Wie sieht dein Depot aus? (Teil 4) // Abschluss der Umbauaktion

Europa ohne Deutschland
Lesezeit: 8 Minuten

Da ich einen der aktiv gemanagten Fonds in meinem Depot verkaufen und das Geld in ETFs reinvestieren möchte, habe ich über die letzten Wochen den Status quo meines Portfolios analysiert. Als Abschluss dieser Mini-Serie (hier geht es zum Start der Serie) werde ich natürlich auch noch verraten, welche Schlüsse ich aus all den Analysen zur momentanen Diversifikation meines Portfolios gezogen habe.

Zur Erinnerung: Status quo der Diversifikation in meinem Depot

Wie man in Teil 1 dieser Serie sieht, besteht nur ein kleiner Teil meines Portfolios aus aktiv gemanagten Fonds. Der Fidelity Fonds mit Europa-Fokus, den ich gerne verkaufen möchte, ist mit Abstand meine größte aktiv gemanagte Position und macht 64% dieser Kategorie aus. Den Großteil meines Depots bilden aber ETFs, die meisten davon auf regionale und Länder-Indizes.

Hinsichtlich der regionalen Diversifikation habe ich gegenüber meiner ersten Diversifikationsanalyse aus dem Jahr 2017 schon große Fortschritte gemacht. Mein Asien-, Europa- und Nordamerika-Anteil ist jetzt jeweils ein Drittel meines Depots. Wie ich in Teil 2 erläutert habe, entspricht diese Verteilung bereits meinem persönlichen Zielbild. In andere Regionen und im Vergleich zum Welt-Bruttoinlandsprodukt unterrepräsentierte Länder wie Brasilien, Russland, die Türkei oder Saudi-Arabien möchte ich nicht noch stärker investieren.

Jedoch habe ich auch feststellen müssen, dass ich durch einen starken Home Bias zu Beginn meiner Laufbahn als aktive Aktionärin innerhalb der Region Europa noch nicht gut diversifiziert bin. Deutschland macht in meinem Depot ca. 2/3 meines europäischen Aktienanteils aus. An der Wirtschaftskraft gemessen sollten es eher 1/4 oder weniger sein.

Innerhalb der APAC-Region bin ich im Vergleich zur Wirtschaftskraft noch zu wenig in Japan investiert. Und in Nordamerika, was ich für mich als Kanada, Mexiko und die USA definiere, stecken 97% meines Vermögens in amerikanischen Aktien. Schaut man sich die Wirtschaftskraft dieser Region an, so sollten die USA eigentlich nur bei einem Anteil von 85% liegen.

In Teil 3 meiner Analyse habe ich mir noch die Diversifikation nach Branchen bzw. Industrien angeschaut. Hier bin ich mit dem Status quo zufrieden. Solange ich eine gute regionale Diversifikation hinbekomme, wird auch die Diversifikation nach Industrien weiterhin solide bleiben.

Was nun?

Japan und Mexiko & Kanada

Fangen wir mit dem einfach Teil an: Die noch etwas „schiefen“ Anteile einzelner Länder innerhalb der Regionen APAC und Nordamerika kann ich im Gegensatz zu dem Deutschland-Übergewicht sehr kurzfristig durch Zukäufe ausgleichen. Dafür werde ich meine nächsten regulären Zukäufe auf die drei noch unterrepräsentierten Länder Japan, Mexiko und Kanada konzentrieren.

Nach den Zukäufen wird mein Japan-Anteil an der APAC-Region bei 17% liegen (also ungefähr bei der Wirtschaftskraft-Benchmark von 22%). Durch Zukäufe von ETFs auf den mexikanischen und kanadischen Länderindex sinkt mein USA-Anteil an der Nordamerika-Region auf 87%, also fast wie das Verhältnis der Wirtschaftskraft (85%) zwischen den drei Ländern ist.

