Wie schützt du dein Geld vor Inflation? // Kapitalbildende Lebensversicherungen und Rentenversicherungen (Teil 3)

Bunte Regenschirme
Lesezeit: 8 Minuten

In Teil 1 dieser Serie haben wir uns damit beschäftigt, was Inflation ist und wie sie gemessen wird. In Teil 2 ging es darum, wie und warum Inflation entsteht. Doch was kann man jetzt gegen den Wertverlust machen?

Dass das heimische Tagesgeld oder Festgeldkonto nicht vor Inflation schützt, ist inzwischen bekannt. Doch auch ausländische Banken mit auf den ersten Blick verlockenden „hohen“ Zins-Angeboten sind keine Alternative. Welche Assetklassen oder Anlageprodukte bieten den besten Schutz vor Inflation? Sind es die klassischen Lebens- bzw. Rentenversicherungen, Immobilien, Gold, Anleihen, Aktien oder doch etwas ganz anderes?

Wer meinen Blog schon länger liest, weiß, dass ich klar für eine Altersvorsorge mit Aktien plädiere. Denn die bieten nicht nur Schutz vor Inflation, sondern darüber hinaus auch noch die Möglichkeit, tatsächlich mehr (und nicht nur weniger) aus seinem Geld zu machen. Doch dazu schreibe ich noch einmal einen separaten Artikel. Werfen wir zunächst einen Blick auf die anderen Möglichkeiten, sein Geld vor der Inflation zu schützen. Los geht es in diesem Artikel mit klassischen Lebensversicherungen, auch Rentenversicherungen genannt.

Kleiner Exkurs

Manche verwechseln kapitalbildende Lebensversicherungen, auch Rentenversicherungen genannt, mit sogenannten Risikolebensversicherungen. Eine Risikolebensversicherung kostet nur sehr wenig Geld pro Monat und zahlt im Todesfall der versicherten Person eine einmalige Summe an die im Vertrag benannten Hinterbliebenen. Das Geld kann man z.B. nutzen, um einen Hauskredit abzubezahlen und so die Gefahr zu senken, beim Tod eines Partners plötzlich das Eigenheim verkaufen zu müssen. Stirbt die versicherte Person nicht im versicherten Zeitraum, bekommt man auch kein Geld wieder.

Kapitalbildende Lebensversicherungen enthalten auch immer eine Regelung, dass im Todesfall vor Renteneintritt das Geld (zum Teil) an die Angehörigen ausgezahlt wird. Oft wird auch eine sogenannte Rentengarantiezeit vereinbart, in der die Rente (oder ein Einmalbeitrag) auch nach dem Tod noch einige Jahre weiter ausbezahlt wird. Das ist aber nur ein „Zusatzfeature“ und nicht der Kern des Produkts.

Die beiden Produkte unterscheiden sich trotz des ähnlichen Namens sehr stark. Mit einer Risikolebensversicherung sichert man sich dagegen ab, zu früh zu sterben. Diese Versicherung kostet nur wenig, da junge Menschen selten sterben. Das eingezahlte Geld ist aber weg, falls man glücklicherweise doch nicht stirbt.

Mit einer kapitalbildenden Lebensversicherung sichert man sich hingegen dagegen ab, erst „spät“ zu sterben. Ohne Versicherung könnte das angesparte Geld für die Altersvorsorge vielleicht schon aufgebraucht sein. Geld, das man in so eine Versicherung einzahlt bekommt man auch (ungefähr) wieder heraus, jedenfalls vorausgesetzt, man lebt mindestens so lange, wie die Versicherung angenommen hat, dass man leben wird.

Rentenversicherungen bieten mehr Rendite als Festgeld, da sie noch weniger liquide sind

Auch das Festgeld mit der längsten Anlagedauer reicht derzeit nicht aus, um sich vor der Inflation zu schützen. Um mehr Rendite als mit Festgeld zu bekommen, muss ich bei meinem Geld entweder noch stärker auf Liquidität verzichten oder ein höheres Risiko eingehen. Denn die drei Themen stehen immer im direkten Zusammenhang zueinander: Rendite – Liquidität – Sicherheit. Ich bekomme von einem nur mehr, wenn ich von einem anderen weniger in Kauf nehme. Das nennt man auch das „magische Dreieck der Vermögensanlage„.

