Wohin sollte man am besten spenden? // FTX, SBF, EA & Worldview Diversification

Lesezeit: 6 Minuten

Es gibt viele Möglichkeiten, Geld zu spenden. Aber welche ist die beste? Soll man sich auf lokale oder globale Probleme konzentrieren? Soll man lieber akute Hilfe leisten, Prävention fördern oder in Forschung investieren, um zukünftige Herausforderungen zu bewältigen?

Es gibt viele Themen und Probleme, die unsere Unterstützung verdienen. Eine wachsende Zahl an Menschen vertritt die Meinung, dass man sein Geld so einsetzen sollte, dass es am effektivsten das Leben von Menschen verbessert. Diese Strömung in der Wohltätigkeitsszene nennt sich „effektive Altruisten“.

Die Idee hinter effektivem Altruismus

Effektiver Altruismus (EA) klingt erstmal gut, oder? Wer möchte sein Geld schon ineffizienten Organisationen geben? Die Spendengelder sollen nicht Funktionären und Angestellten ein schönes Leben finanzieren, sondern möglichst direkt und ungekürzt bei Bedürftigen ankommen. Leider gibt es solche ineffizienten oder sogar korrupten Wohltätigkeitsorganisationen tatsächlich. Wir alle haben davon in den Medien gefühlt schon häufig gelesen. Doch das sind zum Glück eher Ausnahmen.

Das erste Mal von effektivem Altruismus gehört habe ich ungefähr 2016. Ich fand das Konzept sofort interessant. Über Give Well, eine EA-Stiftung, die Spendenorganisationen und Spendenthemen nach ihrer Effektivität zur Verbesserung von Menschenleben und ihrer Effizienz, also dem transparenten Umgang mit Geldern bewertet, habe ich mehrere Jahre meine jährliche Spendensumme vergeben. Warum Spenden und FIRE für mich keine Gegensätze sind, habe ich im Blog auch schon einmal ausführlicher beschrieben.

Die EA-Philosophie geht über die Auswahl der Spendenorganisationen hinaus

Rechtfertigt das Ziel die Mittel?

Neben der Wahl einer effizienten Spendenorganisation spielt in der EA-Philosophie eine große Rolle, einen möglichst großen positiven Effekt mit seiner Spende zu erreichen. EA-Anhänger verfolgen dabei fast immer ein sogenanntes utilitaristisches Weltbild. Der Begriff beschreibt das Ziel, den größtmöglichen positiven Einfluss auf das Allgemeinwohl zu haben.

Treibt man diese Philosophie auf die Spitze, könnte man damit gegebenenfalls sogar die Tötung von unbeteiligten Dritten rechtfertigen, z.B. um eine deutlich größere Zahl anderer Menschen dadurch zu retten. Ein bekanntes Beispiel aus Deutschland für diese Denkweise ist das Luftsicherheitsgesetz aus dem Jahr 2005, mit dem der Abschuss von entführten Passagiermaschinen erlaubt werden sollte, um schlimme Auswirkungen wie an 9/11 zu verhindern. Das Bundesverfassungsgericht stoppte das Gesetz allerdings, da es mit dem im Grundgesetz verankerten Schutz der Menschenwürde unvereinbar sei.

Verschiede Wege führen zum Ziel

Ein anderer weit verbreiteter Gedanke bei EA-Anhängern ist „earn to give“. Ggf. lohne es sich mehr, einen möglichst gut bezahlten Job anzunehmen, mit dem Ziel, das Einkommen zu spenden, im Vergleich zu schlecht bezahlten Jobs, die direkt einen positiven Einfluss auf das Allgemeinwohl haben (z.B. die Arbeit bei einer Hilfsorganisation). Wie moralisch oder hilfreich für die Verbesserung des Allgemeinwohls der hochbezahlte Job ist (z.B. Investmentbanker, Unternehmensberater), spielt daher keine Rolle, solange der positive Effekt des damit verdienten und gespendeten Geldes überwiege.

