Solltest du deinen Riester-Vertrag wechseln? // Riester Banksparplan revisited

Riester Revisited
Lesezeit: 10 Minuten

Im April 2020 habe ich schon einmal über meinen Riester-Vertrag geschrieben. Ich besitze einen Riester-Banksparplan, der 0,5% Zinsen pro Jahr zahlt (und 10 Euro Gebühren kostet). Natürlich ist die Rendite von ca. 2% (wenn man die Steuerersparnis mit einbezieht) nicht besonders gut. Damit kann ich gerade einmal die Inflation ausgleichen. Aber das ist nichts neues und für so ein sicherheitsorientiertes Produkt auch völlig normal.

Was gibt es Neues?

Jetzt hat mir vor einigen Wochen meine Bank geschrieben, ob ich denn nicht Interesse an einem Alternativangebot hätte. Die Zinsen seien ja so niedrig und mit Banksparplänen dementsprechend nichts zu holen. Da haben sie Recht, aber heißt das auch, dass Alternativen automatisch besser sind? Spaßeshalber habe ich eingewilligt und mir von dem Versicherungsmakler, den die Bank hierfür nutzt, ein Wechsel-Angebot zuschicken lassen.

Argumente für die Alternative

Die Argumentation des Maklers für den Alternativvorschlag: Bei Banksparplänen wird das bis dahin angesparte Geld erst beim Renteneintritt in eine Rentenversicherung umgewandelt. Dementsprechend gelten auch die zu diesem Zeitpunkt dann gültigen Rentenfaktoren der von der Bank ausgewählten Versicherung. Eine Aussage zu oder gar eine Garantie über die Rentenhöhe gibt es bei Banksparplänen also nicht. Mit dem Alternativangebot des Maklers könne ich mir schon heute eine Mindestrente und einen Mindest-Rentenfaktor sichern. In Anbetracht der immer weiter sinkenden Zinsen sei das eine echte Chance für noch mehr Sicherheit.

Wer sich an das magische Dreieck der Geldanlage zurückerinnert, weiß, dass mehr Sicherheit automatisch weniger Rendite bedeutet (denn die Liquidität, bzw. der Mangel an Liquidität ist bei allen Riesterverträgen identisch). Daher habe ich mir die 75+ Seiten des Angebots einmal genauer angeschaut, um herauszufinden, was genau das Alternativangebot eigentlich bietet.

Zur Erinnerung: Wie funktioniert ein Riester-Banksparplan?

Alle Riester-Verträge, also auch mein Banksparplan, haben eine Beitragsgarantie, also das Versprechen, dass die eingezahlten Beiträge (plus Zulagen) zumindest nominell nicht unterschritten werden dürfen beim Renteneintritt. Das bringt einem als Sparer aber wenig, da man bei Riester-Verträgen nie (Ausnahme: Immobilienerwerb) das ganze angesparte Kapital erhält (max. 30%). Der Kapitalstock ist daher nur eine von zwei relevanten Rechengrößen bei Rentenversicherungen. Die andere ist der Rentenfaktor, also das Verhältnis, mit dem der Kapitalstock in eine jährliche oder monatliche Renten umgerechnet wird. Der Rentenfaktor hängt u.a. von der sogenannten Sterbetafel (also der Lebenserwartung) ab sowie vom dann gültigen Rechnungszins. Der Rechnungszins wird von der Versicherungsgesellschaft festgelegt, aber auch von der Aufsicht reguliert („Höchstrechnungszins“). Zwar hängt der Rechnungszins nicht direkt am allgemeinen Zinsniveau (z.B. EZB-Leitzins), aber trotzdem sind die Höchstrechnungszinsen in den vergangenen Jahren auf Grund des Nullzinsumfelds ebenfalls kräftig gefallen. Doch dazu später mehr.

Wie berechnet sich der Rentenfaktor?

