Wie groß ist deine Rentenlücke? // Auf dem Weg zu Coast FI

Mind the Gap
Lesezeit: 10 Minuten

Auf jedem Rentenbescheid wird eindrücklich vor ihr gewarnt:

Da die Renten im Vergleich zu den Löhnen künftig geringer steigen werden und sich somit die spätere Lücke zwischen Rente und Erwerbseinkommen vergrößert, wird eine zusätzliche Absicherung für das Alter wichtiger (Versorgungslücke).

Der Unterschied zwischen der erwarteten (gesetzlichen) Rente und dem benötigten monatlichen Budget in der Rente wird umgangssprachlich auch „Rentenlücke“ genannt. Als erstes Ziel auf dem Weg zur finanziellen Unabhängigkeit bzw. FIRE – Financially Independent, Retired Early – gilt es diese Rentenlücke durch private Vorsorge zu schließen. Danach kann man sich Gedanken über einen früheren Renteneintritt machen.

Wie berechnet man die Rentenlücke?

Meine Rentenlücke zu berechnen war gar nicht so einfach. Zunächst muss man alle Informationen zur gesetzlichen Rente, Betriebsrenten und bereits abgeschlossenen privaten Rentenversicherungen (z.B. Riester oder Rürup) zusammensuchen. Ich habe jeweils abgeschrieben, wie hoch mein

  • aktueller Rentenanspruch aus diesem Vertrag bereits ist (d.h. wenn der Vertrag ab sofort beitragsfrei/ohne weitere Einzahlungen wäre)
  • garantierter Rentenanspruch ist, sofern der Vertrag unverändert weiterläuft bis zur Rente (mit gleichen Einzahlungen wie bisher)
  • prognostizierter Rentenanspruch ist (inkl. Rentenerhöhungen bzw. Überschüssen)

Wenn Christoph und ich jetzt sofort aufhören würden zu arbeiten und alle privaten Rentenverträge beitragsfrei stellten, könnten wir ab 67 Jahren eine monatliche Rente von ca. 630€ beziehen (rechnerische Mindestrente). Viele Kleinstrenten (z.B. meine 7€ Rentenanspruch pro Monat aus einem Betriebsrentenvertrag) würden aber als Einmalzahlung abgefunden und nicht als monatliche Rente ausgezahlt werden.

Bei der Berechnung der Rentenlücke nimmt man aber nicht die aktuell bereits garantiert erarbeitete Rentenhöhe als Grundlage, sondern die hochgerechneten Werte, die davon ausgehen, dass man tatsächlich bis zum Renteneintritt unverändert weiterarbeitet.

Die Berechnung der Rentenlücke ist zwar auf Grund der ganzen Annahmen nicht ganz einfach, aber zum Glück dann auch wieder nicht so kompliziert!

Die Basis: Gesetzliche Rente

Nehmen wir also zunächst diese Zahlen aus unseren aktuellen Rentenbescheiden: mit ca. 4.750€ gesetzlicher Rente pro Monat, die wir gemeinsam prognostiziert bekommen, ließe es sich sehr komfortabel leben.

Allerdings gibt es natürlich einen Haken: Bei den Werten auf dem Rentenbescheid handelt es sich um Brutto-Werte, von denen noch Sozialversicherungsbeiträge (Kranken- & Pflegeversicherung) sowie Steuern (Lohnsteuer und ggf. Solidaritätszuschlag) bezahlt werden müssen. Wer Rentner ist, muss allerdings nicht mehr in die Arbeitslosenversicherung einzahlen, sodass etwas mehr Netto vom Brutto bleibt als noch als Arbeitnehmer. Da Betriebsrenten anders besteuert werden als die gesetzliche Rente oder private Rentenversicherungen, ist es nicht so einfach vorauszusagen, mit welchem Brutto-zu-Netto-Verhältnis man in der Zukunft als Rentner rechnen kann.

