Mit welcher Sparquote kannst du dir eine Auszeit vom Job selbst finanzieren? // 5 Jahre Sabbatical mit 30

Sabbatical
Lesezeit: 5 Minuten
Ironie des Alters

Ich habe schon öfters diese oder ähnliche Infografiken gesehen. Die Botschaft: Als junger Mensch hätte man noch Energie und Zeit, aber es fehlt am nötigen Kleingeld, um seine Träume anzugehen. Als Erwachsener bringt der Job dann zwar mehr Geld ein, aber es fehlt dadurch die Zeit. Im Alter, wenn Zeit und Geld endlich ausreichend vorhanden sind, fehlt dann wiederum die Energie etwas zu unternehmen.

Für mich ist dieser Spruch aber bei näherer Betrachtung allenfalls eine Binsenweisheit, die es maximal noch verdient hat, es zu „Nachdenkliche Sprüche mit Bilder“ zu schaffen.

Wer selbst Rentner in seinem Bekanntenkreis hat, weiß, dass denen heutzutage nicht mit dem Austritt aus dem Arbeitsleben plötzlichen die Energie ausgeht – oft ganz im Gegenteil!

Und Erwachsene haben zwar durch den Job natürlich ein höheres Einkommen als Kinder und Jugendliche. Viel Geld, im Sinne von Vermögen, haben aber auch die meisten Erwachsenen (noch) nicht. Ob sie es überhaupt bis zum Alter schaffen, welches anzusparen, ist auch kein Automatismus.

Nur die Tatsache, dass Kinder zwar kaum Geld, dafür aber eine unbändige Energie und trotz Ganztagsschulen viel mehr Zeit als die arbeitende Bevölkerung haben, das würde ich auch so unterschreiben.

Ein hoher Cashflow (Einnahmen) ist noch kein Reichtum

Doch bleiben wir bei den Erwachsenen. Erwachsene haben durch ihren Job regelmäßige Einnahmen. Aber Einnahmen sind noch nicht automatisch Vermögen. Gerade bei der Familienplanung kann das ein echtes Problem werden. Denn wer sich eine Auszeit vom Beruf nehmen möchte, um sich nach der Geburt längere Zeit um die Kinder zu kümmern, der müsste ja bereits vorher lange genug gespart haben, um sich dieses Sabbatical unabhängig vom staatlichen Elterngeld mit begrenzter Bezugsdauer leisten zu können.

Das ist auch einer der (berechtigten) Einwände, der oft gegenüber der FIRE-Idee hervorgebracht wird. Nach dem Motto: „Was bringt es mir, in 15-20 Jahren mehr Freizeit und Freiheit zu haben? Ich bräuchte die Flexibilität heute, wo die Kinder noch klein sind, das Haus gebaut wird, die Eltern Unterstützung brauchen, ich noch Energie habe, …“ Doch es wird wohl kaum eine Bank geben, die einem einen Kredit gibt, damit man in jungen Jahren sein Leben ohne Arbeit gestalten kann, selbst wenn es rechnerisch möglich wäre, diesen Kredit durch zukünftiges Arbeitseinkommen bis an sein Lebensende wieder zurückzuzahlen. Zu unsicher ist in diesem Szenario, ob der Kreditnehmer tatsächlich später genügend Einkommen generieren können wird.

Also bleibt einem nur, solche Pläne komplett selbst zu finanzieren. Doch geht das überhaupt? Wie lange müsste ich arbeiten und sparen, um mir möglichst früh im Leben eine fünfjährige Auszeit gönnen zu können, z.B. für die Betreuung und Erziehung von zwei Kindern? Das Elterngeld hilft für so einen langen Zeitraum nicht wirklich weiter. Denn es ist nach oben begrenzt und wird auch nur 7 Monate lang gezahlt, sofern beide Eltern gleichzeitig und gemeinsam für den Nachwuchs da sein möchten (oder maximal 14 Monate je ein Elternteil). Das ist natürlich schon eine tolle lange gemeinsame Familienzeit, aber was wäre wenn man wirklich die ersten fünf Jahre mit seinem Nachwuchs verbringen möchte?