Magisches Dreieck Rendite Risiko Liquidität
Entweder ist mein Geld schnell verfügbar (liquide), super sicher oder wirft hohe Renditen ab. Alles zusammen zu 100% bekommt man nie. Quelle: Wikipedia – Kaneiderdaniel, CC BY-SA 3.0

Bei regulärem Festgeld, das Liquidität gegen Rendite tauscht, ist meist bei zehnjährigen Laufzeiten Schluss. Es gibt aber durchaus Anlageprodukte, bei denen ich mich sogar noch länger festlegen muss, z.B. klassische Rentenversicherungen. Die dort eingezahlten Beiträge kann ich (je nach Vertragskonstellation / Produkt) manchmal gar nicht vor dem Rentenalter wieder bekommen. Diese maximale Festlegung ganz ohne Liquiditätsoption gibt dem Versicherer die Möglichkeit, etwas mehr Rendite zu erwirtschaften als die Bank dies bei Festgeld mit den „kürzeren“ Laufzeiten tun kann. Weniger Liquidität bedeutet also mehr Rendite.

Klassische Rentenversicherungen sterben aus

Klassische Rentenversicherungen sind allerdings natürlich auch kein Renditewunder. Wer Glück hat und noch eine alte Lebensversicherung oder einen alten Bausparvertrag (der anders funktioniert, aber doch ähnlich einzuordnen ist) besitzt, hat damals teilweise echt gute Konditionen bekommen. Vor einem Jahrzehnt noch waren diese Produkte keine grundsätzlich schlechte Entscheidung. Heute sieht alles allerdings ganz anders aus, auch weil das allgemeine Zinsniveau seit Jahren so niedrig wie nie zuvor ist und bleibt. Das sollte man immer im Hinterkopf haben, wenn einem Eltern, Großeltern oder sonstige Verwandte Finanztipps geben. Was früher gut und richtig war, ist heute trotzdem nicht mehr unbedingt eine gute Lösung.

Gerade vor einigen Tagen hat die Bundesregierung festgelegt, dass Versicherer ihren Kunden ab 2022 für neue Verträge maximal 0,25% Rendite pro Jahr garantieren dürfen. Vorher waren es 0,9% pro Jahr. Beide Werte liegen deutlich unter der deutschen Inflationsrate. Die so wohlklingende Garantie darf man also nur als Versprechen sehen, dass die Entwertung des eingezahlten Gelds garantiert etwas gebremst wird. Ein echter Inflationsausgleich ist mit diesen Zinssätzen aber nicht mehr garantiert. Früher lag dieser maximale Höchstrechnungszins, der oft auch der Zins war, den Versicherer ihren Kunden tatsächlich als garantierten Zins angeboten haben, tatsächlich oberhalb der Inflationsrate. Seit spätestens 2015 ist das nicht mehr so.

Höchstrechnungszins
Quelle: Wikipedia – Udo Brechtel – Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, Link

Garantiezins + Überschussbeteiligung

Die Versicherer zahlen an ihre Kunden neben dem garantierten Zins auch noch eine sogenannte Überschussbeteiligung aus. Denn die Kundengelder, die eingezahlt werden, liegen im Versicherungsunternehmen nicht einfach herum. Sie werden ebenfalls investiert, z.B. in Aktien, Anleihen, Infrastrukturprojekte, Rohstoffe oder Immobilien. Die Gewinne, die so mit dem Geld erarbeitet werden, decken die Kosten der Versicherung und werden in Teilen auch an die Versicherten als Überschussbeteiligung weitergegeben. Wie hoch die Überschussbeteiligung ist, wird jedes Jahr und von jedem Versicherer individuell neu festgelegt. Manchmal unterscheidet sich diese Zahl sogar zwischen verschiedenen Produkten beim gleichen Versicherer, z.B. wenn die Kundengelder explizit getrennt verwaltet werden (z.B. in einem nachhaltigen Portfolio und einem „normalen“).

Theoretisch könnte die Überschussbeteiligung auch Null sein, dann bliebe als laufende Verzinsung nur der Garantiezins. Der Begriff laufende Verzinsung beschreibt dabei die Summe aus Garantiezins und Überschussbeteiligung. Im Jahr 2000 lag der Höchstrechnungszins noch bei 3,25% pro Jahr. Die gesamte laufende Verzinsung lag 2000 im Branchenschnitt laut Statista bzw. Assekurata bei 7,15% pro Jahr. 2021 sind daraus nur noch 2,13% laufende Verzinsung geworden. Das liegt in Summe immer noch über der Inflation. Doch an der Entwicklung der letzten Jahre und dem ab 2021 geltenden Höchstrechnungszins von nur noch 0,25% sieht man, dass eine Rendite oberhalb der Inflationsrate bei klassischen Versicherungsprodukten mit voller Beitragsgarantie keineswegs garantiert ist.

