Wie lief dein Finanzjahr? // Jahresrückblick 2019

Feuerwerk
Lesezeit: 7 Minuten

Das Jahr neigt sich dem Ende zu und die meisten TV-Jahresrückblicke sind bereits über den Bildschirm geflimmert. Auch ich möchte den letzten Post in diesem Jahr dazu nutzen, auf das vergangene Jahr zurückzublicken.

Die Geburtsstunde von Dagoberts Nichte

Die größte Finanz-Neuerung für mich war sicherlich der Start meines Blogs im September. Bereits im Januar hatte ich mit der Idee geliebäugelt und im Juli dann angefangen, Posts zu schreiben. Bisher macht es mir eine Menge Spaß, mich jede Woche wieder in ein Thema einzuarbeiten und meine Gedanken aufzuschreiben. Und bisher habe ich auch pünktlich jeden Freitag einen Post hochladen können – auch wenn es manchmal knapp war 😉

Der erste Schritt ist immer der schwerste, oder?

Neuzugänge bei meinen Depotbanken

Mein Depot habe ich schon lange bei der ING. Mein Papa hatte es für mich eröffnet als ich noch in der Schule war. ING hat dieses Jahr allerdings die Gebührenstruktur geändert, sodass es für mich deutlich teurer wurde, Aktien zu kaufen. Ich warte meist ein paar Monate, bis ein größerer Geldbetrag zusammengekommen ist, und investiere dann auf einen Schlag. So kann ich immer wieder neu entscheiden, welche Aktien ich kaufe. Das ist meine Art von „Rebalancing“.

In der Vergangenheit habe ich sehr viele deutsche Aktien bzw. ETFs auf den DAX und MDAX gekauft. Dadurch und durch einen jahrelang laufenden Sparplan auf einen Europa-fokussierten Fonds ist mein Portfolio sehr europa- bzw. deutschlandlastig. Daher kaufe ich im Moment mehr Produkte mit Fokus auf anderen Regionen der Welt.

Onvista Depot mit Freebuys

Für dieses Investitionsverhalten (alle paar Monate eine größere Summe anlegen) passt das Onvista Freebuy Depot perfekt. Denn die (fast) kostenlose Käufe bei Onvista „erarbeitet“ man sich durch Guthaben auf dem Verrechnungskonto im Vormonat. Hat man im Durchschnitt mehr als 2.000€ auf dem Verrechnungskonto, gibt es dafür im Folgemonat einen sogenannten Freebuy. Mit diesen Freebuys zahlt man nur die sogenannte Handelsplatzgebühr in Höhe von 2€.

2 Euro

Bei einem Kauf im Wert von 10.000€ entsprechen diese 2€ also sehr günstigen 0,02% Gebühren. Bei der ING fallen außerhalb der aktuellen Aktionskonditionen zunächst 4,90€ je Kauf an, sowie zusätzlich 0,25% des Volumens. Das wären bei einer Investition von 10.000€ also Gebühren von 29,90€ oder 0,3%. Maximal sind die Gebühren von ING auf 69,90€ gedeckelt, was bei Kaufvolumen oberhalb von 26.000€ relevant wird.

Das Onvista Freebuy Depot passt besonders gut zu Investoren, die eine Zeit lang Geld auf dem Verrechnungskonto ansparen wollen, um dann größere Summen auf einen Schlag zu investieren. Leider bietet die Onvista dieses Kontomodell aktuell anscheinend nicht mehr an für Neukunden.

Bei Onvista gibt es allerdings weiterhin das 7€-je-Trade-Depot (es wird „5€-Depot“ genannt, weil die Handelsplatzgebühren aus Marketinggründen zunächst verschwiegen wird…). Im Vergleich zur ING wäre dieses Modell ab ca. 850€ einmalige Investitionssumme günstiger.

Trend mobile Broker?

Inzwischen gibt es sogar einen Broker, der (zurzeit noch) komplett kostenlose Käufe und Verkäufe anbietet. Ich bin auf BUX Zero auf Instagram aufmerksam geworden, denn zum Start gab es eine besondere Werbeaktion, über die viele Instagram-Finanz-Accounts berichtet haben: Jeder neue Nutzer erhielt eine Gratisaktie im Wert von bis zu 200€.

Die meisten Nutzer haben zwar eher Aktien im Wert von ca. 5€ bekommen (ich auch), aber trotzdem war das bestimmt eine gelungene Werbekampagne! Auch Trade Republic, ein weiterer Broker, den es wie BUX Zero ausschließlich als App gibt und bei dem alle Käufe zurzeit noch 1€ Festpreis kosten, ist derzeit bei Finanzblogs in aller Munde.