5 Jahre Auszeit mal durchgerechnet…

Für meine Rechnung habe ich das Szenario noch etwas konkretisiert: Denn die doch recht lange Auszeit vom Beruf soll unsere hypothetischen Zwischendurch-Aussteiger natürlich nicht für immer in finanzielle Not stürzen. Die Rente später sollte idealerweise nicht unter der Auszeit mitten im Berufsleben leiden.

Zum Vergleich: Der gewissenhafte Altersvorsorge-Sparer

Als Vergleich habe ich also einen gewissenhaften Sparer gewählt, der jedes Jahr 20% seines Einkommens zurücklegt. Bei 45 Jahren zwischen dem Berufseinstieg und dem Rentenalter wird man mit einer jährlichen Sparrate von 20% immer gut abgesichert sein und seine Rentenlücke schließen können – selbst ohne tolle Investmentrenditen. Wer die 20% Sparrate klug investiert und durchschnittlich 5% reale Rendite erwirtschaftet, ist laut FIRE-Rechner auf frugalisten.de nach ca. 40 Jahren im Beruf sogar finanziell frei – komplett ohne auf die gesetzliche Rente angewiesen zu sein.

Natürlich ist das alles in der Realität noch etwas komplizierter, denn Gehaltssteigerungen bzw. eine Erhöhung des Ausgabeniveaus und die Reihenfolge der realisierten realen Renditen spielen eine Rolle in der Rechnung. Pi mal Daumen kann man aber sagen: Wer konsequent vom Berufseinstieg an 20% seines Einkommens spart und investiert, der wird sich um seine finanzielle Situation in der Rente wahrscheinlich keine großen Sorgen machen müssen. Daher habe ich dieses Szenario als Vergleich für finanzielle Sorglosigkeit gewählt.

Das Aussteiger-Szenario

Zurück zu unseren Zwischendurch-Aussteigern: Wer 5 Jahre raus ist aus dem Beruf, der wird gegebenenfalls in Kauf nehmen müssen, dass der Wiedereinstieg sich schwierig gestaltet. In manchen Branchen dreht sich die Welt doch ein ganzes Stück weiter innerhalb dieses Zeitraums. War man komplett raus, fehlen dann vielleicht wichtige Qualifikationen. Daher habe ich für die Rechnung angenommen, dass sich nach dem Wiedereinstieg nur 80% des ursprünglichen Gehalts realisieren lassen. Selbst wenn die eigene Ausbildung und aufgebaute Berufserfahrung innerhalb der 5 Jahre eigentlich gar nicht so stark veraltet ist, gibt es doch noch viele Vorurteile auf dem Arbeitsmarkt. Ich denke, dass es jemand, der 5 Jahre nicht für Geld, sondern „nur“ zuhause gearbeitet hat, leider schwer haben wird, einen genauso gut bezahlten Job zu finden wie vor der Pause.

Mit welcher Sparrate und wie schnell kann ich eine fünfjährige Auszeit finanzieren?

Wenn Person A es schafft, 40% ihres Nettogehalts zu sparen, hat sie nach 8 Jahren genug Geld angespart, um davon 5,3 weitere Jahre leben zu können. Schafft sie nach 5 Jahren den Wiedereinstieg in den Beruf mit 80% ihres vorherigen Gehalts, kann sie bei gleichbleibenden realen Ausgaben bis zur Rente ungefähr 11 Mal ihre jährlichen Ausgaben ansparen, selbst bei einer realen Rendite von 0%, d.h. wenn die Rendite auf das Ersparte gerade nur die Inflation ausgleicht.

Wenn Person B genauso viel verdient, in 45 Jahre keinerlei Arbeitspause einlegt, und konsequent 20% spart, kommt sie (ebenso bei angenommener realer Rendite von 0) auf ein Erspartes von 11,3 Mal ihren jährlichen Ausgaben, also ungefähr das gleiche Verhältnis. Allerdings kann sich Person B zeitlebens und auch in der Rente mehr leisten als Person A. Dazu kommt noch, dass Person B natürlich auch 5 Jahre länger in die gesetzliche Rentenversicherung eingezahlt hat und somit eine höhere staatliche Rente erhalten wird.

