Wie viel hast du bisher gespart? (Teil 1) // Meine Startbedingungen

Start einer Laufbahn
Lesezeit: 5 Minuten

Als ich geboren wurde, hatte ich ein Vermögen von Null Euro. Soweit, so normal für die meisten Deutschen. Doch wie ging es dann weiter? Dies möchte ich in dieser Mini-Serie beleuchten. In diesem Teil 1 geht es darum, was ich von Zuhause mitgenommen habe bis zum Einstieg in den ersten Vollzeitjob.

Für mehr Transparenz in FIRE-Blogs

Wie ich schon in meinem ersten Post erklärt habe, ist es mir sehr wichtig, in meinem Blog aufzuzeigen, welche guten (Start-)bedingungen ich hatte bzw. habe. Denn nichts nervt mich persönlich mehr als Artikel aus der Welt der Finanzen, die intransparent mit den Startbedingungen der porträtierten Personen umgehen. Oft ist es nämlich so, dass der im Artikel beschriebene erfolgreiche Sparer kostenlos bei seinen Eltern gewohnt hat oder deren Krankenversicherung nutzen konnte (gerade in Amerika ist die KV ein großer Kostenblock), von einer entfernten Tante geerbt hat oder das Glück hatte, sein eigenes Unternehmen nach kurzer Zeit für viel Geld verkaufen zu können. Das ist sicherlich nicht repräsentativ für die meisten von uns.

Doch die fehlende Vergleichbarkeit stört mich gar nicht unbedingt– wenn ich weiß, dass die Situation anders als meine Situation ist, kann ich trotzdem noch etwas lernen. Was mich ärgert ist, dass diese wichtigen Fakten verschwiegen oder heruntergespielt werden. Bravely go nennt solche intransparenten Artikel auch financial inspiration porn. Also habe ich meinen Ordner herausgekramt und alte Abrechnungen gewälzt, um ein möglichst transparentes Bild über mein Vermögen bis heute aufzeichnen zu können.

Zu den Fakten: Meine Vermögensentwicklung bis heute

Taschengeld und Nebenjobs – Kleinvieh macht auch Mist

Sparschwein
Immer schön das Sparschwein füttern!

Mit der Einschulung in die erste Klasse habe ich auch zum ersten Mal Taschengeld von meinen Eltern bekommen. Damals gab es eine Mark pro Woche pro Klassenstufe, also zunächst 4 Mark im Monat, in der 2. Klasse dann 8 Mark im Monat und so weiter. In der Grundschule gab ich mein Taschengeld hauptsächlich für „bunte Tüten“, bunte Sticker und das Mickey-Maus-Magazin aus. Da das 3,20 DM pro Ausgabe gekostet hat, ich in der 3. Klasse aber eigentlich nur 3 DM Taschengeld pro Woche zur Verfügung hatte, hat mir meine Mama die 20 Pfennig oft zusätzlich geschenkt. 2002, als der Euro eingeführt wurde, war ich in der 6. Klasse. Die 24 Mark pro Monat wurden also in 12€ umgewandelt. Mit dem Wechsel zum Gymnasium kam zum Taschengeld noch etwas Brötchengeld hinzu, mit dem ich mir im schuleigenen Kiosk in der großen Pause etwas kaufen konnte. Zusätzlich habe ich ab der Zeit Nachhilfe gegeben, sodass ich mit meinem Taschengeld immer mehr als gut ausgekommen bin.

Geldgeschenke

Den größten Zuwachs in meinem Vermögen, an den ich mich erinnern kann, gab es mit 14 Jahren zu meiner Konfirmation. Von dem von Verwandten und Bekannten geschenkten Geld kaufte ich mir meinen ersten eigenen Laptop. Trotzdem blieben nach dem Kauf noch fast 1000€ von den Geldgeschenken übrig, die ich „für später“ von meinem Vater auf mein Sparkonto überweisen ließ.

