Welchen Effekt hat FIRE auf deine gesetzliche Rente? // Renteninformation

Altersvorsorge und Rente aus Scrabbel-Buchstaben
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Ich gehe bei meinen FIRE-Plänen davon aus, dass ich keine gesetzliche Rente bekomme. Das halte ich zwar nicht für eine realistische Annahme. Aber wenn ich von 0 Euro gesetzlicher Rente ausgehe, habe ich einen kleinen Sicherheitspuffer im Alter, wenn es dann doch mehr als 0 Euro werden. Doch wie viel gesetzliche Rente kann man überhaupt erwarten, wenn man schon mit 45 Jahren aufhört zu arbeiten und damit auch aufhört, in die Rentenversicherung einzuzahlen?

Ab wann bekommt man überhaupt Rente?

Um eine gesetzliche Rente zu bekommen, muss man mindestens 5 Jahre lang in die Rentenversicherung eingezahlt haben. Wer weniger als 5 Jahre eingezahlt hat (z.B. Selbstständige, Beamte), bekommt keine Rente ausgezahlt, auch wenn er Beiträge eingezahlt hat. Es gibt allerdings keine Mindestrentenhöhe. Solange man 5 Jahre (bzw. genauer 60 Monate) eingezahlt hat, bekommt man monatlich bis ans Lebensende auch eine Rente ausgezahlt, auch wenn es sehr wenig ist. Wer keine 60 Monate Einzahlungen nachweisen kann, der kann sich seine Einzahlungen ggf. zurückerstatten lassen.

Um eine Rente zu bekommen, muss man zunächst warten, bis man das gesetzliche Rentenalter (zurzeit 67 Jahre) erreicht hat. Rente gibt es ab dem Monat, der auf den Geburtstagsmonat folgt – außer für Geburtstagskinder, die am 1. eines Monats Geburtstag haben. Letztere können schon in ihrem Geburtstagsmonat Rente bekommen. Voraussetzung ist natürlich, dass man den Antrag rechtzeitig stellt.

Die 5 Jahre sogenannte „Wartezeit“ bzw. Mindestversicherungszeit kann man nicht nur durch 5 Jahre reguläre Arbeit erfüllen. Es zählt einiges dazu, was keine „echte“ Arbeitszeit ist, z.B.

  • Ersatzzeiten (z.B. für Menschen, die in der DDR als politische Gefangene inhaftiert waren)
  • Zeiten aus dem Versorgungsausgleich (den es bei Scheidung von Ehepaaren mit unterschiedlichen Rentenansprüchen gibt)
  • Kindererziehungszeiten (es gibt inzwischen immerhin 3 Jahre pro Kind angerechnet, ab 2 Kindern hat man also die Wartezeit schon geschafft)
  • Zeiten freiwilliger Beitragszahlung (das erscheint mir aber wohl eher ein Verlustgeschäft zu sein…)
Rentenunterlagen und Geldscheine
Natürlich muss man in Deutschland erstmal einen Stapel Formulare ausfüllen, bevor es Geld von der Rentenversicherung gibt

Wie viel gesetzliche Rente bekommt man pro Einzahlungsjahr?

Wenn ich mit 45 Jahren in Rente gehe, werde ich ca. 20 Jahre in die Rentenversicherung eingezahlt haben. Danach plane ich nicht weiter in die gesetzliche Rentenversicherung einzuzahlen, da ich nicht mehr arbeiten möchte. Wie viel ein Jahr Einzahlungen später wert ist, wird in Entgeltpunkten bzw. Rentenpunkten bemessen. Einen Entgeltpunkt bekommt man, wenn man den durchschnittlichen deutschen Bruttolohn verdient hat, aktuell 40.551€ pro Jahr (in Westdeutschland), und dementsprechend in die Rentenversicherung eingezahlt hat. Wer mehr verdient, bekommt mehr als einen Entgeltpunkt, allerdings maximal ca. 2. Die maximale Höhe hängt von der Beitragsbemessungsgrenze (BBG) ab, die 2020 bei 82.800€ brutto liegt. Über diesem Gehalt zahlt man nicht weiter in die Rentenversicherung ein, bekommt aber auch keine weiteren Entgeltpunkte. Die maximal mögliche Anzahl Entgeltpunkte liegt also aktuell bei 82.800€ / 40.551€ = 2,04. Da sich BBG und durchschnittlicher Lohn jedes Jahr unabhängig voneinander verändern können, schwankt auch die maximal erreichbare Anzahl Entgeltpunkte.