Der Vergleich hinkt also bzw. 40% Sparquote sind noch zu niedrig! Tatsächlich ist zum Beispiel auch ein Notgroschen, den man sich neben der Altersvorsorge auch ansparen sollte, nicht berücksichtigt. Genauso wenig wie die zusätzlichen Kosten, die Kinder verursachen. Reichen die staatlichen Leistungen, also Kindergeld und Elterngeld, nicht aus, um diese Zusatzkosten zu decken, geht die Rechnung mit 40% Sparrate erst recht nicht mehr auf. Und während Babys noch halbwegs günstig versorgt werden können, kosten ältere Kinder definitiv mehr Geld als man vom Staat als Zuschuss bekommt. In diesem hypothetischen Szenario, in dem Kind 2 zwei Jahre nach Kind 1 geboren wird, die Eltern also schon seit 2 Jahren kein Arbeitseinkommen mehr haben, ist das Elterngeld für Kind 2 tatsächlich auch nur sehr gering (300€ Mindestsumme pro Monat, ganz ohne Einkommen).

Hohe Sparraten erfordern hohe Einkommen

Sparen unsere hypothetischen zukünftigen Eltern hingegen 7 Jahre lang 45% ihres Einkommens, können sie sich eine fünfjährige Auszeit deutlich besser leisten. Die nach dem Wiedereinstieg mit 80% des Gehalts angesammelten Sparraten ermöglichen es, die fehlenden Rentenpunkte durch die Auszeit bis zum offiziellen Rentenalter zu kompensieren.

Um die Tabelle gut lesen zu können, Smartphone bitte drehen!

Nettogehalt
vor Auszeit
3,000*Euro / Monat
Sparquote45%
Dauer Auszeit5Jahre
Nettogehalt
nach Auszeit
80%= 2,400Euro/Monat
Arbeitszeit45Jahrez.B.23 – 68 Jahre
*Das Nettogehalt von 3,000 Euro pro Monat ist für die Rechnung irrelevant – die absoluten Summen verändern sich natürlich, aber das Verhältnis bleibt gleich. Die absolute Höhe des Einkommens ist „nur“ wichtig, um überhaupt so viel sparen und trotzdem noch gut leben zu können.
45% Sparquote20% Sparquote
Ausgaben und Sparrate pro MonatAusgabenSparrateVermögenAnzahl Jahre ErspartesAusgabenSparrateVermögenAnzahl Jahre Erspartes
Jahr 11,6501,35016,2000.82,4006007,2000.3
Jahr 21,6501,35032,4001.62,40060014,4000.5
Jahr 31,6501,35048,6002.52,40060021,6000.8
Jahr 41,6501,35064,8003.32,40060028,8001.0
Jahr 51,6501,35081,0004.12,40060036,0001.3
Jahr 61,6501,35097,2004.92,40060043,2001.5
Jahr 71,6501,350113,4005.72,40060050,4001.8
Jahr 81,650093,6004.72,40060057,6002.0
Jahr 91,650073,8003.72,40060064,8002.3
Jahr 101,650054,0002.72,40060072,0002.5
Jahr 111,650034,2001.72,40060079,2002.8
Jahr 121,650014,4000.72,40060086,4003.0
Jahr 131,65075023,4001.22,40060093,6003.3
Jahr 141,65075032,4001.62,400600100,8003.5
Jahr 151,65075041,4002.12,400600108,0003.8
Jahr 161,65075050,4002.52,400600115,2004.0
Jahr 171,65075059,4003.02,400600122,4004.3
Jahr 181,65075068,4003.52,400600129,6004.5
Jahr 191,65075077,4003.92,400600136,8004.8
Jahr 201,65075086,4004.42,400600144,0005.0
Jahr 211,65075095,4004.82,400600151,2005.3
Jahr 221,650750104,4005.32,400600158,4005.5
Jahr 231,650750113,4005.72,400600165,6005.8
Jahr 241,650750122,4006.22,400600172,8006.0
Jahr 251,650750131,4006.62,400600180,0006.3
Jahr 261,650750140,4007.12,400600187,2006.5
Jahr 271,650750149,4007.52,400600194,4006.8
Jahr 281,650750158,4008.02,400600201,6007.0
Jahr 291,650750167,4008.52,400600208,8007.3
Jahr 301,650750176,4008.92,400600216,0007.5
Jahr 311,650750185,4009.42,400600223,2007.8
Jahr 321,650750194,4009.82,400600230,4008.0
Jahr 331,650750203,40010.32,400600237,6008.3
Jahr 341,650750212,40010.72,400600244,8008.5
Jahr 351,650750221,40011.22,400600252,0008.8
Jahr 361,650750230,40011.62,400600259,2009.0
Jahr 371,650750239,40012.12,400600266,4009.3
Jahr 381,650750248,40012.52,400600273,6009.5
Jahr 391,650750257,40013.02,400600280,8009.8
Jahr 401,650750266,40013.52,400600288,00010.0
Jahr 411,650750275,40013.92,400600295,20010.3
Jahr 421,650750284,40014.42,400600302,40010.5
Jahr 431,650750293,40014.82,400600309,60010.8
Jahr 441,650750302,40015.32,400600316,80011.0
Jahr 451,650750311,40015.72,400600324,00011.3