Innerhalb meines Nordamerika-Portfolios werde ich die Anteile der Länder schnell der Benchmark anpassen können

Zur Umsetzung ausreichend großer Zukäufe, die die entsprechenden Anteile der Länder wie oben beschrieben verschieben, bräuchte ich mit meinen regulären monatlichen Sparraten etwa 6 Monate Zeit. In weniger als einem Jahr wird mein Portfolio somit nicht nur in Hinblick auf die drei große Regionen, sondern auch innerhalb der Nordamerika- und APAC-Region jeweils gut diversifiziert sein.

Um meinen Home Bias innerhalb der Europa-Region allein über solche Zukäufe ausgleichen zu können, bräuchte ich statt weniger Monate leider Jahre. Denn ich möchte das bereits erreichte Gleichgewicht zwischen den Regionen Europa, Nordamerika und APAC ab jetzt beibehalten. Somit geht nur ein Drittel meiner jährlichen Investitionssumme überhaupt nach Europa, der Rest wird in nordamerikanische und APAC ETFs investiert. Der Verkauf des aktiv gemanagten Fidilety-Europa-Fonds ist aber eine Chance mit einer Einmalaktion einen größeren Sprung zu machen.

Problemfall Deutschlandanteil im Europa-Depot

Der Anteil Deutschlands am Europa-Teil meines Depots beträgt aktuell ca. 63%. Schaut man sich die Zusammensetzung der G20-Wirtschaftskraft in der Region Europa an, wäre der Deutschland-Anteil grob 25%. Schaut man sich das BIP der EU an, trägt Deutschland ca. 21% bei. In der kleineren Euro-Zone sind es ca. 29%. Im MSCI Europa Index, der nach Marktkapitalisierung statt nach Wirtschaftskraft gewichtet, liegt der Deutschland-Anteil sogar nur bei ca. 14%. Egal welche Zahl man als Benchmark für einen sinnvollen Deutschland-Anteil zu Grunde legt, mit 63% bin ich in meinem Depot weit davon entfernt. Wie kann ich den Verkauf des Fidelity-Fonds also dazu nutzen, dies zu ändern?

„Andere Länder“ enthält Österreich, Belgien, Dänemark, Finnland, Irland, Italien, Norwegen, Portugal, Spanien, Schweden

Details zum meinem Verkaufskandidaten

Der Fidelity Funds – European Growth Fund A-Euro kostet mich 1,89% jährliche Gebühren. Der Ausgabeaufschlag beträgt eigentlich 5,25%, ist bei ING aber auf 2,63% reduziert. Richtig günstig, oder? 😉

Der Fonds verfolgt nach eigener Aussage folgende Strategie:

Der Fonds zielt auf langfristigen Kapitalzuwachs durch eine Anlage in ein aktiv verwaltetes Portfolio, das sich in erster Linie aus europäischen Aktienwerten zusammensetzt. Der Fonds ist ein echter Stockpicking-Fonds, bei dem die Auswahl der Anlagewerte im Vordergrund steht. 

Für mein Ziel, den Deutschland-Anteil zu senken, ist es positiv, dass der Fondsmanager deutsche Aktien aktuell leicht übergewichtet hat. Nach UK-Aktien stellen deutsche Aktien mit 19% den zweitgrößten Anteil. Mein Plan ist, den Verkaufserlös wieder in europäische ETFs, aber geradde nicht in deutsche Aktien zu investieren. So sinkt dann der Deutschland-Anteil an meinem Europa-Portfolio. Das ist aber gar nicht so einfach wie gedacht…

MSCI Europe ex Germany?

Für mein Ziel, den Europa-Anteil im Depot insgesamt gleich zu halten und gleichzeitig den Deutschland-Anteil zu senken, wäre es ideal, wenn es einen ETF gäbe, der in Europa ohne Deutschland investiert. Auf dem Markt gibt es allerdings nur mehrere MSCI Europe ex UK und einen MSCI Europe ex Switzerland. Aber einen ETF ohne Frankreich (zweitgrößte Position im MSCI Europe Index) oder ohne Deutschland (viertgrößte Position im Index) gibt es leider nicht auf dem Markt. Die alternativen Europa Indizes wie „Stoxx Europe“, „FTSE Developed Europe“ oder auch die beiden Euro-Zone Indizes „MSCI EMU“ und „EURO Stoxx“ gibt es alle nicht in der „ex Germany“-Variante. Was sind daher meine Möglichkeiten?