Ich habe in einem Rentensteuerrechner verschiedene Werte eingegeben und halte nach der aktuellen Gesetzeslage 25-30% Abzüge für realistisch. Wie die Steuergesetzgebung in 37 Jahren, wenn ich das (derzeitige!) Rentenalter erreicht habe, aussieht, weiß niemand. Aber irgendeine Annahme muss man nun mal treffen bei so einer Szenariorechnung wie dieser, also weiter 🙂

Zusatzvorsorge: Private Rentenversicherung und Betriebsrenten

Die gesetzliche Rente wird bei keinem jungen Menschen ausreichen, um den eigenen Bedarf als Rentner decken zu können. Daher empfiehlt der Staat auf den jährlichen Renteninformationen ja auch, privat vorzusorgen. Und hierfür gibt es in Deutschland mit der Riester- und der Rürup-Rente zurzeit zwei staatliche geförderte Möglichkeiten. Hinzu kommen betriebliche Altersvorsorge-Verträge, in die man als Arbeitnehmer durch Gehaltsumwandlung einzahlen kann, und die idealerweise auch durch Einzahlungen des Arbeitgebers unterstützt werden.

Für meine Berechnung habe ich mir wieder die jährlichen Informationsbögen unserer bestehenden Versicherungen geschnappt und die garantierten und prognostizierten Werte (mit Überschüssen) abgeschrieben. Da mein Riester-Vertrag ein Banksparplan ist, weist der Informationsbogen nur den derzeitigen Vermögensstand, nicht jedoch bereits die monatliche Rente aus. Diese wird bei dieser Art Riester-Vertrag erst mit Rentenbeginn festgelegt. Ich habe daher den Online-Rechner von fairr genutzt, um eine ungefähre Schätzung zu erhalten, wie hoch die monatliche Rente aus meinem Vertrag sein könnte.

Das Ergebnis meiner Rentenlücken-Berechnung

Sofern Christoph und ich bis zur Rente weiterarbeiten und alle unsere derzeitigen Rentenversicherungen weiter besparen wie bisher erhalten wir eine garantierte monatliche Rente, die ziemlich genau unseren geplanten Ausgaben in unserer RE-Zeit entspricht. Das ist allerdings noch kein Grund zu feiern!

Inflation

Denn in 37 Jahren, wenn wir das gesetzliche Rentenalter erreichen, werden wir mit dieser Summe nicht mehr so weit kommen wie heute. Nimmt man z.B. 3% Inflation pro Jahr an, so verdreifacht sich jeder heutige Betrag bis in 37 Jahren. Das ist intuitiv schwierig zu begreifen, da die Summen, die sich nach so vielen Jahren ergeben, mir auf den ersten Blick unverständlich hoch vorkommen.

Eispreis-Inflation

Mir hilft es beim Verständnis von Inflation immer, mich an die Eiskugel-Preise meiner Jugend zurückzuerinnern. Eine Kugel Eis kostete eine Mark. Heute sind 1,20€ der Standardpreis und 1,50€ leider auch keine Seltenheit mehr. Und zwischen diesen Preisen liegen keine 37 Jahre, sondern eher 25!

Ich würde mich selbst als Eis-Expertin bezeichnen.

Gleichen die Überschussbeteiligungen die Inflation aus?

Die garantierten Rentenhöhen werden durch Rentenerhöhungen (bei der gesetzlichen Rente) bzw. Überschussbeteiligungen (bei privaten Rentenversicherungen und Betriebsrenten) ergänzt. Auch diese Werte werden auf den verschiedenen jährlichen Renteninformationen mit angegeben. Nehme ich eine jährliche Inflation von 1% pro Jahr an, entspricht der Betrag, den wir später monatlich brauchen, ziemlich genau dem Betrag, den uns die verschiedenen Rentenversicherungen inklusive Überschussbeteiligung bzw. Rentenerhöhung (von 1% pro Jahr) prognostizieren. Also alles gut?