Quelle: Statista bzw. Assekurata

„Chancen-Versicherungen“

Auch die Versicherer empfehlen ihren Kunden daher heute kaum noch diese klassischen Lebensversicherungen, das heißt solche mit ausschließlich garantierter Rente. Stattdessen stehen sogenannte Chancen-Produkte im Vordergrund. Hier ist ein Teil der eingezahlten Beiträge weiterhin garantiert (plus Überschussbeteiligung). Der andere Teil hingegen wird für den Kunden direkt in Wertpapiere angelegt und kann daher auch schwanken – nach oben und unten.

In Summe kann man damit eine Rendite erreichen, die sich irgendwo zwischen der oben gezeigten laufenden Verzinsung von klassischen Lebensversicherungen und der des Aktienmarkts (abzüglich der Kosten für den Versicherungsmantel) befindet. Wie viel mehr Rendite man im Vergleich zu der klassischen Garantie-Rentenversicherung erreichen kann, hängt natürlich auch stark davon ab, für welchen Garantie-Anteil man sich entscheidet. Wer eine 100% Garantie der eingezahlten Beiträge möchte, wird dafür in Zukunft selbst inklusive Überschussbeteiligung wahrscheinlich nur einen ganz schwachen Inflationsausgleich mehr bekommen – wenn überhaupt. Das ist dann zwar ein möglicher Weg, sein Geld vor der Inflation zu schützen, aber kein Altersvorsorgeprodukt mehr, bei dem aus den eingezahlten Beiträgen bis zur Rente idealerweise real mehr (und nicht nur nicht weniger) werden sollte.

Was bringt eine solche Versicherung?

100% Garantie sind also keine Option für Altersvorsorgeprodukte, sondern maximal ein Inflationsausgleich. Was bringen die neueren Chancen-Produkte? Man kann sich natürlich die Frage stellen, was der Vorteil davon sein soll, dass der Versicherer für mich in die gleichen Fonds und ETFs anlegt, in die ich so oder so ähnlich auch selbst anlegen könnte. Wie immer im Leben ist die Antwort vielschichtig: Zunächst einmal muss man feststellen, dass sich viele Deutsche tatsächlich einfach wohler fühlen, dass jemand anders ihr Geld für sie anlegt und sie sich demnach nicht darum kümmern müssen. Schade, aber wahr. Zudem ist jeder Versicherungsvertrag auch immer eine Disziplinarmaßnahme: Die vereinbarten Sparraten kann ich – anders als meinen eigenen ETF-Sparplan – meist nicht einfach so pausieren oder reduzieren. Jedenfalls nicht mit zwei schnellen Klicks. So hilft ein solcher Vertrag auch bei der Disziplin, für das Alter vorzusorgen. Das war auch einer der Hauptgründe für mich bei meiner Entscheidung für die betriebliche Altersvorsorge (bAV).

Zuletzt bietet eine Versicherung natürlich auch noch einen ganz klaren Vorteil gegenüber einer Anlage auf eigene Faust: Die Rentenzahlungen, die später aus dem angesparten und investierten Kapital errechnet bzw. bei Vertragsabschluss teilweise schon garantiert werden, werden immer ein Leben lang gezahlt. Lebe ich länger als angenommen, muss ich mir keine Gedanken machen, dass mein Geld irgendwann ausgehen könnte. Ich persönlich rechne in meinem FIRE-Plan mit einer Lebenserwartung von 100 Jahren. Das ist mehr als alle heutigen Prognosen voraussagen. Und auch mehr als die Versicherer derzeit für einen Menschen meines Alters annehmen. Wer seinen Finanzplan nur auf der aktuellen statistischen Lebenserwartung aufbaut, könnte im Alter eine böse Überraschung erleben. Ein heute dreißigjähriger Mann wird im Schnitt 80 Jahre alt. Wer seinen Finanzplan mit dieser Erkenntnis beim Alter von 80 Jahren enden lässt, sollte definitiv lieber der Versicherung das Rechnen überlassen 😉

Lohnt sich eine kapitalbildende Lebensversicherung / Rentenversicherung?

