Wie lief dein Finanzjahr? // Jahresrückblick 2020

2020
Lesezeit: 4 Minuten

2020 – was für ein Jahr! Vieles verlief anders als geplant. Trotz Corona-Crash war es bei meinen Finanzen zum Glück deutlich ruhiger als in allen anderen Bereichen des Lebens und auf der Welt. Und das ist gut so! „Langweiligig“ ist in Bezug auf meine Finanzen mein Idealzustand. Ein paar Einblicke und Erkenntnisse meines Finanzjahrs 2020 möchte ich heute aber trotzdem heute teilen – und damit hoffentlich nicht langweilen!

Vermögenszuwachs

Letztes Jahr konnte ich mein Gesamtvermögen noch um +50% steigern. Mit wachsendem Vermögen wird dies natürlich immer schwieriger. 2020 bin ich noch auf einen Vermögenszuwachs von +22% gekommen. Davon kommt etwa die Hälfte durch meine Sparrate, also Neuzuflüsse. Der Rest sind Kapitalgewinne, also Zinsen, Dividenden und vor allen Dingen Buchgewinne bei den Aktien und ETFs.

Meinen Autokredit habe ich hier nicht berücksichtigt. Ich sehe den Kredit als laufende Verpflichtung, die mein verfügbares monatliches Einkommen reduziert und nicht als große Einmalsumme. Das ist vielleicht etwas ungewöhnlich, da man Kredite sonst immer zum Nettovermögen hinzurechnet. Würde man den Kredit berücksichtigen, wäre der Vermögenszuwachs +8%. In meinem speziellen Fall erscheint mir diese Berücksichtigung als laufende Kosten allerdings sinnvoller. Kritik gerne in den Kommentaren 😉

Tops und Flops

Meine beiden Depots bei der ING (historische Käufe) und Onvista (alle Käufe seit Sommer 2019) haben sich dieses Jahr etwas unterschiedlich entwickelt. Ich vergleiche im Folgenden nicht das jeweilige Gesamtdepot, sondern nur die Wertpapiere, die auch am Jahresende 2019 bereits in meinem Besitz waren. Bei diesem Like-for-Like-Vergleich schneiden die Depots folgendermaßen ab:

  • ING Depot: +7,7%
  • Onvista Depot: +13,6%

Gemeinsam schaffen es meine Depots auf eine Gesamtperformance von +9,6%. Damit bin ich sehr zufrieden, eigentlich sogar sehr erstaunt. Wer hätte das im März mitten im Crash bei teilweise 30-40% Verlusten gedacht? Und wenn man sich so umschaut, dann zeigt sich in diesem Jahr mal wieder, dass „die Wirtschaft“ und „die Börse“ nicht das gleiche sind oder überhaupt in die gleiche Richtung laufen.

Tops

Die Corona-Pandemie zeigt sich sehr deutlich in meinen Tops und Flops dieses Jahr. Die beste Performance mit +36,6% legte ein ETF auf den MSCI USA Consumer Discretionary Spending hin. In diesem Index sind amerikanische Unternehmen enthalten, die Güter oder Dienstleistungen anbieten, die zwischen „Überlebensnotwendig“ (wie Lebensmittel) und „Luxusgut“ (wie Designerhandtaschen) einzuordnen sind. Schaut man sich die größten Positionen im Index an, überrascht die gute Performance nicht: Amazon als absoluter Pandemie-Gewinner, Tesla der diesjährige Börsenliebling und Home Depot, als Baumarktkette auch ein Corona-Gewinner.

Auf Platz 2 stand bei mir ein Nasdaq ETF (+32,8%), der als zweitgrößte Position auch wieder Amazon enthält. Aber natürlich gab es auch einige Pandemie-Verlierer.

Flops

Die größten Verluste dieses Jahr musste der Rückversicherer Hannover Re einstecken (-24,5%). Nach dem Crash hat sich die Aktie nicht mehr wirklich erholt. Alle Rückversicherer leiden nicht nur unter der allgemeinen Wirtschaftsentwicklung und dem schwierigen Anlageumfeld, sondern müssen auch zunehmend die Folgen des Klimawandels auf das eigene Geschäftsmodell (Naturkatastrophenrückversicherungen) berücksichtigen. Für mich sind die Verluste aber absolut verschmerzbar, denn die Aktie steht – gerechnet seit Kauf – für mich immer noch bei +203%.

Was auch noch ziemlich schlecht lief waren Fonds, die in Immobilien investieren. Gerade bei Büroimmobilien schwebt die Frage im Raum, ob hier die Nachfrage auch in Zeiten vom „New Normal“ noch so stark bleiben wird wie vor den Home Office Zeiten. Dabei zeigt sich bei mir im Depot ein starker Unterschied zwischen dem Fonds (-3%), der direkt in Immobilien investiert (Mieten wurden bisher gößtenteils weitergezahlt) und dem (-20%), der in Immobilienunternehmen investiert (Zukunftsaussichten sind schlecht).

Auch ETFs, die als Investitionsschwerpunkt Dividendentitel haben, sind nach dem Absturz im Frühjahr nicht so richtig aus dem Quark gekommen. Sowohl mein asiatischer Dividenden-ETF als auch der amerikanische stehen bei ca. -20% dieses Jahr. Apropos Dividenden: Dieses Jahr ging etwa 1.800 Euro Dividenden auf meinen Konten ein, was ca. 2.000 Euro vor Steuern entspricht. Da ich lieber in thesaurierende ETFs investiere, ist mir die Dividendenhöhe recht egal. Die Einnahmen werden vollständig reinvestiert.