Meine bisherige und zukünftige Rentensituation

Bis auf die Zeit direkt nach dem Berufseinstieg habe ich bisher immer über der Beitragsbemessungsgrenze verdient. Daher werde ich bei 20 Jahren Einzahlungszeit ca. 40 Entgeltpunkte zusammenbekommen. Mit dem Rentenrechner der deutschen Rentenversicherung würde ich damit auf ca. 1.300€ Rente pro Monat kommen – die ich dann allerdings noch voll versteuern muss. Je nachdem, welche Erwartungen man an die Entwicklung des Rentenniveaus und der Inflation hat, können 1.300€ viel oder wenig sein in der Zukunft.

Wenn ich bis zum Rentenalter weiterarbeiten würde, könnte ich ich ca. 85 Entgeltpunkte sammeln, wenn mein Gehalt dauerhaft über der BBG bleibt. Damit käme ich auf ca. 2.800€ gesetzliche Rente im Monat (aktuelles Kaufkraftniveau). Mehr als doppelt so viel gesetzliche Rente, aber auch mehr als doppelt so viele Arbeitsjahre. Und verglichen mit einem Einkommen in Höhe der Beitragsbemessungsgrenze von 82.800€, also 6.900€ monatlich, ist die höchstmögliche (!) gesetzliche Rente von 2.800€, also ca. 40% des Einkommens vor Steuern, auch echt wenig. Private Altersvorsorge muss man daher so oder so betreiben.

Bauarbeiter-Figur mit Münzen
Private Altersvorsorge: Nicht nur für sein Geld arbeiten, sondern sein Geld dann auch für einen arbeiten lassen!

FIRE-Effekt

Dadurch, dass ich (hoffentlich!) mit 45 Jahren aufhöre zu arbeiten und damit auch aufhöre, in die gesetzliche Rentenversicherung einzuzahlen, muss ich also eine Differenz von 1.500€ allein in der gesetzlichen Rente pro Monat durch private Vorsorge ausgleichen. Meine Lieblings-FIRE-Bloggerin Tanja Hester von Our Next Life empfiehlt, FIRE immer in zwei Phasen zu planen:

  1. Die Zeit vor dem offiziellen, staatlichen Rentenalter und
  2. Die Zeit, wo man sich steuerbegünstigste, staatliche Altersvorsorge-Produkte (ohne Abzug) auszahlen lassen kann.

In Amerika ist dieser Zeitpunkt meist 59 Jahre. Dann dürfen Amerikaner auf ihre steuerlich begünstigten 401(k)-Altersvorsorge-Pläne zugreifen, ohne Abzüge zahlen zu müssen. In Deutschland sind die allermeisten staatlich geförderten Altersvorsorgeprodukte wie Riester- oder Rürup-Vorsorge an den offiziellen Renteneintritt geknüpft. Erst wenn man eine Rente von der Rentenversicherung bekommt, wird auch die Riester-Rente etc. ausgezahlt. Manchmal kann man auf das Geld vorher gar nicht zugreifen, bei privaten Rentenversicherungen oft nur mit hohen Abschlägen/Gebühren.

Dollarscheine
Money, Money, Money…

Die 1.500€ Differenz „fehlen“ mir also in dieser Betrachtungsweise erst in Phase 2. Ich persönlich rechne allerdings nicht so. Das hat zwei Gründe:

In Deutschland gibt es (für meine spezielle Situation) gar nicht so viele wirklich lohnenswerte staatlich geförderte Altersvorsorgelösungen. Im Kern bietet der Staat Riester oder Rürup an, und wenn man Glück hat, bietet der Arbeitgeber noch eine lohnenswerte betriebliche Altersvorsorge (bAV) an. Das ist mit den vollkommen steuerfreien Einzahlungen in die 401(k)-Pläne der Amerikaner nicht zu vergleichen. Denn dort bieten die Arbeitgeber oft sogar noch (bis zu einem bestimmten Prozentsatz des Einzahlbetrags) einen „Match“ an, d.h. sie zahlen nochmal den gleichen Sparbetrag von sich aus in die Altersvorsorge ein. In Deutschland sind solche vom Arbeitgeber bezuschussten bAV-Verträge leider selten geworden.

Ich persönlich plane lieber konservativ bzw. mit viel Puffer. Daher gehe ich in meinem FIRE-Plan davon aus, dass ich 0 Euro gesetzliche Rente erhalte. Dementsprechend ist mein Bedarf in Phase 1 und 2 exakt gleich hoch. Es macht die Planung auch ein bisschen einfacher und deutlich sicherer, da ich durch gesetzliche Rente, einen Riester-Vertrag und ggf. eine kleine Betriebsrente nach hinten ausreichend Puffer haben werde für unerwartete Kosten oder andere Veränderungen, z.B. neue Steuern. Man weiß ja nie, was sich die Regierung noch so alles ausdenken wird in der Zukunft 😉

Als junger Mensch: Rechnest du in deinem FIRE-Plan oder für deine private Altersvorsorge mit gesetzlicher Rente? Wenn die Rente schon näher ist: Wie sieht deine Rentensituation aus? Planst du früher in Rente zu gehen?

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