Wie schaffst du es, so viel zu sparen? (Teil 2) // Vielkontenmodell

Schrank mit verschiedenen Fächern
Lesezeit: 5 Minuten

In Teil 1 dieser Mini-Serie habe ich darüber geschrieben, wie man sein ideales jährliches FIRE-Sparziel finden kann. In diesem Teil 2 geht es jetzt um die Technik, wie man dieses Ziel und seine mittelfristigen Sparziele erreichen kann.

Wer kein stark schwankendes Einkommen hat, was auf die meisten Arbeitnehmer mit Fixgehalt/ohne Provisionsanteil zutreffen sollte, dem empfehle ich, sein gesetztes jährliches Sparziel auch mit einem Dauerauftrag umzusetzen. „Dauerauftrag“ muss natürlich nicht heißen, dass das überwiesene Geld dann auf einem Tagesgeldkonto vor sich hin rottet, sondern kann natürlich auch direkt als Aktien-Sparplan angelegt werden, sodass jeden Monat investiert wird. Wichtig ist nur die Umsetzung des „Aus den Augen, aus dem Sinn“-Prinzips: Was ich nicht auf dem Girokonto habe, das gebe ich auch nicht aus.

Ich betrachte dieses System allerdings lieber andersherum: Was ich (noch) auf dem Girokonto habe, das kann ich auch völlig sorgenfrei ausgeben, verprassen, raushauen – mein FIRE-Sparziel, von dem ich in Teil 1 dieser Mini-Serie erzählt habe, erreiche ich auf diese Weise automatisch. Somit muss ich also auf nichts mehr verzichten, um noch mehr sparen zu können oder mir Sorgen bzw. Gedanken machen vor jedem Kauf. Damit dieser psychologische Trick funktioniert, mit dem ich mich hier versuche, mich selbst zu überlisten, ist es aus meiner Sicht wichtig, dass das Girokonto und das Sparkonto / Depotverrechnungskonto bei verschiedenen Banken liegen. Das lässt sich auch mit einem Blick in die Finanzpsychologie begründen.

Mental Accounting und das Vielkontenmodell

In der Verhaltensökonomie bezeichnet man mit Mental Accounting („Mentale Buchführung“) das Verhalten von Menschen, verschiedene Ausgaben und Einnahmen verschiedenen (virtuellen) Konten zuzuordnen. In der Verhaltensökonomie wird diese Theorie genutzt, um zu erklären, warum manche Menschen irrationale Entscheidungen treffen, also Entscheidungen, die nicht das beste Resultat für sie ergeben. Wikipedia beschreibt als Beispiel ein Experiment des Wissenschaftlers Richard Thaler:

Thaler beschreibt ein empirisches Experiment, in dem die Testpersonen ins Theater gehen möchten und die Karte 10 Dollar kostet. Im Experiment bekommen die Probanden nun gesagt, sie stünden an der Theaterkasse und hätten die Karte verloren und müssten diese neu kaufen. 56 % sind nicht dazu bereit. Mental werden diese 10 Dollar dem Konto „Kauf Theaterkarte“ zugeschlagen. Damit kosten die Karte 20 Dollar und damit mehr, als den Probanden der Theaterbesuch wert ist.

Eine andere Teilgruppe der Experimentteilnehmer sollte an der Abendkasse für 10 Dollar die Karte kaufen. Sie bekamen dann gesagt, sie hätten die 10 Dollar Bargeld verloren und müssen nun die Karte aus anderem Geld zahlen. Hier entschieden sich 88 % zum Kauf der Karte. Mental werden diese 10 Dollar dem Konto „Verlust Bargeld“ zugeschlagen. Der mentale Preis der Eintrittskarte blieb somit bei 10 Dollar.