SBF als einer der derzeit bekanntesten EA-Anhänger

Ein besonders bekannter Vertreter dieser earn to give-Idee und Vertreter der EA-Philosophie ist Sam Bankman-Fried. In den letzten Wochen hat SBF, wie Bankman-Fried meist genannt wird, zweifelhafte Berühmtheit erlangt. Die von ihm gegründete Kryptobörse FTX ist spektakulär insolvent gegangen. Dieser Artikel (auf englisch) fasst das ganze Drama sehr ausführlich zusammen.

Insgesamt beläuft sich der verschwundene Wert von Kundengeldern auf 8 Milliarden Dollar. Zusammen mit den Kundeneinlagen verlor auch das Privatvermögen von SBF, das hauptsächlich in Krypto-Coins steckte, massiv an Wert. Noch im letzten Jahr war er 26-facher Milliardär und einer der größten Geldgeber sowohl in der EA-Szene als auch im amerikanischen Wahlkampf. Aktuell ist wohl weniger als eine Milliarde übrig (was natürlich immer noch eine Menge Geld ist, um davon viel Gutes tun zu können, wenn man denn will…).

Was ist „Longtermism“?

SBF beeinflusst die EA-Szene nicht nur als großer Geldgeber, sondern auch, da er ein glühender Verfechter einer besonders extremen Form von effektivem Altruismus ist, dem sogenannten Longtermism. Der Begriff beschreibt eine Weltanschauung, die das Wohlergehen von zukünftigen Generationen mit dem Wohlergehen der aktuell lebenden Weltbevölkerung in Relation setzt. Und da in der Zukunft sehr viel mehr Menschen leben werden als die aktuell lebende Bevölkerung von 8 Milliarden Menschen, ergibt sich für Anhänger einer Longtermism-Sicht auf Grund einer rationalen quantitativen Rechnung automatisch eine Präferenz zur Finanzierung von Forschungsfragen, die potentiell katastrophale Auswirkungen in der Zukunft verhindern könnten.

Die Idee gewinnt innerhalb der EA-Szene zunehmend Anhänger. Auch Elon Musk twitterte neulich, dass ein vieldiskutiertes Buch über Longtermism, „What we owe the future“ von William MacAskill, seine Weltsicht ziemlich gut widerspiegele. Dementsprechend beeinflusst Longtermism zunehmend, welche Organisationen und Themen Spendengelder erhalten. Eine Auswertung des Economist zeigt, dass 2015 noch fast alle EA-Spendengelder für globale Entwicklungszusammenarbeit ausgegeben wurden, während 2022 bereits 40% zur Abwehr langfristiger existentieller Risiken ausgegeben wurden.

Gedankenspiele

Treibt man das Ganze auf die Spitze, so ist es für Longtermism-Befürworter wichtiger zu verhindern, dass wir Menschen irgendwann durch eine schlecht verstandene und/oder regulierte künstliche Intelligenz unterjocht werden, als den 760 Millionen heute in Armut lebenden Menschen zu helfen. Da Longtermism einfach Effektstärke mit Eintrittswahrscheinlichkeit multipliziert, um Entscheidungen zum Effekt auf das Allgemeinwohl zu bewerten, werden häufig Themen hoch priorisiert, die zwar möglicherweise wirklich katastrophale Auswirkungen für die Menschheit hätten (z.B. ein Meteoriteneinschlag oder eben ein Aufstand von AI-Robotern), gleichzeitig aber meist extrem kleine Wahrscheinlichkeiten besitzen bzw. sehr hohe Unsicherheit haben in Bezug auf die Frage, ob so ein Szenario wirklich jemals eintreten wird.

Die Spendenentscheidungen von Longtermism-Anhängern sind für die meisten Menschen vom Bauchgefühl her eher unverständlich. Gleichzeitig gibt es natürlich durchaus Argumente für eine weniger kurzsichtige Art, der Menschheit helfen zu wollen. Gerade die beginnende Klimakrise zeigt uns, wie schwierig es ist, Menschen dazu zu bringen, das Wohl von zukünftigen Generationen (und hier sind es ja sogar die eigenen Kinder und Enkel) hoch genug zu priorisieren.