Der beste Broker

Bei der Wahl seines Online-Brokers sollte man aber nicht nur auf die Kaufgebühren schauen. Gerade die neuen Mobile Broker, die mit günstigen Gebühren und einfach zu bedienenden Apps um Kunden werben, haben auch einige Nachteile, z.B. die extrem eingeschränkte Auswahl an Aktien bei BUX oder die höheren Spreads (also höheren Kaufpreise) außerhalb der Kernhandelszeiten bei Trade Republic. Auch sollte man immer schauen, wie hoch die Verkaufsgebühren ausfallen, denn die können durchaus anders berechnet werden als die Kaufgebühren.

Ein weiterer wichtiger Punkt aus meiner Sicht ist User Experience (UX). Bei Onvista merkt man z.B., dass die Oberfläche des Onlinedepots auf erfahrene Aktionäre ausgerichtet ist – einige Funktionen und Buttons sind für Aktienneulinge wahrscheinlich eher verwirrend oder schwieriger zu verstehen. Wem eine persönliche Betreuung bzw. ein gut erreichbarer Kundenservice wichtig ist, der bei Fragen zu Aktien oder dem Depot weiterhilft, der passt vielleicht besser zu einer Filialbank als zu einem reinen Onlinebroker. Zuletzt ist natürlich auch das eigene Investitionsverhalten wichtig:

  • Möchtest du lieber eine möglichst große Auswahl an (kostenlosen) Sparplänen oder investiert du meistens einmalige Summen?
  • Investierst du kleinere Summen von ein paar Hundert Euro oder gleich auf einen Schlag mehrere Tausend?
  • Kaufst du eher Einzeltitel oder Fonds bzw. ETFs?
  • Möchtest du neben Aktienprodukten auch Anleihen oder Zertifikate, Optionen, etc. kaufen können?

Erst wenn man sich diese Fragen beantwortet hat (bzw. sich entschieden hat, dass man etwas sucht, was ggf. für beide „Extreme“ ganz okay passt), kann man für sich das richtige Depot finden. Dabei würde ich nicht unbedingt auf die Empfehlungen anderer vertrauen, denn die eigene Situation kann ganz anders sein. Trotzdem ist es natürlich sehr hilfreich, Erfahrungsberichte und Depot-Vergleiche zu lesen, um sich seine eigene Meinung bilden zu können.

Jetzt aber Butter bei die Fische: Wie lief 2019?

Zahlen, Daten, Fakten

Jedes Jahr analysiere ich die Performance meines Aktienportfolios. Dabei klingt „analysieren“ wissenschaftlicher als es ist: Ich vergleiche einfach die Gesamtsumme aller Investments, die ich sowohl am Jahresanfang als auch am Jahresende hatte und rechne den prozentualen Anstieg (oder Verlust) aus. In diesem Jahr war das einfach, da ich im Vergleich zum Jahresanfang keine weiteren Käufe in meinem ING-Depot vorgenommen habe und es nur zwei Abgänge bzw. Verkäufe gab. Alle neuen Käufe habe ich in meinem neuen Onvista-Depot vorgenommen. Wie lief es also in den verschiedenen Depots?
Dieses Jahr war ein wirklich gutes Börsenjahr und zwar weltweit. Die verschiedenen Indizes haben deutlich zweistellige Gewinne verzeichnen können, z.B.

Startende Rakete
Es ging ab an den Märkten 2019
  • MSCI World Index: +22%
  • S&P 500 (USA): +31%
  • EURO STOXX 50: +29%
  • DAX: +26%
  • MDAX: +32%
  • Bovespa (Brasilien): +33%
  • RTS Index (Russland): +40%

Bei mir lief es dementsprechend auch sehr gut:

  • ING-Depot: +27% (im Vergleich zum Januar 2019)
  • Onvista-Depot: +10% (seit den Käufen im Spätsommer)

Durch meine Sparraten/neuen Käufe sowie diese Zugewinne habe ich mein Gesamtvermögen 2019 um ca. 50% steigern können. Das ist das Schöne, wenn man noch nicht so ein großes Vermögen hat: Am Anfang kann man sein Geld noch leicht verdoppeln oder verdreifachen bzw. hohe Zuwächse verzeichnen! Ich freue mich schon auf den Moment, wo ich durch Investitionsgewinne mehr Geld hinzugewinne, als ich durch meine Sparrate zum Gesamtvermögen hinzufüge.