Die Tendenz des Menschen, Mental Accounting zu betreiben, ist für mich nicht unbedingt nur etwas negatives! Man kann sich dieses Verhalten auch zu Nutze machen und unterstützen, indem man nicht nur virtuell verschiedene Konten bildet, sondern auch „physisch“ – durch Konten bei verschiedenen Banken. Die Hürde, Geld vom Sparkonto bei Bank B zurück auf das Girokonto bei Bank A zu überweisen, um sich davon etwas zu kaufen, was man nicht unbedingt ganz dringend braucht, ist deutlich höher als wenn das Geld einfach gemeinsam in einem Topf auf dem Girokonto liegt. Dann bräuchte man schon sehr starke Mental Accounting Fähigkeiten, um hier wirklich klar voneinander trennen zu können!

Liegt das Geld nur auf einem anderen Konto, aber bei der gleichen Bank, dann ist auch hier die Hürde wieder etwas kleiner. Auf der Online-Banking-Startseite wird doch sowieso die Summe angezeigt und ein Transfer innerhalb der Bank dauert oft auch nur wenige Minuten und nicht einen Tag wie bei Überweisungen zwischen verschiedenen Bank. In diesem Sinne schützt man sich ein bisschen vor sich selbst 😉

Autobahnkreuz
Alles gleich am Monatsanfang per Dauerauftrag in die richtigen Bahnen lenken

Pay yourself first

Auch bei mittelfristigen Sparzielen, den kleinen und großen Ausgaben, die man für die Zukunft plant, wie ein Urlaub oder neue Möbel, lohnt es sich zur Steigerung der eigenen Standfestigkeit, separate Konten einzurichten und diese direkt per Dauerauftrag zu besparen.

In Teil 1 dieser Mini-Serie habe ich drei Situationen beschrieben:

  • Situation A: Unregelmäßiger Sparer mit dem Wunsch nach einem funktionierenden Sparsystem und einer Steigerung der Sparrate
  • Situation B: Nicht-Sparer bzw. Sparer für mittelfristige Ziele, die weiß, dass eigentlich auf für das langfristige Sparziel Potential da sein müsste
  • Situation C: Nicht-Sparer, die das Gefühl hat, es sei auch kein Potential zum Sparen da

Besonders wer sich in der Beschreibung von Situation B wiedergefunden hat, dem hilft diese strikte Trennung in unterschiedliche Budgettöpfe beim Vielkontenmodell sehr, die eigene Sparrate zu erhöhen. Bei kleineren Summen, z.B. für den nächsten Urlaub, ist ein Tagesgeldkonto (oder sogar ein völlig unverzinstes Girokonto, das macht den Kohl auch nicht fett bei den aktuellen Zinsen), die beste Wahl.

Aus meiner Sicht hat dieses Vielkontenmodell nicht nur den Vorteil, dass man durch die z.B. jährliche Definition/Planung der eigenen Sparziele einen besseren Blick auf die eigenen Prioritäten im Leben bekommt und einen besseren Umgang mit Geld erlernt, sondern indirekt auch einen positiven Nebeneffekt als Lifestyle-Inflations-Bremse. Wenn auf dem Urlaubskonto im Moment 900€ liegen, denkt man sicherlich zweimal darüber nach, ob man jetzt eine Reise für 1.500€ bucht. Wenn es die Traumreise deines Lebens ist, go for it! Sparen sollte nicht Verzicht sein. Dann kannst du immer noch 600€ aus deinem Neue-Möbel-Sparkonto umwidmen. Deine alter Fernseher ist ja eigentlich noch ganz okay, da kannst du auch noch ein paar Monate weitersparen, bis du dir das neue Modell leisten kannst. So wird aus einer Reisebuchung eine ganz bewusste Entscheidung für die eigenen Prioritäten statt einer spontanen Bauchentscheidung, die danach (zumindest monetär?) bereut werden könnte.

Ist das nicht unglaublich aufwändig?

Ja und nein. Hat man erst einmal seine Konten und Daueraufträge/Sparpläne eingerichtet, hat man so gut wie keinen Aufwand mehr. Solange ich nicht mehr Geld ausgebe, als nach den Daueraufträgen noch auf dem Girokonto ist, erreiche ich meine Sparziele mühelos und muss nur einmal im Jahr meine neuen Sparziele setzen, meine Einnahmen/Ausgaben prognostizieren und das daraus resultierende Sparziel bzw. meine monatlichen Sparraten ausrechnen. Die Daueraufträge zu ändern, dauert nochmal 10 Minuten und schon bin ich für den Rest des Jahres mit dem Thema sparen durch.