Alternative 1: Europe ex Germany mit Einzelindizes nachbauen

Da es keinen Europa-ETF in der „ohne Deutschland“ Variante gibt, könnte ich versuchen, verschiedene Länder-ETFs in einem von mir präferierten Verhältnis miteinander zu kombinieren. Dazu bräuchte ich dann einen ganzen Korb an ETFs auf die Länderindizes von UK, Schweiz, Frankreich, Italien, Spanien, etc.

  • Vorteil: Flexibilität. Ich habe volle Kontrolle über das Verhältnis der Länder untereinander und kann so mischen, wie ich das möchte.
  • Nachteil: Komplexität. Viele Einzelkäufe sorgen für ein unübersichtliches Portfolio und möglicherweise auch höhere Kosten als nötig.

Alternative 2: Fokus auf die „Big 3“: Europa ex EMU plus Frankreich

Als Benchmark für die weltweite regionale Diversifikation habe ich mich auf den Beitrag der 20 größten Länder zum gemeinsamen Bruttoinlandsprodukt konzentriert. Den Beitrag kleinerer Länder habe ich aus meiner Benchmark ausgeschlossen. Genauso könnte ich das auch innerhalb Europas machen.

Die drei wichtigsten Länder in allen Europa-Indizes sind UK, Schweiz und Frankreich, die zusammen mehr als 55% des jeweiligen Index ausmachen. Deutschland liegt meist um die 15%. Die anderen europäischen Länder tragen alle weniger als jeweils 7% zum Index bei. Wenn ich mich nur auf die großen Länder konzentriere, kann ich diese bereits mit zwei ETFs gut abdecken:

Der Index MSCI Europa ex EMU (European Monetary Union) konzentriert sich auf europäische Länder außerhalb der Euro-Zone

Ein ETF auf den MSCI Europe ex EMU umfasst „entwickelte“ europäische Länder ohne Euro als Währung. Das sind UK, Schweiz und die drei skandinavischen Länder. Fügt man hierzu noch einen ETF auf den französischen Markt (im Verhältnis 1:3) hinzu, sind der schweizer und der französische Markt ungefähr gleich gewichtet. Das entspricht ihrem Verhältnis in Europa-Indizes.

  • Vorteil: Vereinfachung. Mit nur zwei ETFs (statt vier ETF) habe ich die großen drei europäischen Aktienmärkte außerhalb Deutschlands sowie die drei skandinavischen Länder abgedeckt.
  • Nachteil: Geringere Diversifikation. Ich ignoriere mit dieser Stategie zunächst die im Vergleich kleineren Aktienmärkte von z.B. Spanien, Italien, den Niederlanden bzw. muss hier später doch wieder Einzel-Länder-ETFs dazukaufen.

Alternative 3: Tabula rasa und neu mit MSCI Europe starten

Zuletzt könnte ich natürlich auch neben dem aktiv gemangten Fidelity-Europa-Fonds auch alle meine ETFs auf deutsche Aktienindizes (DAX, MDAX) verkaufen. Die Gesamtsumme aus dem Verkauf könnte ich dann in einen Europa-Index meiner Wahl stecken und hätte so auf einen Schlag mein Deutschland-Übergewicht beseitigt.

  • Vorteil: Einfachheit. Mein Europa-Portfolio hätte ab sofort einen ausgeglichenen Deutschland-Anteil.
  • Nachteil: Kosten. Die Verkäufe kosten mich ca. 150€. Zudem sind die Verkäufe auch für meine Steuererklärung relevant.