Vermögenszuwachs dank geschickter Verhandlung meiner Schwester

Besonders in der Oberstufe, in der ich statt der eigentlich monatlichen Summe von 24€ (12. Klasse, also 12 Mark = 6 € pro Woche * 4 Woche) durch geschickte Verhandlung meiner kleinen Schwester auch eine Erhöhung auf 50€ Taschengeld pro Monat bekommen hatte, hatte ich eigentlich immer Geld übrig am Monatsende. Von ihrem für eine Grundschülerin schon sehr weisem Argument: „Es ist ja auch alles teurer geworden, seit ihr euch dieses Eine-Mark-pro-Woche-System ausgedacht habt!“ profitierte ich auch. Da ich zusätzlich auch noch 20€ die Woche durch die Nachhilfestunden in mein Portemonnaie flossen, habe ich die 50€ Taschengeld oft gar nicht angerührt. So sind immer mal wieder ein paar Hundert Euro „Überschuss“ von meinem Girokonto auf mein Sparkonto geflossen, besonders an Weihnachten, wenn es von Oma und Opa ein großzügiges Geldgeschenk gab.

Mein Start als Aktionär, sponsored by Papa und Mama

Brave little girl statue on Wall Street
Know the power of women in leadership. SHE makes a difference.

Dass mein Vater mir schon als 6- bzw. 7-jähriges Kind Aktien gekauft und ein Depot angelegt hatte, damit habe ich mich erst zum 18. Geburtstag wirklich beschäftigt, da ich das Depot zu dem Zeitpunkt offiziell übernommen habe. Aus den ursprünglich investierten fast 11.000 DM waren bis zu meinem Abitur ohne weitere Investments mehr als 12.000 € geworden – das Geld hatte sich als in den 13 Jahren meiner Schulzeit mehr als verdoppelt!

Mit der Volljährigkeit kam auch die Verantwortung

Viel gemacht habe ich mit diesen Aktien aber dann nicht, sondern sie einfach liegen gelassen. Im Nachhinein kann ich sagen – zum Glück! „Buy and Hold“ ist auch heute noch meine Investment-Strategie. Mein Aktiendepot ist meine Altersvorsorge und daher wird eigentlich immer nur gekauft, aber selten verkauft. Wozu auch? Immerhin sagt schon eine alten Börsenweisheit in wunderbarer Reimform: „Hin und Her macht Taschen leer“.

Dazu kamen ein paar Tausend Euro auf meinem Sparkonto, von denen ich mir kurz nach meinem 18. Geburtstag meinen ersten „eigenen“ (oder genauer „selbst-entschiedenen“) Fonds kaufte (auf Basis eines beidseitig bedruckten A4-Flyers, den mir die ING mit ein paar Fonds-Informationen per Brief zuschickte). Seit Kauf 2008 hat dieser Fonds +15% Gewinn gemacht (insgesamt, nicht pro Jahr). Keine besonders gute Performance, aber okay in Anbetracht der Tatsache, dass ich meine Investitionsentscheidung damals auf einem A4-großen Marketingflyer basiert habe 😉

Studentische Finanzen

Im Studium habe ich von meinen Eltern 900€ pro Monat bekommen, was deutlich mehr ist als der damalige BaFöG-Höchstsatz von 670€. Das war eine Menge Geld, vor allen Dingen, da ich von Studiengebühren befreit war, immer mit jemand anderem die Wohnung geteilt habe und weiterhin nebenbei Nebenjobs hatte oder an der Uni als Hiwi (Hilfswissenschaftler) gearbeitet habe, im Schnitt auf 450€ Basis. Durch das Erasmusstipendium der EU und den Wohngeldzuschuss des französischen Staats (CAF) konnte ich die Zusatzkosten meines Auslandssemesters in Frankreich finanzieren und die Zeit für viele Südfrankfreich-Erkundungswochenenden nutzen. Eine tolle Zeit!