Realistische Annahmen

Leider nein, denn 1% Inflation ist absolut keine realistische Annahme! Zwischen 1979 und 2019 lag die durchschnittliche Inflationsrate in Deutschland bei 2,2%. Für das Jahr 2019 betrug die Inflation 1,4% im Vergleich zum Vorjahr. Zuletzt 2012 lag die Inflation bei (sehr knapp über) 2%, was dem eigentlichen Inflationsziel der Europäischen Zentralbank entspricht. Doch auch über 4% Inflation haben unsere Eltern bereits erlebt z.B. Anfang der 80er und dann wieder Anfang der 90er.

Ich habe mir daher unsere Rentenlücke bei einer angenommenen Inflation von 2% und 3% angeguckt und dabei sowohl mit prognostizierten Überschüssen als auch ohne diese gerechnet.

Bei 2% Inflation brauchen wir in 37 Jahren etwas mehr als das doppelte des heute geplanten Budgets. Bei 3% Inflation ist es ziemlich genau der dreifache Betrag. Die Summe der prognostizierten Renten (mit Überschüssen/Erhöhungen), die bei Berücksichtigung von 1% Inflation noch gut ausgesehen hat, führt also im wahrscheinlicheren Szenario zu einer Rentenlücke von mindestens 30%!

Nimmt man statt 2% Inflation dann 3% Inflation an und geht vom Worst Case aus (also ohne Berücksichtigung der Überschüsse/Erhöhungen), würden uns schwindelerregende 100.000€ Rente pro Jahr fehlen! Ich kann mir gar nicht vorstellen, so viel Geld überhaupt pro Jahr ausgeben zu können, aber bei 3% Inflation pro Jahr über die nächsten 37 Jahre wären auch alle Preise in den Geschäften ganz anders als heute. Ein Liter Bio-Milch würde dann statt den heutigen 1,09€ dann 3,25€ kosten. Die Oktoberfest-Maß kostet statt 11,80€ dann 35€.

Wie kann ich meine Rentenlücke schließen?

Neben der gesetzlichen Rentenversicherung, in die alle Arbeitnehmer einzahlen, unterstützt der deutsche Staat die Altersvorsorge seiner Bürger über Riester-, Rürup- und Betriebsrenten. Neben diesen versicherungsbasierten Möglichkeiten der Altersvorsorge kann man aber natürlich auch komplett eigenständig für die Rente sparen bzw. investieren. Zwar liegt das Risiko von Verlusten während der Anspar- und Auszahlungsphase und das sogenannte Langlebigkeitsrisiko dann bei mir allein und nicht bei einer Versicherung. Im Gegenzug kann ich aber auch höhere Renditen auf meine Investitionen erwarten. Die Frage ist also, wie viel Geld (zum Investieren) brauche ich zum heutigen Zeitpunkt, um ab Renteneintritt meine Rentenlücke schließen zu können?

Sofortrente: Aus Vermögen eine monatliche Rente machen

Um diese Frage beantworten zu können, müssen wir zunächst festlegen, wie wir aus einem (zukünftigen) Vermögen der Summe X eine monatliche Rente herausbekommen. Auch wenn ich diese Faustregel in Bezug auf allgemeine FIRE-Berechnungen für eher wenig geeignet halte, ist in diesem speziellen Fall die unter Finanzbloggern bekannte „4%-Regel“ ein guter erster Aufschlag. Die 4%-Regel sagt aus, dass man jedes Jahr 4% seines Portfoliowerts aus dem Wertpapierdepot entnehmen kann, ohne dass das Geld in den nächsten 30 Jahren jemals ganz weg ist. Für einen Renteneintritt mit 67 Jahren ist ein 30-Jahre-Zeithorizont keine ganz unrealistische Annahme.

