzige Position enthalten, z.B. einen Short-Future-Kontrakt. Dies sind dann spezialisierte Produkte für kurzfristige und oft gehebelte Trading-Strategien. Oft sind diese ETNs daher auch vom Fondsvolumen sehr klein. Das alles hat mit den klassischen ETFs für Buy-and-Hold-Privatanleger absolut nichts zu tun.

Auch sogenannte Exchange Traded Commodities (ETCs) werden oft als „Rohstoff-ETFs“ vermarktet. Aber auch ein sogenannter „Gold-ETF“ enthält nur eine Position, nämlich Gold, und hat damit gerade nicht den Diversifikations-Vorteil von ETFs, sondern nur den Vorteil, jederzeit an der Börse handelbar zu sein. Wo ETF draufsteht, ist also nicht unbedingt ETF drin. Aber auch unter den „echten ETFs“ gibt es einige Kuriositäten.

Kuriose ETFs und ETF-Konstruktionen

Das Schicksal des größten ETFs der Welt hängt an 11 amerikanischen Millenials

Da es noch keine rechtlichen Rahmenbedingungen für ETFs gab, wurde der oben bereits erwähnte älteste noch existierende ETF der Welt, der sogannte „SPY-ETF“ im Jahr 1993 als sogenannter Unit Investment Trust aufgesetzt. Das war ein bekanntes rechtliches Konstrukt und erlaubte es, Fondsanteile wie Aktien zu strukturieren. Somit konnten die Fondsanteile – wie wir es heute von ETFs gewohnt sind – an der Börse gehandelt werden. Der erste ETF war geboren. Allerdings ist regulatorisch erforderlich, dass jeder Unit Investment Trust ein festgelegtes Enddatum hat. Zuerst legten die Gründer des SPY-ETFs eine Lebensdauer von 25 Jahren fest.

Da der neuartige Fonds aber schnell sehr beliebt bei Investoren war, wollte man das Enddatum des Fonds neu festsetzen und griff dabei auf einen ungewöhnliche Methode zurück: Der SPY-ETF wird entweder am 22. Januar 2118 geschlossen oder 20 Jahre nachdem 11 Kinder, die im Gründungsdokument benannt wurden, gestorben sind. Je nachdem, was früher eintritt.

Kind schaut durch Guckloch
Die Spy-Kids haben nichts mit Geheimagenten zu tun

Die meisten der im Dokument genannten Kinder waren die Verwandten von Mitarbeitern der amerikanischen Börse AMEX, die den SPY-ETF 1993 aufgelegt hat. Heute sind diese auch „SPY Kids“ genannten Personen um die 30 Jahre alt und wissen zum Teil nicht einmal, dass ihr Todestag für das Schicksal des größten ETFs der Welt relevant ist. Manche finden es aber auch ganz cool, mit dem größten ETF der Welt verbunden zu sein, wenn auch auf eine etwas makabere Weise. Als Anleger in diesen ETF muss man sich aber keine Sorgen machen, dass der ETF irgendwann einfach geschlossen wird. Die New Yorker Börse (NYSE), die heute zusammen mit der Bank State Street für den SPY-ETF verantwortlich ist, wird sich bis zur nächsten Jahrhundertwende schon noch eine Alternative für das Enddatum des Fonds ausdenken.

ETFs, die in ETFs investieren

Nicht nur bei den rechtlichen Rahmenbedingungen von ETFs gibt es einige Kuriositäten, sondern auch bei den Investmentschwerpunkten und der Indexkonstruktion.

Wie wäre es zum Beispiel mit einem ETF, der in die ETF-Industrie investiert? Dieser – inzwischen aber wieder eingestellte ETF – wurde tatsächlich 2017 auf dem Markt gebracht und folgt dem Toroso ETF Industry Index. Dieser Index enthält u.a. ETF-Anbieter wie Blackrock, Banken und Broker wie die Deutsche Bank und State Street, Indexanbieter wie MSCI und natürlich auch Börsensbetreiber wie NASDAQ und die Deutsche Börse. Also alle, die vom Boom der ETFs als Anlageinstrument direkt oder indirekt profitieren können.

Matrjoschka Puppen
Wie Matrjoschka-Puppen: ein ETF, der ETFs enthält

Es gibt auch einen ETF, der ausschließlich mit Hilfe von ETFs investiert. Sozusagen einen „Dach-ETF“. Der 2014 aufgelegte Fonds Cambria Global Asset Allocation ETF investiert in 29 ETFs, um so alle Anlageklassen (Anleihen, Aktien und Rohstoffe) abzudecken. Der Fonds selbst kostet keine Gebühren, sondern gibt nur die 0,34% Gebühren aus den zugrundeliegenden ETFs weiter. Eine ähnliche Strategie der weltweiten Diversifikation als „Fonds von Fonds“ über verschiedene Anlageklassen verfolgt der in Deutschland bei Finanzneulingen beliebte Arero-Fonds, der vom Mannheimer Wirtschaftsprofessor Martin Weber mitentwickelt wurde. Dies ist allerdings kein ETF, sondern ein regulärer Fonds, der über die Deutsche Bank-Tochter DWS vertrieben wird.

Es gibt inzwischen natürlich auch viele Asset Manager und Vermögensverwalter, die für die ihnen anvertrauten Investmentportfolien ihrer Kunden auf eine Anlage in ETFs zurückgreifen. Dieser Trend zu „ETF Managed Portfolios“ nimmt immer stärker zu in den letzten Jahren, genauso wie der allgemeine ETF-Trend. ETFs sind eine kostengünstige Möglichkeit, in einen breit diversifizierten Korb an Wertpapieren zu investieren. Aber nicht jedes Produkt, dass als ETF angepriesen wird, ist tatsächlich einer oder eignet sich für Privatanleger mit Buy-and-Hold Strategie. Bei exotischen Konstruktionen und starken Spezialisierungen sollte man sich nicht zu sehr vom vermeintlich sicheren „ETF-Label“ einlullen lassen.

Hast du einen „exotischen“ ETF im Depot? Einen besonders kleinen oder spezialisierten? Oder setzt du nur auf ETF-Schwergewichte?

One Reply to “Welche Arten von ETFs gibt es? // Besondere und kuriose ETFs”

  1. Gibt schon echt seltsame ETFs. Selbst zu einer „Nische“ wie Gaming/eSports gibt es jetzt schon mehrere ETFs: https://etfs24.de/video-games-esport-etf/

    Die ETF-Anbieter müssen aufpassen, dass ihnen nicht das passiert was vor Jahrzehnten mit den Zertifikaten geschehen ist. Für jeden Quatsch gab es ein Zertifikat in allen Geschmacksrichtungen (mit Hebel, ohne Hebel etc.).

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