Umschläge
Pluspunkt: Die Umschlagmethode ist besonders Instagram-tauglich

Wer die Idee des Vielkontenmodells ausprobieren möchte, um herauszufinden, ob das zu dir passt, der kann z.B. zunächst mit seinen monatlichen Ausgaben die Umschlagmethode mit Bargeld testen. Für mich persönlich ist das etwas zu kleinteilig, da ich mir keine monatlichen Budgets setze und auch keine sehr gleichmäßige Ausgabenstruktur habe – somit müsste ich viele Monate lang größere Summen Bargeld zuhause herumliegen haben… eher unpraktisch. Wer sich oben eher in Szenario C wiedergefunden hat, der kann mit dieser Methode aber recht gut feststellen, wo im Budget die potentiellen Stellschrauben zum Sparen doch noch versteckt sind.

Aufwand-Nutzen-Verhältnis

So aufwändig, wie es klingt, ist es tatsächlich gar nicht mit der Kontoeröffnung für das Vielkontenmodell. Ein Konto zu eröffnen dauert heute kaum länger als 30 Minuten, den Weg zur Post oder das Video-Ident-Verfahren bereits eingerechnet. Wer bereits zwei Banken hat (was heute der Normalfall ist, da laut einer YouGov Umfrage nur 42 Prozent der Befragten nur eine Bank nutzen), kann mit jeweils einem Giro- und Tagesgeldkonto auch bereits 3 Sparziele verwirklichen, z.B. das Urlaubskonto auf dem Tagesgeldkonto der „Hausbank“ (wo man auch sein Giro-/Gehaltskonto hat), und dann den „Notgroschen“/Emergency Fund und das „Studiengebühren für den Master“-Konto bei der anderen Bank. Vielleicht reicht das ja bereits aus.

Manche Banken erlauben auch mehr als ein Girokonto/Tagesgeldkonto pro Kunde zu eröffnen (alleine oder ggf. als Gemeinschaftskonto), dann spart man sich wieder eine zusätzliche Kontoeröffnung. Zusätzlich kann man auch Kreditkartenkonten als Sparkonten nutzen, indem man statt der Kreditfunktion die Karte diese einfach wie ein Tagesgeldkonto nutzt und mit Guthaben führt. Einige wenige Banken, z.B. N26, bieten auch bereits die Funktion an, rein virtuelle Unterkonten für bestimmte Sparziele einzurichten.

String Art
Das Vielkontenmodell muss nicht kompliziert sein!

Tipps für das Vielkontenmodell

Natürlich sollte man bedenken, dass man diese Zusatzkonten, die nur zum kurzfristigen Sparen von kleineren Geldsummen da sind, bei Banken einrichtet, die keine oder nur sehr geringe Kontoführungsgebühren fordern. Geht es um größere Sparsummen oder Sparhorizonte, dann sind in der heutigen Nullzinszeit Giro-/Tagesgeldkonten kein besonders empfehlenswerter Weg. Bei einem klar definierten mittelfristigen Zeitraum ist Festgeld etwas renditeträchtiger, dafür natürlich auch unflexibler – deswegen heißt es ja Festgeld ;).

Wie auch beim Sparen muss jeder für sich das finden, was für ihn oder sie am besten funktioniert. Ich habe mein System zum Sparen jetzt über die letzten drei Jahre immer weiter angepasst und dadurch einen immer besseren Blick darauf gewonnen, was für mich funktioniert und was mir mehr Arbeit (Gedanken) bereitet.

Sparst du auf deine mittelfristigen Sparziele auch im Vielkontenmodell oder nach einem anderen System? Wie viele Konten besitzt du? Und für welche unterschiedlichen Zwecke nutzt du sie?

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