Meine persönliche Einstellung: Worldview Diversification

Ich bin und war nie ein echter Anhänger der EA-Philosophie, auch wenn ich einige meiner Spenden an in der EA-Szene beliebte Organisationen gespendet habe. Stattdessen habe ich meine Spenden in der Vergangenheit lieber auf verschiedene Ziele und Organisationen verteilt. Mal habe ich für akute Katastrophenhilfe gespendet (Hungerkrise im Jemen, Flutkatastrophe im Ahrtal) mal für Prävention (Anti-Malaria Foundation, ein Liebling der EA-Szene). Sowohl für Tiere (Orang-Utans liegen mir besonders am Herzen) als auch für Menschen (PLAN International, SOS Kinderdörfer) spende ich Geld. Auch für einzelne Personen, die Schicksalsschläge erlebt haben, habe ich bereits gespendet, genauso wie für die Forschung, z.B. gegen Brustkrebs.

Vor einigen Monaten habe ich einen interessanten Artikel gelesen, der meine Einstellung zum Spenden ziemlich gut beschrieben hat. Die Autoren nennen das Konzept Worldview Diversification. Als Investorin hat mich Diversifikation automatisch angesprochen 😉

Die Kernidee hinter diesem Konzept ist, dass wir nicht mit Sicherheit sagen können, was wirklich die beste Verwendung für Spenden ist. Und solange dieser eine, absolut beste Weg nicht feststeht, ist es eine gute Idee, mehrere verschiedene Themen durch Spendengelder zu fördern. Denn die Diversifikation an sich erzeugt – genau wie beim Investieren – positive Effekte, die das Spenden für nur eine einzige, möglicherweise (aber nicht sichere) „beste“ Verwendung nicht erzeugen kann. Wer sich dafür interessiert, dem kann ich den verlinkten Artikel der Open Philantrophy Foundation nur sehr empfehlen.

Warum ich gerade über optimales Spenden nachdenke, oder „Hilfe, ich habe durch‘s Bloggen Geld verdient!“

Aktuell beschäftige ich mich gerade mit dem Thema Spenden, da ich zum ersten Mal seit dem Start von Dagoberts Nichte mit dem Blog Geld verdient habe. Da mir wichtig ist, dass dieser Blog komplett nicht-kommerziell ist und bleibt, werde ich diese Einnahmen spenden. Das hatte ich auch schon letztes Jahr in meinem Transparenzhinweis angekündigt, als ich mich bei der VG Wort (quasi der GEMA für Autoren) angemeldet habe. Tatsächlich wurden mir für 2021 jetzt 605,39 Euro ausgezahlt, was meine Kosten für den Blog (5,95 Euro pro Monat) deutlich übersteigt. Danke dir und allen anderen fleißigen Leserinnern und Leser, die durch ihre Klicks zu diesen Einnahmen geführt haben und somit jetzt auch dazu beitragen, dass das Geld gespendet werden kann und hoffentlich die Welt ein klitzekleines Bisschen besser macht 🙂

Hast du eine Empfehlung, wohin ich die Blog-Einnahmen spenden sollte? Welche Themen liegen dir am Herzen? Beteiligst du dich dieses Jahr an der Aktion „Spende die Dividende“ für die deutsche Kinderkrebsstiftung? Spendest du regelmäßig? Wenn ja, wohin bzw. für welche Zwecke? Verfolgst du dabei eine Philosophie wie effektiven Altruismus oder sogar Longtermism? Oder gehst du dabei eher spontan vor? Prüfst du, ob die Organisationen, an die du spendest, vernünftig und transparent mit Spendengeldern umgehen? Wenn ja, welche Quellen nutzt zu dabei für diese Bewertung?