Meist wird der Rentenfaktor in der Einheit „monatliche Rente pro 10.000 Euro Kapitalstock“ angegeben. Ein Rentenfaktor von 14,75 bringt also 14,75 Euro monatliche Rente pro 10.000 Euro angesparten Kapitalstocks. Diese Rentenfaktoren kann man aber auch umrechnen in einen Prozent-Betrag analog zur 4%-Regel: 14,75 Euro monatliche Rente pro 10.000 Euro angesparten Kapitalstocks entspricht quasi einer sicheren Entnahmerate von 1,77%.

Was bietet der mir vorliegende Alternativvorschlag konkret?

Der Vorschlag für die Riester-Versicherung bietet tatsächlich mehr Garantien als nur die Beitragsgarantie meines Banksparplans. Neben einer Beitragsgarantie (Garantiekapital) gibt es zusätzlich noch einen garantierten Mindest-Rentenfaktor und eine Garantierente (garantierte monatliche Rentenhöhe). Bis ich das alles verstanden hatte, schwirrte mir erstmal ganz schön der Kopf. Denn der garantierte Mindest-Rentenfaktor, angewandt auf das Garantiekapital, ergibt nicht etwa die monatliche Garantierente. Nein, die drei von einander unabhängigen Garantien sind quasi wie ein Netz plus doppeltem Boden.

Hier kommen noch die Riester-Zulagen hinzu, sodass sich die Zahlen noch leicht erhöhen…
Hier nicht berücksichtigt ist das von mir in den letzten Jahren bereits angesparte Riester-Kapital, aber das ist für die Entscheidung auch nicht wirklich relevant.

Beitragsgarantie / Garantiekapital

Dass die Beiträge garantiert sind, ist nichts neues, da es für alle Riesterverträge gilt. Setzt man das angegebene Garantiekapital (76.722,92 Euro) in Relation zu den eingezahlten Beiträgen inklusive Zulagen (75.600,00 Euro nach 36 Beitragsjahren mit dem jährlichen Riester-Höchstbetrag von 2.100 Euro), ergibt sich zunächst eine jährliche Verzinsung von 0,084%. Nach irgendeinem nicht wirklich verständlichen Mechanismus (ich versuche es nachher noch zu erklären, ist aber erstmal egal) gibt es oben darauf noch die Chance auf höhere Rendite – aber 0,084% ist erstmal das Minimum. Zum Vergleich: Mein Banksparplan bietet (wenn man die 10€ Gebühren kurz ignoriert) Minimum 0,5% Verzinsung (aber auch keine wirkliche Chance auf mehr, außer die Zinsen steigen irgendwann mal wieder).

Garantierter Rentenfaktor

Großzügig…

Egal, wie viel Kapital ich bis zum Renteneintritt mit diesem Vertrag erwirtschaften kann, die Versicherung sichert mir bereits heute zu, dass sie diese Summe mit mindestens dem Rentenfaktor von 14,75 umrechnen wird. Das entspricht, wie oben schon erwähnt, also einer sicheren Entnahmerate von 1,77%. Wenn man bedenkt, dass selbst ein Rentner in Japans verlorener Dekade (dem bisherigen historischen Worst Case überhaupt) noch eine Entnahmerate von 2,6% realisieren konnte, scheint mir dieser garantierte Rentenfaktor kein allzu gutes Geschäft. Gerade diese zusätzliche Sicherheit („garantierten Rentenfaktor schon heute sichern!“) ist eines der Kernargumente des Versicherungsmaklers für den Wechsel.

Für mich sehr wenig überzeugend. Es würde sich nur lohnen, sich diesen Mindestwert heute zu sichern, wenn ich davon ausgehe, dass die Rentenfaktoren in Zukunft unter diesen Wert von 14,75 bzw. 1,77% sinken werden. Auch wenn Versicherungen natürlich immer etwas konservativer planen müssen als ich als Privatperson… wenn ich ernsthaft daran glauben würde, dass in Zukunft nur noch sichere Entnahmeraten von unter 2% möglich sind, dann könnte ich meinen FIRE-Plan gleich an den Nagel hängen. Die dann notwendigen Summen könnte ich wahrscheinlich nicht mehr vor meinem Rentenantritt ansparen.