Ob diese „Vorteile“ (wie die disziplinarische Wirkung) und echten Vorteile (wie die Absicherung des Langlebigkeitsrisikos), die Nachteile überwiegen, muss jeder für sich selbst entscheiden. Die Rendite von Versicherungen ist sicherlich nicht die höchste, aber wie ich schon in meinem bAV-Artikel geschrieben habe, ist das auch kein fairer Vergleich mit einem Aktienportfolio. Suche ich ausschließlich die höchste Rendite für meine Altersvorsorge, sind Versicherungen nicht der Gewinner unter den Anlageklassen. Steht ausschließlich der Inflationsschutz im Vordergrund, können Versicherungsprodukte eine Möglichkeit sein, die deutlich mehr Sicherheit bietet als der volatilere Aktienmarkt.

…es kommt auch auf die Alternativen an

Das ist besonders für ältere Personen, die sich schon kurz der Rente befinden, oft ein wichtigerer Aspekt als die allerhöchste Rendite. Denn wer sein Vermögen bereits größtenteils aufgebaut hat, will oft nur noch, dass es nicht mehr weniger wird. Da inzwischen immer mehr Banken Negativzinsen für hohe Sparguthaben verlangen, kann in so einer Situation auch eine recht renditearme Lebensversicherung tatsächlich eine sinnvolle Alternative sein. Es kommt immer auf die eigene Lebenssituation und die eigenen Ziele an. Für junge Menschen mit dem Ziel, für das Alter Vermögen aufzubauen, sind klassische Lebensversicherungen mit 100% Garantie auf Grund der aktuellen Zinssituation meiner Meinung nach nicht geeignet. Ob die neueren Chancen-Produkte zum eigenen Finanzplan passen, kommt darauf an, welche anderen eher sicheren Altersvorsorgeprodukte (bAV, gesetzliche Rente, Riester, etc.) bereits Teil des eigenen Finanzplans sind und wie viel Sicherheit man selbst haben möchte (bzw. sich leisten kann).

Ausblick auf andere Anlageklassen

Das ich von Gold als Schutz vor Krisen nicht viel halte, darüber habe ich schon einmal ausführlich geschrieben. Auch als Inflationsschutz halte ich von Gold wenig. Dazu und zur Eignung von „Betongold“, also Immobilien, als Inflationsschutz, folgt nächste Woche ein weiterer Artikel aus dieser Serie.

Besitzt du noch eine alte Rentenversicherung mit hohem Garantiezins? Findest du die neuen Chancen-Produkte für deine Lebenssituation attraktiv? Würdest du eine klassische Rentenversicherung rein als Inflationsschutz (und nicht als Altersvorsorgeprodukt) in Betracht ziehen? Wie glaubst du entwickeln sich die Überschussbeteiligungen in den nächsten Jahren?

4 Replies to “Wie schützt du dein Geld vor Inflation? // Kapitalbildende Lebensversicherungen und Rentenversicherungen (Teil 3)”

  1. Hallo Jenni,

    danke für die interessanten Einblicke. Eine Frage – vielleicht etwas zu sehr detailliert:

    Der Höchstrechnungszins von 0.25 gilt für jetzt neu abgeschlossene Versicherungen. Wie schaut es denn aus mit bestehenden Versicherungen die ein Wahlrecht zwischen Einmalzahlung oder Verrentung haben? Der Rentenfaktor hängt ja sicher nicht nur an der dann gültigen Lebenserwartung.

    PS: Ich besitze eine KLV aus 1998 die auch weiterhin mit einem Rechnungszins von 4% arbeitet, inkl. zukünftiger Dynamik(en)

    Danke, Andre

    1. Hallo Andre,
      ja, das hast du ganz richtig erkannt: der Verrentungsfaktor hängt neben der Lebenserwartung auch vom dann gültigen Rechnungszins ab. Daher kann einen das durchaus auch mit einem „alten“ Vertrag betreffen, wenn in diesem bei Abschluss keine Verzinsung festgelegt wurde.
      Glückwunsch jedenfalls nicht zu dem Altvertrag mit 4% 🙂
      Viele Grüße
      Jenni

        1. Danke für den Link, das ist tatsächlich ein netter Rechner, weil er relativ viele Optionen bietet und nicht einfach stur die 4% Regel anwendet.
          An meinen Google Suchergebnissen sehe ich auch, dass aktuell das Interesse an dem Konzept „Coast FIRE“ in Deutschland stark zunimmt. Im Moment ist das sogar mein zweitmeist-geklickter Artikel.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.