Zum Abschluss noch eine kleine Empfehlung zum Spenden mit Worldview Diversification in Action: Wer noch ein Geschenk sucht für jemanden, der in den nächsten zehn Tagen Geburtstag hat, oder sich einfach selbst eine Freude machen möchte, sollte sich einmal den Adventskalender von 24 gute Taten anschauen. Mit 24 Euro Spende 24 Tage lang jeden Tag etwas Gutes tun in ganz unterschiedlichen Kategorien. Ich freue mich schon seit Jahren jeden Dezembermorgen wieder ein Türchen aufmachen zu können 🙂

17 Replies to “Wohin sollte man am besten spenden? // FTX, SBF, EA & Worldview Diversification”

  1. Ich spende spontan, wie ich es für richtig halte und das nicht nur am Weihnachten. Zuletzt an eine Familie die aus der Ukraine flüchten musste und das ganze ohne Spendenquittung. Die ganzen Weihnachtspenden finde ich heuchlerisch.

    Mal eine andere Frage. Wie kommst du auf eine Blogkosten von nur 6 €?

    1. Hallo 99bit,
      danke für deinen Kommentar! Ich habe im Frühling diesen Jahres tatsächlich auch für ukrainische Flüchtlinge gespendet. Das war dann auch eher eine spontane Entscheidung, genauso wie letztes Jahr beim Ahrtal.

      Zum Blog: ich hoste meine WordPress-Installation bei Webgo, wo eine Domain inklusive ist. Bin dort auch zufrieden, verstehe aber ehrlicherweise nichts von Technik.

      Viele Grüße
      Jenni

      1. Ja klar das Hosting ist immer das günstigste. Ich habe noch ein Theme ein Page Builder und ein par Plugins, die bezahlt werden wollen. ☹ Aber schön, dass du die Kosten so niedrig halten kannst.

        1. Ich bin wirklich sehr hobbymäßig unterwegs, daher habe ich bewusst keine kostenpflichtigen Themes oder Plugins. Geht ja auch so ganz gut, WordPress bietet echt viele Möglichkeiten out of the Box 🙂

  2. Ich spende regelmässig an Correctiv, einem Verein für investigativen Journalismus, was aus meiner Sicht für die heutige Welt einer der wichtigsten (und am schlechtesten finanzierten) Bereiche wäre, für jetzt und für die Zukunft. Fake News, Korruption, die Politisierung von Medien, staatliche Willkür, die Instrumentalisierung des Internets usw. wird man hoffentlich mit ausreichend gutem unabhängigen Journalismus bekämpfen können, aber nur wenn solche Organisationen Spenden erhalten und nicht davon abhängig werden, vom Staat oder von Aufmerksamkeit zu leben, insbesondere da es oft um langjährige Recherchen geht die juristisch mit viel Geld und Einfluss bekämpft werden.

    Ich spende auch an die lokalen Johanniter bei mir, weil ich das für die Gesellschaft als sinnvoll erachte. Ansonsten spende ich eher bei besonderen Anlässen, wie z.B. bei der Flutkatastrophe letztes Jahr oder Ukraine und Flüchtlingshilfe dieses Jahr.

    1. Hallo Andreas,
      danke für deinen Kommentar! Unabhängigen Journalismus finde ich auch ein sehr unterstützenswertes Ziel. Allerdings habe ich mich ehrlicherweise noch nicht so viel damit beschäftigt, wer hier ein guter Empfänger von Spendengeldern wäre. Immerhin haben wir in Deutschland die öffentlich-rechtlichen, die wir alle über die GEZ-Gebühren finanzieren. Auch wenn da natürlich viel Schund produziert wird (z.B. lauter Telenovelas und der Fernsehgarten), gefällt mir auch eine Menge Content extrem gut (Weltspiegel, Anstalt, heute show, Neo Magazin, viel von funk, Tagesschau, etc.). Correctiv schaue ich mir gerne mal genauer an.
      Viele Grüße
      Jenni

      1. Ich bin kein grosser Fan der GEZ-Gebühren, finde aber die Dokus die von WDR und co. produziert werden immerhin sehr unterstützenswert, und es gibt da schon auch gute kritische Beiträge. Ich glaube aber, staatlicher Rundfunk wird immer etwas mühe haben sowas ursprünglich ins Rollen zu bringen, einfach weil investigativer Journalismus häufig schnell aneckt und es dann schwierig wird, dem Staat und den Entscheidungsträgern allzu direkte Vorwürfe zu machen oder sich länger damit zu beschäftigen. Man kann aber hoffen, dass sich der Rundfunk immer mehr getraut kritisch zu sein und Organisationen wie Correctiv dabei helfen können.