Ähnlich sehen es auch die Versicherer, die im Tausch für 100.000€ Einmalzahlung einem 65-jährigen aktuell ca. 330€ monatliche Sofortrente anbieten, was rechnerisch einer Entnahme von 3,96% pro Jahr entspricht. Nehmen wir hier eine Netto-zu-Brutto-Quote von 75% an, kann ich also ausrechnen, wie viel Geld wir zum Renteneintritt benötigen, um die monatliche Rentenlücke durch private Vorsorge zu schließen.

Wie viel Geld muss ich heute bereits angespart haben?

Aus dieser benötigten zukünftigen Summe zum Renteneintritt kann ich jetzt wiederum zurückrechnen, wie viel Geld ich heute anlegen muss, um in 37 Jahren auf die gewünschte Summe zu kommen, die dann meine Rentenlücke schließt. Ich habe für die Berechnung eine durchschnittliche jährliche Rendite von 7% angenommen. Ein Investment in den DAX konnte im Zeitraum von 1956-2006 eine durchschnittliche jährliche Rendite von 8,5% pro Jahr generieren. Der amerikanische S&P 500 Index konnte im Zeitraum von 1956 bis 2018 durchschnittliche jährliche Renditen von 8% erwirtschaften. Und auch der beliebte MSCI World Index kam auf durchschnittlich über 7% Rendite.

Mit Hilfe der 4%-Formel, einer 75% Brutto-zu-Netto-Quote und einer durchschnittlichen Rendite von 7% pro Jahr habe ich für drei Szenarien die heute notwendige Investition berechnet, um später unsere Rentenlücke schließen zu können:

  • mit 2% Inflation, mit prognostizierten Überschüssen und durchschnittlich 1% Rentenerhöhung der gesetzlichen Rentenversicherung pro Jahr
  • mit 3% Inflation, mit prognostizierten Überschüssen und durchschnittlich 1% Rentenerhöhung der gesetzlichen Rentenversicherung pro Jahr
  • mit 3% Inflation, ohne Überschüsse/Erhöhungen (als eine Art Worst Case)

Grund zum Feiern: Rentenlücke geschlossen!

Ananas mit Partyhut
Dieses Stockphoto ist so gut, dass man es auch zweimal nutzen kann!

Ich bin ein furchtbar schlechter Kopfrechner, aber hatte seit einigen Wochen das Bauchgefühl, dass wir mit Schließung der Rentenlücke diesen Meilenstein auf dem Weg zu FIRE vielleicht bald erreichen könnten. Jetzt habe ich es schwarz auf weiß: Selbst im „Worst Case Szenario“ (noch schlimmer geht immer…) haben wir gerade die benötigte Summe zur Schließung unserer Rentenlücke überschritten! Wenn das kein Grund zu Feiern ist 🙂 Darauf wird heute Abend definitiv mit einem guten Glas Wein angestoßen! Denn jeden zusätzlichen Euro, den wir ab jetzt sparen, brauchen wir nicht mehr zur Schließung der Rentenlücke. Stattdessen bringt uns jede Investition ab jetzt einen Monat mehr Vorruhestand bzw. näher zu FIRE.

Reality-Check: Rentenversicherungen vs. FIRE

Eine der zentralen Annahmen bei der Berechnung unserer Rentenlücke in diesem Artikel war, dass wir bis zum gesetzlichen Renteneintritt weiter arbeiten und alle Versicherungen weiterhin unverändert besparen. Das ist natürlich nicht der Plan, denn ich möchte mit 45 Jahren in Rente gehen. Ab dann zahle ich auch nicht mehr in die gesetzliche Rentenversicherung ein, sodass mein tatsächlicher Rentenanspruch deutlich geringer sein wird als hier angenommen. Auch die Rentenhöhe der betrieblichen Altersvorsorge wird deutlich niedriger sein als prognostiziert, da ab 45 dann keine weiteren Einzahlungen mehr erfolgen. Höchstwahrscheinlich werden wir auch Christophs Rürup- und meinen Riester-Vertrag beitragsfrei stellen. Die heutige Berechnung der Rentenlücke ist also für mich daher im Kern ein hypothetisches Gedankenspiel. In meinem FIRE-Plan gehe ich bewusst von Null Euro Einkommen aus gesetzlicher Rente aus. Alles was an gesetzlicher Rente, Betriebsrente und Riester-/Rürup-Rente ab dem offiziellen Renteneintritt noch dazu kommt, sehe ich als Puffer gegen Unsicherheit.