Sparrate

Mein Anfang des Jahres gesetztes Sparziel habe ich dieses Jahr nicht erreicht. Jetzt am Ende des Jahres konnte ich nur 85% meines Ziels erreichen. Das liegt daran, dass ich durch den Jobwechsel eine andere Gehaltsstruktur als vorher besitze. Weniger monatliches Fixgehalt, dafür einen höheren variablen Bonus, der im Herbst und Frühjahr gezahlt wird. Somit konnte ich im letzten Quartal des Jahres nicht mehr meine gewohnte monatliche Sparrate sparen. Am Jahresanfang berechne ich immer die maximal mögliche Sparrate und lasse anschließend durch Daueraufträge alles auf „Autopilot“ laufen. Daher besteht im Umkehrschluss wenig Spielraum, die Ziele doch noch zu erreichen, wenn sich meine Einnahmen ändern. Meine Sparrate betrug insgesamt trotz der kleinen Zielverfehlung 53% meines Nettogehalts.

Für nächstes Jahr wird es etwas komplizierter einen Finanzplan aufzustellen, da ich meine neue Gehaltsstruktur noch nicht so genau kenne und die variablen Gehaltsbestandteile schlechter voraussagen kann. Wahrscheinlich wird meine monatliche Sparrate bei ca. 33% des monatlichen Nettogehalts liegen. Dafür werden die größeren variablen Zahlungen dann aber fast vollständig ins Depot fließen, sodass ich 2021 hoffentlich mit einer ähnlich hohen Gesamtsparrate beenden werde.

Erkenntnisse auf meinem Weg zu FIRE

Neben dem Vermögenszuwachs bin ich dieses Jahr auf meinem Weg zu FIRE ein ganzes Stück weiter gekommen. Durch den ersten Lockdown und die anschließende Home Office Phase habe ich viele Erkenntnisse über die RE-Zeit gewinnen können. Vom idealen Essensbudget ohne Kantinensubventionen durch den Arbeitgeber, über die allgemeine Ausgabenplanung bis zu der Erkenntnis, dass mir zuhause sicherlich nicht langweilig werden wird!

Durch die viele Zeit zuhause und die weggefallenen Reisen in fremde Länder (ich war nur auf einer Wanderung kurz mal in Österreich) weiß ich zwar solche Aktivitäten jetzt wohl noch mehr zu schätzen. Aber gleichzeitig habe ich auch die Gewissheit, dass ich nicht viel Action und weit entfernte Traumstrände brauche, um glücklich zu sein. Die vielen selbstgekochten Mittagessen waren quasi ein Vorgeschmack auf meine Rentenzeit ohne ohne Arbeitgeber und ohne Kantine.

Hier geht es zu meinen Zielen für 2021.

Wie lief dein Finanzjahr? Corona-Crash gut überstanden? Was hast du gelernt? Hast du deine (finanziellen) Ziele 2020 erreicht? Was sind deine Ziele für 2021?

5 Replies to “Wie lief dein Finanzjahr? // Jahresrückblick 2020”

  1. Herzlichen Glückwunsch zu allem, was du in 2020 geschafft hast! Genieß den Erfolg und nutz den Rückenwind für einen guten Start in 2021. Ich freu mich darauf, deinen Weg in Richtung FIRE weiterzulesen.

  2. Danke für den Tipp mit den ETF, der Xtrackers enthält doch eine ganze Reihe von Werten die ich mal als Einzelaktie kaufen wollte aber nie habe, vielleicht mache ich da mal einen Sparplan.

    Zum Thema Essen, ich meine seit Corona sind trotz Firmenkantine die Kosten signifikant gesunken. Der Schlüssel dazu war ab Q4 ein Wochenplan und nur noch einmal einkaufen.

    Außerdem haben einige Küchengegenstände die eigentlich schon auf der „kann minimalisiert werden-Liste“ standen einen 2. Frühling erlebt, angefangen von einer bekannten Küchenmaschine aus dem Direktvertrieb hin zu (überteuerten) Behältern ebenfalls aus dem Direktvertrieb mit denen man wunderbar Brot backen kann.

    PS: unsere Sparrate stimmt übrigens fast exakt überein 🙂

    1. Wir arbeiten auch mit Essensplänen, da sonst gar nicht genug Zeit wäre, in den 60 Minuten Mittagspause sich etwas auszudenken und es zu kochen und es zu essen. Die beiden letzten Schritte sind schon schwierig genug in eine Stunde zu quetschen.
      Aber neue Tuppercontainer haben wir uns auch gegönnt 🙂 mir fällt auf, die fehlen sogar in meinem letzten Artikel 🙈

      Wann möchtest du denn in Rente gehen? Bei der Sparrate geht das ja doch recht schnell. Oder ist das gar nicht dein Ziel?

      Viele Grüße
      Jenni

      1. Hi Jenni,

        schau mal nach Brot und Ultra bei YT.

        Bei der früheren Rente sind leider nur noch 5-7 Jahre früher realistisch, zumindest nach meiner Rechnung.

        Das alles über ein Zeitwertkonto und nicht via Investments. Bei letzteren wage ich aktuell keine Prognose, erstmal müsste die Schwelle zum 6-stelligen Depotwert genommen werden und das wird noch dauern.

        Viele Grüße, Andre

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