Garantierente / Mindest-Rentenhöhe pro Monat

Da wir noch nicht genug Garantien haben, bietet die Versicherung auch noch einen Garantierente, d.h. der monatliche Betrag, den ich mindestens ausbezahlt bekomme. Dabei ist egal welcher Rentenfaktor dann in Zukunft gilt und auch egal, wie gut sich mein Kapitalstock entwickelt hat. Dieser Wert liegt mit 226 Euro monatlicher Rente genau doppelt so hoch wie die rein rechnerische Rente, die sich ergibt, wenn man das Garantiekapital mit dem garantierten Rentenfaktor umrechnet (76.722,92 Euro mal 14,75 / 10.000 = 133,17 Euro monatliche Rente). Zurückgerechnet in den Rentenfaktor wird hier mit dem Wert 29,5 gerechnet, also quasi 3,54% sicherer Entnahmerate.

Das ist ziemlich genau die Größenordnung mit der ich auch in meinem FIRE-Plan rechne. Dieser Rentenfaktor von 29,5 ist auch das, was man von dieser Versicherung aktuell bekommt, wenn man (als 67-Jährige) eine sogenannte Sofortrente abschließen würde. Bei Sofortrenten gibt man der Versicherung einen Batzen Geld auf einmal und bekommt im Tausch dafür dann bis an sein Lebensende eine monatliche Rente. Bei heute 67-Jährigen ist natürlich schon besser absehbar, wie sich die Lebenserwartung entwickeln wird. Eine 45-Jährige wird entweder gar keine Sofortrente bekommen, und wenn doch, natürlich nicht mit diesen Konditionen (denn die Zeitspanne der Rentenzahlung ist ja viel länger). Aktuell könnte ich z.B. eine Sofortrente mit einem Rentenfaktor von 16,15 bekommen, was einer Entnahmerate von 1,9% entspricht. Eine 45-Jährige würde heute immerhin schon einen Rentenfaktor von 20,4 (=2,45% bekommen). Dann doch lieber das Depot weiter selbst verwalten 😉

Drei Garantien…

Hier nochmal in der Übersicht

Die vorliegende Riester-Versicherung garantiert mir also drei Dinge:

  1. Wie bei allen Riesterverträgen: Beitragsgarantie, d.h. die eingezahlten Beiträge und Zulagen sind auch bei Renteneintritt nominell noch vorhanden. In diesem speziellen Angebot erhalte ich eine Mindestverzinsung von 0,084%. Zu der nicht garantierten Verzinsung bzw. Chance auf Verzinsung komme ich gleich noch.
  2. Egal, was passiert (außer Fall 3 tritt ein): Mein Erspartes wird mindestens mit dem Garantie-Rentenfaktor von 14,75 in eine monatliche Rente umgerechnet, was einer sicheren Entnahmerate von 1,77% entspricht. Wenn man sich anschaut, dass ich als 30-Jährige sogar mit einer heute beginnenden Sofortrente einen höheren Rentenfaktor bekommen würde, wird klar, dass diese Garantie eigentlich nichts wert ist.
  3. Da der Garantie-Rentenfaktor ziemlich wertlos ist, gibt es noch eine weitere Garantie on top: Die Garantierente. Sollte der Rentenfaktor bei meinem Renteneintritt tatsächlich sehr niedrig stehen (z.B. tatsächlich bei 14,75) und der Kapitalstock auch nur weniger verzinst worden sein (z.B. 0,5%) als erhofft, dann würde die Garantierente greifen. Tatsächlich ist es gar nicht so unrealistisch, dass die Garantierente ins Spiel kommt, wenn der Rentenfaktor tatsächlich so niedrig wäre. Um bei einem Rentenfaktor von 14,75 am Ende mehr als die Garantierente heraus zu bekommen, müsste der Kapitalstock sich im Vergleich zu den eingezahlten Beiträgen verdoppelt haben, d.h. über den Zeitraum von 36 Jahren mit durchschnittlich 3,5% p.a. verzinst worden sein. Das ist für eine Versicherung mit Beitragsgarantie im aktuellen Zinsumfeld keine realistische Annahme.