Die Riester- und Rürup-Verträge binden zwar Geld, das wir auch anderweitig – mit deutlich höherer Rendite – investieren könnten. Die Summen, die in diese Verträge fließen, machen allerdings weniger als 10% unserer Gesamtsparrate aus. Ich habe mich bewusste entschieden, einen kleinen Anteil der Sparrate in diese Produkte mit Rentengarantie zu stecken, auch wenn ich mit Aktieninvestments deutlich höhere Renditen erzielen könnte. Auf FIRE hinzuarbeiten muss nicht heißen, alles auf eine Karte zu setzen. Denn Pläne können sich ändern. In diesem Sinne ist es schön zu wissen, dass wir zumindest für den klassischen Renteneintritt mit 67 Jahren bereits jetzt gut vorbereitet sind. Unsere Rentenlücke haben wir bereits geschlossen, selbst wenn wir ab jetzt außerhalb der bestehenden Rentenversicherungsverträge kein weiteres Geld mehr investieren würden.

Auf dem Weg zu Coast FI

Küste mit Palmen
Coast FI: Ist das finanzielle Unabhängigkeit am Strand?

Je nachdem, welchen Wert man für die durchschnittliche jährliche Inflation annimmt (2% oder 3%), haben wir noch nicht ganz das erreicht, was die amerikanischen FIRE-Blogger Coast FI nennen. Das hat nichts mit einem Leben an der Küste zu tun, sondern kommt vom englischen Verb „to coast“ / „gleiten“. Das ist der Moment, wenn man genug Geld angespart hat, um ab jetzt gar kein weiteres Geld mehr investieren zu müssen und trotzdem mit (offiziellem) Renteneintritt Financially Independent zu sein. Das klingt zunächst unspektakulär, ermöglicht einem aber zum Beispiel, ab diesem Zeitpunkt nur noch in Teilzeit zu arbeiten oder einen gänzlich anderen Job anzunehmen. Denn das Gehalt muss jetzt nur noch so hoch sein, dass man seine normalen Lebenshaltungskosten damit decken kann – die vorherigen Sparraten, die das Vermögen anwachsen lassen, fallen weg. Bei Annahme von 2% Inflationsrate haben wir diesen Punkt bereits erreicht. Bei 3% ist das Ziel erst zu 70% erreicht.

Welchen Einfluss hat die gesetzliche Rente auf Coast FI?

Mit der Kalkulation, den ich mir zur Berechnung meiner Rentenlücke gebastelt habe, kann ich auch ausrechnen, welchen Stellenwert die gesetzliche Rente (bzw. alle bestehenden Rentenversicherungen) im Vergleich zu meinen sonstigen Investments am Kapitalmarkt haben: Überraschend wenig!

Nehme ich statt der heute bereits garantiert angesparten 630€ Rente pro Monat Null Euro an und verlasse mich ausschließlich auf das außerhalb der Versicherungen investierte Vermögen, verändert sich die Coast FI Zahl (bei 2% Inflation) um ca. 15.000€. In diesem Fall würde unser aktuelles Vermögen noch ein wenig unterhalb der für Coast FI notwendigen Summe liegen. Je nach Annahme sind wir also knapp davor oder bereits durch mit dem Meilenstein Coast FI. Dann könnten wir ab jetzt bis zur finanziellen Unabhängigkeit im Rentenalter „gleiten“.

Dieses Rechenbeispiel veranschaulicht die schon von Albert Einstein festgestellte Magie des Zinseszins: Da der Zeithorizont bis zum gesetzlichen Rentenalter mit 37 Jahren für mich noch sehr lang ist, arbeitet der Zinseszins für mich.