        1. Das kann natürlich sein, dass nicht jeder Stein umgedreht wird, der umgedreht werden sollte. Ich finde es gibt aber auch viele gute Beispiele, wo durch ÖRR-Reportagen echte Veränderungen angestoßen wurden. Bei frontal z.B. gab es extra eine Kategorie, die mögliche Veränderungen gezeigt hat (aber auch, wenn sich nichts bewegt hatte) und neulich erst musste der BSI-Chef gehen, nachdem Böhermanns Team aufgedeckt hatte, dass der Typ nicht unser oberster IT-Sicherheitschef sein sollte. ÖRR und eigenständig finanzierter Journalismus halte ich für eine gute Mischung und damit sicherlich auch für ein gutes Spendenziel, wobei man ja eigentlich auch hoffen würde, dass es betriebswirtschaftlich sinnvolle Geschäftsmodelle für qualitativ guten Journalismus gibt. Spenden sollte da eher unterstützen als Kernfinanzierungsinstrument sein, meiner Meinung nach.
          Viele Grüße
          Jenni

  3. Hallo Jenni,
    vielen Dank für deine Gedanken, und insbesondere auch für den Link zur Open Philanthropy Foundation! Ich bin auch etwa im Jahr 2016 mit den Gedanken des Effektiven Altruismus in Berührung gekommen und fand sie total spannend; tatsächlich haben sie auch Einfluss auf mein Spendenverhalten gehabt.
    Zum Longtermism habe ich mich noch nicht genug schlaugelesen, um eine fundierte Meinung dazu gebildet zu haben. Es ist aber schwierig, den Zeithorizont von zukünftigen Entwicklungen gut einschätzen zu können; das erleben wir ja beispielsweise auch schon bei der Klimakrise.

    Diversifizierung beim Spenden sorgt bei mir in jedem Fall auch für mehr Gelassenheit. Im Kampf gegen Krebs (nur als Beispiel) könnte ich an zig verschiedene Startups spenden, die neuartige Forschungsansätze verfolgen. Kann ich irgendwie vorhersehen, welcher Weg Erfolg haben wird? – Nein. Anstatt also nur ein Projekt zu fördern, und im wahrscheinlichsten Fall später unzufrieden zu sein, weil es in der Insolvenz geendet hat, kann eine Spende an eine Stiftung, die die Fördergelder gleichmäßig verteilt, solche Negativ-Szenarien durch einzelne Positiv-Beispiele ausgleichen. – Ganz genau wie beim Investieren.

    1. Finde ich einen schönen Gedanken, dass man durch Spenden-Diversifizierung auch mehr Gelassenheit / Sicherheit erhält, dass das zu Grund liegende Ziel (was mit Unsicherheit behaftet ist) auch erreicht wird. Gerade bei Spendenzwecken, die sich auf die (nahe und ferne) Zukunft beziehen, argumentiert die Open Philantrophy Foundation ja auch, dass Diversifikation quasi die „Rendite“ steigert.
      Zum Longtermism fand ich den oben verlinkten VOX Artikel ziemlich gut. Das „What we owe the Future“ Buch wurde auch im Economist schon besprochen, das wäre dann quasi die Primärquelle, wenn man sich eine detaillierte eigene Meinung zu den Ideen des Longtermism bilden will. Habe ich persönlich aber nicht gelesen. Fand die Idee dafür nicht interessant genug, ehrlich gesagt.
      Viele Grüße
      Jenni

  4. Danke fuer den Artikel, Jenny

    Wir spenden fuer versch. christliche, humanitaere und mildtaetige Projekte.
    In D sind max. 20% vom Brutto-Einkommen steuerlich beguenstigt spendbar (darueberhinaus natuerlich auch ohne steuerliche Anrechenbarkeit).
    Die 20% erreichen wir (noch) nicht, vermutlich aber als Rentner.