Die Qual der Wahl

Die Versuchung ist groß, einfach alles zu verkaufen. Dann wären alle „Fehler der Vergangenheit“ (meine durch Home Bias überpropotional hohen DAX-Käufe) ausgemerzt und ich könnte quasi „neu starten“. Gleichzeitig finde ich 150€ an Gebühren recht viel dafür, dass der Verkauf eigentlich komplett unnötig ist.

Denn mein Portfolio soll bis zu FIRE noch ordentlich wachsen. Innerhalb der nächsten 5 Jahre möchte ich gerne eine Verdopplung hinbekommen. Allein durch meine regelmäßigen Sparraten wird sich mein Depotwert bereits in 7 Jahren verdoppelt haben. Der aktuell große Deutschland-Anteil innerhalb des Europa-Portfolios erledigt sich mit der Zeit quasi von alleine. Ich muss nur geduldig sein. Also: Einfach abwarten oder jetzt umbauen?

Meine Entscheidung

Ich habe mich für einen Mittelweg entschieden. Neben dem Fidelity-Fonds verkaufe ich auch zwei kleinere DAX-ETF-Positionen, die ich noch während meines Studiums gekauft habe. Die Gebühren sind so mit ca. 30€ moderater.

Das Geld aus den drei Verkäufen investiere ich wie in Alternative 2 beschrieben in einen MSCI Europa ex EMU ETF. Mit dem nächsten Investment aus meinen regulären Sparraten folgt dann in ca. 3 Monaten ein MSCI France ETF. Letzteren finde ich durch die größere Diversifikation mit 78 Positionen besser als den französischen Standardindex CAC 40 (mit – wie der Name schon sagt – nur 40 Positionen).

Nach diesem Umbau wird der Deutschland-Anteil von deutlich über 60% des Europa-Depots auf deutlich unter 40% gesunken sein. Das ist zwar immer noch ein deutliches Übergewicht im Vergleich zum 25%-Anteil in den Benchmarks, aber auch eine deutliche Verbesserung gegenüber dem Status quo.

Durch die regelmäßigen Zukäufe werde ich in deutlich unter 4 Jahren einen Deutschland-Anteil nah an den Benchmarks erreicht haben. Immer wenn ich in meinem APAC-Nordamerika-Europa-Turnus wieder bei Europa-Investments angekommen bin, kann ich mir dann überlegen, ob ich erneut die beiden in Alternative 2 genannten ETFs nachkaufe oder lieber weitere europäische Länder über Einzelinvestments hinzunehmen.

Ausblick

Mit der Diversifikation meines Aktienportfolios bin ich schon recht zufrieden. Die kleinen Untergewichte in APAC und Nordamerika sind schnell korrigiert. Für das Deutschland-Übergewicht habe ich einen Plan, wie ich es kurz- und mittelfristig reduzieren kann.

Natürlich gibt es neben der Diversifikation nach Regionen/Ländern und Industrien auch noch viele weitere Merkmale, nach denen man sein Aktienportfolio diversifizieren kann, z.B. nach Unternehmensgröße. Durch die Konzentration auf Länder- und Regionen-Indizes investiere ich tendenziell eher in die größten Unternehmen einer Region und weniger in die kleineren Unternehmen.

Zusätzlich kann man auch in andere Anlageklassen als Aktien investieren: Ich besitze bereits eine kleine Position in einem Staatsanleihenfonds und einem Immobilienfonds. In Unternehmensanleihen oder Rohstoffe habe ich bisher nicht investiert. Diese Anlageklassen möchte ich erst noch besser verstehen, bevor ich diese möglicherweise in meine Investmentstrategie aufnehme.

Wie hättest du dich an meiner Stelle entschieden bzgl. des Deutschland-Ungleichgewichts? Ist dir ein möglichst simples Portfolio wichtig? Oder hast du lieber mehr Kontrolle und stellst dir auch mal einen „Index“ selbst zusammen? Wie gut schätzt du deine Diversifikation insgesamt ein? Welche Anlageklassen hast du im Depot?

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