Zusammenfassend kann man also sagen, dass die Versicherung mir mit diesem Vertrag folgendes versprechen würde: Wir zahlen dir deine Riester-Rente ab 2058 mit mindestens dem halben (14,75) heute gültigen Rentenfaktor (29,5) aus. Falls nicht nur der Rentenfaktor sinkt, sondern gleichzeitig auch noch die Kapitalanlage nicht so gut funktioniert wie erhofft, geben wir dir auch noch eine nominelle Rentengarantie. Die Inflation ist dabei nicht zu unterschätzen: Bei einer an anderer Stelle in einer Beispielrechnung dieses Vertrags angenommenen Inflation von 1,5% pro Jahr (was noch vergleichsweise niedrig ist), ist diese Garantierente in 36 Jahren nur noch ca. 60% so viel wert wie heute. Bei 2% Inflation sogar nur die Hälfte.

…und ein komplizierter Garantiesteigerungsmechanismus

Ich hatte bereits erwähnt, dass dieser Riester-Vertrag natürlich nicht nur die wirklich mickrige Verzinsung von 0,084% pro Jahr bietet, sondern zusätzlich die Chance auf eine höhere Rendite. Dazu wird ein Teil der Beiträge in Wertpapiere und andere Investments gesteckt. Welcher Anteil der Beiträge in diesem „Chancenkapital“ steckt, ist variabel und wird von der Versicherung (je nach Marktlage) festgelegt. Im Vertrag finden sich hierzu keinerlei Angaben. Basierend auf anderen Rentenversicherungen mit „Chancenkapital“ würde ich von allerhöchstens 50% der Beiträge ausgehen. Auf Grund der Riester-Beitragsgarantie sind es wahrscheinlich eher noch deutlich weniger.

So richtig schlau werde ich aus dieser Illustration leider nicht.

Jedenfalls wird der sichere Teil der Beiträge und das investierte Chancenkapital zusammengerechnet zum Policenwert. Sollte dieser Policenwert jemals 30% höher liegen als die eingezahlten Beiträge, wird die Hälfte der Differenz aus dem Chancenkapital abgezogen und in den sicheren Teil der Anlage geschoben. Im Gegenzug gibt es dafür dann eine erhöhte Garantie. Sollte dieser 30%-Fall nicht eintreten, wird das Geld aus dem Chancenkapital in den letzten drei Jahren vor Renteneintritt umgeschichtet. Klingt kompliziert – und ist es auch! Ein bisschen erinnert mich diese Strategie an eine „trailing stop loss“ Strategie, die man bei Aktienkursen verfolgen kann.

Wie häufig wird sowas vorkommen?

Meinem Bauchgefühl nach wird es nur sehr selten vorkommen, dass sich der sogenannte Policenwert tatsächlich 30% über den eingezahlten Beiträgen befindet. Insbesondere, da ja nur ein kleinerer Teil der Beiträge überhaupt im Chancenkapital investiert sein wird. Ich habe versucht, den Mechanismus einmal für verschiedene Chancenkapital-Anteile und jährliche Renditen in Excel durchzuspielen. In den meisten Konstellationen tritt so eine Situation nur einmalig, oft gar nicht auf innerhalb der 36 Jahre, die bei meinem Vertrag noch bis zur Rente vergehen würden. Nur bei sehr hohen jährlichen Renditen von 5%+ und recht hohen Chancenkapital-Anteilen von 30%+ kommt ein Überschreiten der 30%-Grenze mehrmals vor. Die historischen Renditen dieses Konstrukts in der Vergangenheit sind sehr unterschiedlich, je nachdem, welchen Zeitraum man betrachtet.

Die Kosten für die Kapitalanlage sind laut Legende zwar enthalten, ich glaube aber, dass noch andere Kosten hiervon abgehen würden, die an anderen Stellen im Vertrag genannt sind. Ganz eindeutig ist es nicht.