Tops und Flops

Louis Vuitton Laden
Luxus ist weiter beliebt

Besonders gut lief es dieses Jahr bei einer meiner Einzelaktien. LVMH, das Unternehmen u.a. hinter den Luxusmarken Louis Vuitton, Moët & Chandon Champagner und Hennessy Cognac, ist dieses Jahr um +64% gestiegen. Seit Kauf Anfang 2015 stehen sogar +193% im Buche. Dazu kommt eine jährliche Dividende von ca. 2%. Auch Nasdaq, ein Asia Pacific Fonds und meine erste eigene Kaufentscheidung, ein Wasser-Fonds, liefen dieses Jahr besonders gut mit jeweils über 35% Kurssteigerung.

Mein persönlicher Flop war die Deutsche Bank Aktie. Zwar war die Aktie seit Jahresbeginn 2019 bis im April 2019, als ich sie (endlich) verkauft habe, sogar um +5% gestiegen. Insgesamt ist das Investment aber als fettes Minus zu verbuchen. Blicken wir zurück:

Ich hatte 2015 eine Aktienanleihe mit 7% Zinsen gekauft, womit man – stark vereinfacht – darauf gewettet hat, dass die Deutsche Bank Aktie innerhalb der nächsten ca. 12 Monate nie mehr als 25% unter den Kurs vom Starttag der Aktienanleihe fällt. Verliert man die Wette, kriegt man nicht sein Geld zurück, sondern Aktien in sein Depot gutgeschrieben und zwar so viele, wie man ursprünglich für die 1.000€ hätte kaufen können.

Ausschnitt aus dem Produktinformationsmerkblatt der Aktienanleihe – ganz schön komplex!

Natürlich kam es anders als ich gewettet hatte, sodass mir nach 12 Monaten statt meinem ursprünglichen Investment von 1.000€ nur deutlich wertlosere Deutsche-Bank-Aktien ins Depot gebucht wurden. So war aus den 1.000€ nur noch ca. die Hälfte geworden.

Viel zu lange habe ich diese Aktien behalten! Hier waren gleich zwei kognitive Biases am Werk: Der Disposition Effect („was man schon mal hat, gibt man nicht mehr her, auch wenn man es sich nicht zum aktuellen (Verkaufs-)Preis kaufen würde“) und Loss Aversion („solange ich nicht verkaufe, ist auch noch kein Verlust realisiert“). Hätte ich den Kram damals einfach verkauft! Stattdessen habe ich mich Jahr für Jahr über den sinkenden Kurs geärgert. Statt bei 28€ wie im März 2015 bei Kauf der Aktienanleihe habe ich die Aktien 2019 endlich verkauft für 7,50€! Ein Minus von ca. 75%…

Die Deutsche Bank Aktien kennt nur eine Richtung

Immerhin habe ich etwas daraus gelernt:

  • Keine Produkte mit komplizierten Bedingungen / Wetten mehr (wollte es damals ausprobieren und habe die Bedingungen auch gut verstanden – allerdings die Kursentwicklung völlig falsch eingeschätzt)
  • Verlustbringer schnell verkaufen, wenn man nicht mehr an die Zukunft des Unternehmens glaubt

Ausblick 2020

Was sind meine Ziele für das kommende Jahr? Zunächst einmal möchte ich mich noch mehr mit dem Thema FIRE beschäftigen, z.B. mit dem Thema Krankenversicherung, Steuern, Auszahlungssysteme, etc. Dabei hilft mir das Schreiben für den Blog automatisch.

2019 konnte ich ca. zwei Drittel meines Nettoeinkommens sparen. Ein großer Block kam da allerdings aus dem Bonus, der im kommenden Jahr durch einen Arbeitgeberwechsel deutlich schlanker ausfallen wird. Bei der monatlichen Sparrate aus meinem „normalen“ Gehalt ist nicht mehr viel Luft nach oben. Hier habe ich mir vorgenommen, 50€ mehr pro Monat zu sparen, was durch eine Gehaltserhöhung von voraussichtlich ca. 100€ gut machbar sein sollte. Damit komme ich dann für 2020 auf eine jährliche Sparrate von ca. 59% plus ein bisschen, falls sich durch Bonus oder Steuerrückerstattung noch weitere „Einkommensquellen“ ergeben. Damit bin ich sehr zufrieden!

Wie lief dein Finanzjahr 2019? Konntest du von den hohen Gewinnen weltweit profitieren? Um wie viel ist dein Vermögen gewachsen? Was waren deine Tops und Flops? Und was sind deine Ziele für 2020?

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