    Ich finde die Idee von der Diversifikation gut. Das machen wir auch so.
    In D gibt es eine Art Spenden-Tuev, da kann man schauen, wieviel Geld fuer Verwaltung drauf geht und wieviel ankommt:
    https://www.dzi.de/spendenberatung/spenden-siegel/liste-aller-spenden-siegel-organisationen-a-z/

    Die Unterstuetzung von Medien und Meinungsfreiheit kann immer wichtiger werden (Demokratiefoerderung), gerade, wenn zB die oeffentlich Rechtlichen bei gewissen Themen eine Schlagseite haben.
    Wir haben ein Abo der NZZ (nzz.ch/deutschland) und ich erwaege, werte-konservative Medien im Internet gelegentlich zu unterstuetzen.

    Die in den Kommentaren erwaehnte Correctiv.org ist mE eher links-gruen zu verorten (also eher keine Ergaenzung der Oeff.Rechtl.). Hier ein Zitat aus einem Artikel ueber eine verlorenen Gerichtsverhandlung von Correctiv abgedruckt in der FAZ:
    faz.net/aktuell/feuilleton/medien/tichy-siegt-gegen-recherchegruppe-correctiv-vor-gericht-16789353.html
    „Was Correctiv auf Facebook betreibt, ist ein als Faktencheck getarnter Eingriff in die Meinungs- und Informationsfreiheit. Das ganze System dieser Grundrechtseingriffe, die institutionalisierte Rechthaberei, die unkontrollierte Anmaßung über Wahr oder Unwahr zu befinden, stehen zur Disposition, da diese jetzt auch wettbewerbsrechtlich angegriffen werden können.“

    Correctiv kann man durchaus (zwischen den Zeilen) lesen, im Bewusstsein, hier (v.a.) eine ganz spezielle Meinung kennenzulernen?!

    LG Joerg

    1. Hallo Jörg,

      Danke für den Link zum Spenden-TÜV! Das ist wirklich hilfreich, um Organisationen vor der Spende etwas mehr zu durchleuchten. Durch erste-Hand-Erfahrungen weiß ich leider, dass gerade bei den großen kirchlichen Organisationen nicht wirklich auf die Effektivität der Projekte geschaut wird. Da herrscht dann zum Jahresende eher „Ausgabedruck“ – und auch wenn die Mitarbeiter sich selbst dabei nicht persönlich bereichern, ist es doch schade, wenn Gelder nicht zielgerichtet ausgegeben wird und/oder Ziele gar nicht nachverfolgt / gemessen werden. Ich bin persönlich eher ein Fan davon, an Organisationen zu spenden, die ein klar umrissenes Tätigkeitsfeld haben (statt sehr breit in vielen Felder aktiv sind) oder spende zweckgebunden. Letzteres ist bei den Organisationen natürlich nicht so beliebt, da dann zum Teil mehr Geld vorhanden ist als noch sinnvoll eingesetzt werden kann. Hat alles Vor- und Nachteile.
      Ich finde es spannend, dass du explizit die NZZ erwähnst im Kontext Qualitätsjournalismus. Ich persönlich kann mit dem Blatt überhaupt nichts anfangen.
      Das zeigt finde ich gerade, wie wichtig Pluralität im Meinungsbildungsprozess ist. Also auch wenn ich die NZZ nicht lese, bin ich trotzdem froh, dass es sie gibt und die Redaktion eine andere Perspektive als meine vertritt (bei vielen Themen).
      Für US-News habe ich bei Instagram aus diesem Grund „Ground News“ abonniert. Der News-Aggregator zeigt a) welche Stories von welchen News-Outlets überhaupt aufgegriffen werden (Selection Bias) und b) wie die Headlines dort jeweils formuliert wurden (Framing). Dazu gibt es jeweils eine Einordung der Quelle (rechts/links im amerikanischen Sinne) sowie Infos dazu, welcher Medienkonzern / Eigentümer hinter der Zeitung steht. Auch wenn ich im deutschsprachigen Raum nicht so eine starke Polarisierung wahrnehmen (das meiste sind ja heutzutage doch nur recycelte Agenturmeldungen), fände ich so ein Portal auch sehr spannend. Ist mir aber noch nicht begegnet?!
      Bei HR Info (und manchen Zeitungen) gibt es zu jeweils einem Thema pro Tag meist eine „Presseschau“, wo auch ein bisschen in die verschiedenen Sichtweisen geschaut wird. Finde ich immer bereichernd. Nutzt du auch irgendeinen „News-Aggregator/Diversifizierer“?
      Viele Grüße
      Jenni