Wie schon in der Schule überwies ich das Weihnachtsgeld von Oma und Opa oder die Überschüsse aus Nebenjobs und Praktika auf das Spar-Tagesgeldkonto. Wenn dort ein größerer Betrag zusammengekommen war, investierte ich die Summe in Aktien, Fonds und ETFs. Durch die gute Entwicklung des Aktienmarkts in dieser Zeit und meine komfortable Einkommenssituation im Studium startete ich mit einem Vermögen von fast 50.000€ in den Beruf.

Wofür ich meinen Eltern dankbar bin

Man sagt viel zu selten Danke!

50.000€ sind eine Menge Geld für einen Berufseinsteiger, der zum ersten Mal „richtiges Geld“ verdient. Und dass ich diese Summe sparen konnte, liegt zum allergrößten Teil an meiner Familie, die mir durch Taschengeld und Weihnachtsgeschenke, vor allem aber durch die finanzielle Unterstützung im Studium überhaupt erst ermöglicht hat, das zusätzliche Geld, das ich durch Nebenjobs verdient habe, sparen zu können. Ich kenne genug Studenten, die ihren Nebenjob brauchen, um überhaupt über die Runden zu kommen – und dann vielleicht trotzdem mit Schulden ins Berufsleben zu starten.

Was jedoch noch viel mehr wert ist als dieser Startbetrag Geld, der voraussichtlich nur 2,5% – 3,5% meiner „FIRE-Zielzahl“ darstellen wird, ist die Einstellung zum Investieren.

Vielbeworbenes „Money-Mindset“

Denn mehr wert als jeder Euro auf meinem Konto zu Beginn des Berufslebens sind die Kenntnisse und die Einstellung zum Investieren, die ich von meinen Eltern bekommen habe. Während in anderen Familien oft noch gilt „über Geld spricht man nicht“, habe ich es als Selbstverständlichkeit vermittelt bekommen, dass ich als Volljährige jetzt für mein Geld selbst verantwortlich bin. Im Kontrast zu den Kindern, die von ihren Eltern bei Fragen nach Geldanlage den guten alten Bausparvertrag empfohlen bekommen (aktuelle Maximalverzinsung: ca. 1.0%, aktuelle Inflationsrate: 1,4%), habe ich von meinem Vater erklärt bekommen, warum es wichtig ist, bei Aktien(ver)käufen immer ein Limit zu setzen (um nicht durch plötzliche Schwankungen des Kurses zum völlig falschen Kurs zu (ver)kaufen). Seitdem habe ich noch viel dazu gelernt und weiß vor allen Dingen, dass ich sehr viel noch nicht weiß. Aber statt als Tabu oder Problem, sehe ich die Themen Geld und Investieren als Chance und Herausforderung, bei der es sich lohnt, neugierig zu sein und dazuzulernen. Diese positive Einstellung zu Geld ist etwas, das Finanzcoaches versuchen ihren Schützlingen für viel Geld in Webinaren und 1:1-Coachings erst zu vermitteln.

Wie hat dich deine Familie in Sachen Geld geprägt? Was hast du von zuhause mitgenommen? Wie ist deine Einstellung zu Geld heute im Vergleich zu früher? Und mit welchem Vermögen bist du ins Berufsleben gestartet? War der Betrag positiv oder negativ? Und woher kommt er?

Wie es dann mit dem Start ins Berufsleben mit meiner Vermögensentwicklung weiterging, das beschreibe ich im nächsten Teil dieser Mini-Serie.

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3 Antworten auf “Wie viel hast du bisher gespart? (Teil 1) // Meine Startbedingungen”

    1. Vielen Dank für deine lieben Worte! Ich habe etwas mit mir gehadert, diesen doch sehr persönlichen Artikel zu veröffentlichen, aber genau diese Transparenz ist mir eben sehr wichtig.
      Viele Grüße!

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