Kennst du deine Rentenlücke? Setzt du zur Schließung der Rentenlücke auf klassische Rentenversicherungen? Oder investierst du ausschließlich privat am Kapitalmarkt? Für welchen Mix aus staatlich geförderten Altersvorsorge-Möglichkeiten, privaten Rentenversicherungen und Altersvorsorge ohne Versicherungsaspekt hast du dich entschieden? Bist du bereits Coast FI?

2 Replies to “Wie groß ist deine Rentenlücke? // Auf dem Weg zu Coast FI”

  1. Fast immer korrelierten Inflation und Leitzins miteinander.

    Wir sind -historisch fast einmalig- in einer Nullzinsphase und entsprechend niedrig ist die Inflation.

    Da ich davon ausgehe, dass sich die Zinsen erstmal nicht gravierend erhöhen rechne ich mit einer Inflationsrate von +1,5%/a.

    Bei der Rentenwertsteigerung rechne ich pessimistisch mit nur +1%/a wegen des demographischen Wandels, wobei zu der Zeit, wenn Du in Altersrente gehen wirst, das größte Rentenproblem mit dem Babyboomern bereits wieder weggestorben sein wird (klar, je weiter der Blick in die Zukunft desto trüber die Glaskugel)

    Sollte es langfrsitig zu einer Inflation von +3%/a kommen werden auch die Löhne und damit auch die Renten entsprechend ansteigen, so war es bisher immer. das ist ja der Charme des Umlagesystems.

    Ich betrachte die gesetzliche Rente anders:
    Der „Eckrentner“ hat 45 Rentenpunkte. Ca. 2/3 der Rentner haben weniger, nur ca. 1/3 hat mehr. Wenn man also mit seinen Rentenpunkten irgendwo in der Größe landen wird, dann wird man damit auch nicht verhungern, das ist gesellschaftlich schlichtweg nicht denkbar.

    Wenn Du also nach 20 Jahren sehr gut bezahlter Arbeit inkl. 2,25RP für die Ausbildung bei z.B. 40RP landest bist Du bereits in einem Bereich, wo es Millionen Mitstreiter gibt.

    Schau Dir dann noch das durchschnittliche oder Median Nettovermögen der Deutschen nach Alterskohorten an und Du wirst die Sache vermutlich deutlich entspannter sehen können.

    Wer „nur“ durchschnittliche Ausgaben hat aber deutlich überdurchschnittliche Einkommen/Vermögen lebt in unserem Land sehr gut. Das dürfte auch Deine Erfahrung sein. Ich gehe davon aus, dass sich das nicht ändern wird.

    1. Hi Cepha,
      über den Eckrentner hatte ich in der Hinsicht noch gar nicht nachgedacht, wirklich interessant, danke für den Denkanstoß! Ich werde ja mit meinen 20 Jahren Arbeitsleben durch mein Gehalt über der BBG der Rentenversicherung bis zum Alter 45 tatsächlich auf annähernd 45 Rentenpunkte kommen. Du hast Recht, dass man mit dieser Summe an Rentenpunkten wahrscheinlich genau in dem Bereich ist, für den sich Politiker besonders interessieren. Gut, dass als zusätzlicher Puffer im Hinterkopf zu behalten. Persönlich rechne ich aber für meinen FIRE-Plan weiterhin lieber mit null Euro gesetzlicher Rente. Wer weiß, was sich die Politik so alles ausdenkt bis ich mal im offiziellen Rentenalter bin? 🙂 Vielleicht eine an das Vermögen gekoppelte Rentenhöchstgrenze? Oder vielleicht auch die immer mal wieder ins Gespräch gebrachte Vermögenssteuer? Es schadet nie, viel Puffer im Plan zu haben! Und als „Eckrentner“ sollte das dann ja tatsächlich gar nicht so wenig sein bei mir.

      Viele Grüße
      Jenni

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