      1. Moin Jenny,

        zu „Nutzt du auch irgendeinen „News-Aggregator/Diversifizierer“?

        Nicht direkt.

        Frueher wusste ich den Link zu einer unabhaengigen (schweizer) Forschungsseite, die versucht hat wissenschaftlich den rechts/links-Drall deutscher Medien zu untersuchen. Finde sie aber gerade nicht. Ich kann mich erinnern, dass N-TV (RTL) halbwegs ausgewogen war (ca. 3-4 Jahre her?). Bei der Kurzsuche fand ich:

        Hier eine Seite, die durch Umfragen einige Hauptmedien kategorisiert:
        pewresearch.org/global/fact-sheet/datenblatt-nachrichtenmedien-und-politische-haltungen-in-deutschland/
        Ein aehnliches Unterfangen fuer weitere dtsch Medien (umfassender, interessanter?):
        medienkompass.org/deutsche-medienlandschaft/

        Ich persoenlich bin auch ueberzeugt, dass man sich zusaetzlich bei der „alternativen“ Seite informieren muss, weil man jeweils auf nur EINEM Auge verschwommen sieht.

        Als rudimentaere Methode habe ich deshalb (kostenl.) Email-Newsletter vom Handelsblatt (Wirtschaft) und Tagesspiegel (eher links) und eben NZZ (eher rechts) abonniert und hoere mir auch mal Youtubes von eher rechten (Tichy) oder linken Beitraegen (Wagenknecht) an, um zu pruefen, wie die Argumentation zu bestimmten Themen ist (Atomkraft, Fracking, Ukraine-Krieg, Energiewende, Genderei, Armut/Reichtum, etc). Ich bin ziemlich sicher, dass man sich aus versch. Quellen bewusst informieren sollte (sich auch mal zwingen muss, die Argumente der Gegenseite anzuschauen). Nur halbwegs intellektuell und kompetent muss es fuer mich sein.
        Jeweils die entgegengesetzte Fraktion deckt leichter die Leichen im Keller des anderen auf, die sonst im Keller verbleiben wuerden.

        Also eine „rechte“, mittlere und „linke“ Quelle muessten in 95% der Faelle reichen, um eine ausgewogene Sicht auf best. Dinge zu erlangen bzw um nix wichtiges zu verpassen, was zB die eine Seite gerne verschweigt?

        LG Joerg

  5. Hallo,

    ich habe mich vor einiger Zeit auch lange mit der Suche nach einem sinnvollen Ziel für meine Spenden beschäftigt und bin dann über
    https://www.effektiv-spenden.org/
    fündig geworden. Ziel war möglichst effektiv etwas für Klimaschutz zu tun (hatte vorher lange Zeit meinen CO2-Ausstoß kompensiert).