Genau modelliert habe ich es nicht, da die zukünftige Rendite auch gar nicht korrekt abgebildet werden kann. Es handelt sich hier ja nicht nur um einen Index wie den S&P 500, sondern um ein kompliziertes und aktiv verwaltetes, also sich veränderndes Portfolio der Versicherungsgesellschaft. Aber ich glaube, dass mein Bauchgefühl mich hier nicht trügt: Der hochkomplexe „Garantiesteigerungsmechanismus“ ist eher verwirrend als hilfreich. Die Garantiesteigerungen werden also wohl voraussichtlich hauptsächlich durch das sogenannte „Ablaufmanagement“, also das Umschichten zum Schluss des Vertrags, in den drei Jahren vor dem Renteneintritt passieren. Meine Meinung: Unnötig kompliziert, lässt sich aber wahrscheinlich gut vermarkten. Der Name des Konzepts, nämlich „KomfortDynamik“ klingt wahrscheinlich für Menschen, die sich weniger mit ihren Finanzen beschäftigen, erstmal ganz nett?

Warum ich nicht wechseln werde

Ein häufiger Tipp an Finanzneulinge ist: Kauf nichts, was du nicht verstehst! In diesem Fall würde ich da auf jeden Fall zustimmen. Ich verstehe diesen Vertrag bzw. Mechanismus nicht wirklich. Das ist schon einmal ein großer Minuspunkt, egal welche Rendite-Erwartungen einem suggeriert werden oder tatsächlich realistisch sind. Von den deutlich höheren Kosten dieses Riester-Vertrags im Vergleich zu meinem Riester-Banksparplan muss ich gar nicht erst anfangen. Die lassen sich bei Riester-Versicherungen allerdings kaum vermeiden – und ob der mir vorliegende Vertrag besonders hohe oder doch im Marktvergleich niedrige Kosten aufweist, kann ich nicht bewerten.

So intensiv habe ich mich dann doch nicht informiert, da für mich von vorneherein klar war, dass das Kernargument für den Wechsel auf meine persönliche Situation nicht zutrifft: Ich brauche zu der Beitragsgarantie nicht noch zwei Garantien. Ich finde es tatsächlich sogar positiv, dass bei meinem Banksparplan-Riestervertrag erst bei Renteneintritt eine Versicherung mit den dann aktuell gültigen Konditionen abgeschlossen wird.

Es wird nicht immer nur alles schlimmer…

Ich halte es durchaus für möglich, dass die Rentenfaktoren in 36 Jahren, wenn mein Riester-Vertrag von der Anspar- in die Rentenphase wechselt, deutlich besser sind als heute. In den nächsten 3-5 Jahren rechne ich tatsächlich nicht mit einem deutlich höheren Zinsniveau als heute. Daher werden auch die für die Versicherungen relevanten Rechnungszinsen wahrscheinlich weiter sinken (bzw. tun dies in 2022 auf jeden Fall). Aber wer sagt, dass dieser Trend die nächsten vier Jahrzehnte anhalten wird? 36 Jahre sind so ein langer Zeitraum, dass bis dahin noch sehr viel passieren kann.

…und vielleicht gibt es schon bald sowieso Veränderungen?

Unter anderem könnte das ganze Konstrukt „Riester“ bis dahin grundlegend verändert oder sogar abgeschafft worden sein. Darüber wird aktuell viel gesprochen, denn durch die Absenkung des Höchstrechnungszins für 2022 auf nur noch 0,25% sehen sich die Versicherer außer Stande, eine Beitragsgarantie nach Abzug der Kosten abzugeben. Dementsprechend werden nächstes Jahr vielleicht gar keine oder nur noch sehr wenige Versicherungen überhaupt Riester-Verträge anbieten. Die Riester-Banksparpläne, wie ich einen habe, sind auch schon ausgestorben. Die Politik muss also wahrscheinlich so oder so etwas an dem Konstrukt „Riester“ reformieren. Ich bin gespannt, in welche Richtung es geht. Vielleicht ergibt sich ja nach diesen Reformen eine neue Chance, die mich dann tatsächlich zum Wechseln bringt. Der mir jetzt vorliegende Vorschlag tut es auf jeden Fall nicht.