    Liebe Grüße

    1. Hallo Kai,
      danke für den Link! Im Bereich Entwicklungshilfe sind das die gleichen Empfehlungen (sogar tlw. die exakt gleichen Organisationen) wie bei der von mir verlinkten GiveWell Foundation, z.B. die Anti Malaria Foundation, an die ich über diesen Weg auch schon einmal gespendet habe.
      Die Empfehlungen im Bereich Klimaschutz werde ich mir auf jeden Fall näher anschauen, denn da kannte ich bisher noch keine solche auf Effektivität geprüfte Übersicht von Spendenzielen. Sieht auf den ersten Blick auf jeden Fall logisch aus, bei den großen Treibern (wie Zement) bzw. im Bereich CO2-Capture & Storage anzusetzen. Zu letzterem habe ich vor einigen Monaten einen interessanten wissenschaftlichen Vortrag gehört. Im Prinzip ist alles Wissen da, was wir bräuchten, um mit CCS zu starten – es ist nur leider noch sauteuer, da die Technologie einfach noch recht neu ist. Hoffen wir für uns Menschheit, dass sich diese Investitionen schnell lohnen werden, bevor die zu entziehende CO2-Menge unrealistisch groß wird. Die geologisch geeigneten Speichermöglichkeiten sind ja auch irgendwo begrenzt.
      Beim Thema Kompensation bin ich auch gespalten. Ich mache es zwar immer für meine Flugreisen, und versuche dabei auf halbwegs seriöse Organisationen zurück zu greifen (gibt da ja massive Unterschiede bei der Kompensationsqualität), aber langfristig ist das natürlich trotzdem meist nicht so effektiv wie echte Veränderungen & zusätzliche Klimaanpassungen.
      Gerade das Thema Anpassung interessiert mich im Moment stark, da es dazu noch nicht so viel öffentliche Diskussion gibt. Bestimmt auch ein Thema, wo Spenden in Zukunft noch relevanter werden.
      Viele Grüße
      Jenni

  6. Moin, das Thema effektiver Altruismus hat mich auch eine zeitlang fasziniert, aber am Ende haben mich ähnliche Gedankenspiele wie die deinen eher abgeschreckt. Inzwischen spende ich auf monatlicher Basis einen fixen Prozentsatz meines Nettos an 5 Institutionen: Ärzte ohne Grenzen, Opportunity International, SOS Kinderdörfer weltweit, Deutsche Umwelthilfe und Gesellschaft für Freiheitsrechte. Damit versuche ich die drei „Säulen“ humanitäre Katastrophen, (Kinder-)armut und Umwelt/Klima halbwegs effektiv zu bearbeiten. Dazu die GFF um die rechtstaatlichkeit hier in Deutschland hochzuhalten.
    Ich bin noch auf der Suche nach einer Möglichkeit, Arme Menschen in Deutschland gezielt zu unterstützen. Die Tafeln finde ich zwar wichtig, aber für meinen Spendenziel nicht geeignet.

    1. Hallo Timo,
      meinst du mit dem Thema „gezielte Unterstützung für Menschen“ sowas wie die Bargeldzahlungen von GiveDirectly, aber eben nicht für Menschen in Entwicklungsländern, sondern hier in Deutschland?
      Ggf. passen dann deutsche Projekte auf betterplace oder Initiativen zum bedingungslosen Grundeinkommen zu deinem Spendenziel? Wobei die Idee des bedingungslosen Grundeinkommens natürlich nicht ausschließlich auf die Reduzierung von Armut abzielt.
      Ich habe neulich eine (ehrenamtliche) Mitarbeiterin der Malteser getroffen, die in Offenbach (gibt‘s aber in jeder Stadt) eine ärztliche Sprechstunde für Nicht-Krankenversicherte organisiert. Das ist – etwas um die Ecke gedacht – auch Armutsbekämpfung, da jemand ohne Krankenversicherung in 99% der Fälle entweder obdachlos, (noch) unregistrierter Flüchtling oder (als Selbstständiger) stark armutsgefährdet ist.
      Ein direktes Cash-Verteilungs-Konzept in Deutschland kenne ich nicht, aber vielleicht spricht dich ja diese Organisation aus dem 24-gute-Taten-Adventskalender aus dem letzten Jahr an: https://www.24-gute-taten.de/2021/2021-tag-23

      Viele Grüße
      Jenni

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