Hast du auch schon einmal deinen Riester-Vertrag / Anbieter gewechselt? Warum? Wie wichtig sind dir die verschiedenen Arten von Garantien bei der Altersvorsorge? Was glaubst du wird mit den Riester-Verträgen (vor oder nach der Bundestagswahl) passieren? Was würdest du dir für Reformen wünschen?

P.S. Es handelt sich bei dem mir vorliegenden Vertrag um eine Allianz Riester-Rente KomfortDynamik.

6 Replies to “Solltest du deinen Riester-Vertrag wechseln? // Riester Banksparplan revisited”

  1. „Das bringt einem als Sparer aber wenig, da man bei Riester-Verträgen nie (Ausnahme: Immobilienerwerb) das ganze angesparte Kapital erhält (max. 30%).“
    Da sollte man ergänzen, dass sofern monatlich nur eine sogenannte „Kleinstbetragsrente“ erreicht wird (derzeit ca. 30 EUR, ändert sich jährlich), die Kapitalauszahlung förderunschädlich möglich ist.
    Ist wenig bekannt, kann aber bei bestimmten Konstellationen eine interessante Alternative darstellen. Evtl. erst die 30% entnehmen und dann schauen, ob man unter die geltende Grenze für die Kleinstbetragsrente fällt. Förderunschädlich bedeutet aber in keinem Fall steuerfrei. Wie bei den 30% ist die Abgeltung der Kleinstbetragsrente voll steuerpflichtig.

    1. hm, 1% der Durchschnittsrente sind wirklich Minimalbeträge, auch wenn sich die 30€ (Jahres)betrag noch verdoppeln sollten bis dahin. Wohl eher was für die mittelbar Berechtigten die die 60€ mitnehmen wollen.

      Fairr/Raisin hat aktuell den Vertrieb ganz eingestellt, im Podcast vom Finanzrocker/wesir Folge 96 waren man sich noch ganz sicher das sehr bald eine neue Regelung kommt.
      Mit der großen Reform hat man ja schon in dieser Legislaturperiode gerechnet, heraus kam gar nichts.

      1. Bisher kenne ich keinen Anbieter, der bereits verkündet hat, dass er den Vertrieb auch 2022 sicher weiterlaufen lassen wird. Dementsprechend besteht schon Handlungsbedarf von der Politik, wenn man das Konzept Riester „retten“ will. Ob das aber jemand retten will, und was das dann für Altverträge bedeutet, das ist für mich auch absolute Glaskugelei…

    2. Danke für den Hinweis! Die Regelung kannte ich in Bezug auf Riester nicht (nur bei der bAV, da gibt es sowas ähnliches oder das gleiche?).
      Wenn ich das nutzen wollen würde, müsste ich wahrscheinlich „zur Sicherheit“ bald schon aufhören zu sparen. Denn wenn man einen Rentenfaktor von z.B. 20 annehmen würde, dürfte man ja nur etwa 21.000 Euro ansparen, bevor das nicht mehr klappt. Bei einem Rentenfaktor von 30 sogar nur 13.000 Euro (und da bin ich inzwischen ungefähr nach 6 Jahren).
      Trotzdem gut, das im Hinterkopf zu behalten, Danke!

  2. Ich habe auch noch einen Riester Bansparplan mit gestaffelter Verzinsung. Dieser ist allerdings nur ein Aufgangbecken für die ehemals VWL Leistungen, die vom Arbeitgeber leider nur noch in ein Riester Produkt gezahlt werden. Ich warte nun noch anstehende Reformen zu Riester Produkten ab, im besten Fall fällt die Beitragsgarantie weg und Produkte mit ETF Lösungen werden wieder interessant.

    1. Ich wusste gar nicht, dass der Arbeitgeber vorgeben kann, in welches Produkt man seine vermögenswirksamen Leistungen einzahlen kann. Also klar, es muss ein prinzipiell VWL-fähiges Produkt sein, aber dass man es auf Riester beschränken darf als AG wusste ich echt nicht. Naja, vielleicht ist diese „Kleinstbetragregelung“ dann aber für dich attraktiv?
      Ich glaube Abwarten ist erstmal keine so schlechte Strategie im Moment 🙂
      Viele Grüße
      Jenni

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