Doch 45% Sparrate ist leichter gesagt als getan! Dafür benötigt man in der Regel ein deutlich überdurchschnittliches Einkommen (denn von 65% von 1.000 Euro Netto kann man nicht besonders gut leben) und zusätzlich den Willen, seinen Lebensstandard dauerhaft auf einem im Vergleich zum Einkommen niedrigen Niveau zu belassen. In dem Fall darf man sich nicht zu sehr mit Kollegen und Freunden vergleichen, die ggf. das gleiche Einkommen, aber ein deutlich höheres Ausgabenniveau haben.

Solch ein eiserner Wille über einen solch langen Zeitraum wie das gesamte Arbeitsleben ist dann doch eher unrealistisch, da nicht wirklich planbar. Zudem leidet nicht nur die Höhe der gesetzlichen Rente durch die Auszeit, sondern auch alle anderen Sozialleistungen, die an das Einkommen geknüpft sind, wie z.B. Elterngeld oder Arbeitslosengeld. Auch das macht den Plan etwas risikoreicher.

Natürlich kann es aber genauso auch positive Einflussfaktoren geben, die einen solchen zunächst verrückt erscheinenden Plan durchaus solider machen als es auf den ersten Blick aussieht. Wer zum Beispiel bereits weiß, dass er oder sie später einmal erben wird, kann dies in seiner finanziellen Lebensplanung berücksichtigen. Auch ist es natürlich durchaus möglich und auch gar nicht so unwahrscheinlich, dass das eigene Einkommen durch Beförderungen und Jobwechsel irgendwann im Laufe der Karriere einmal real anwächst, also die Gehaltssteigerung höher als nur als Inflationsausgleich ausfällt. So kann man das durch die Auszeit dezimierte Vermögen vielleicht etwas schneller wieder „aufholen“, wenn man sein Ausgabenniveau real konstant hält – ohne Lifestyle-Inflation.

Realitätscheck I: Andere machen es auch nicht besser!

Als Realitätscheck ist auch zu bedenken, dass viele Menschen in Deutschland in jungen Jahren leider überhaupt gar nicht für die Altersvorsorge sparen. Oft kommt das Thema Rente und Rentenlücke erst mit Mitte oder Ende 30 überhaupt auf den Tisch. Wer also mit 23 nach dem Studium anfängt zu arbeiten, sich 7 Jahre lang genug Geld erspart, um davon eine 5-jährige Auszeit zu finanzieren…der steht zwar am Ende der Auszeit wieder mit null Vermögen dar, aber damit auch nicht unbedingt schlechter als viele Altersgenossen. Meine Theorie: Wer bereits so früh im Leben angefangen hat, sich systematisch mit seinen Finanzen zu beschäftigen, dass tatsächlich die Finanzierung einer beruflichen Auszeit in den 30ern möglich ist, der hat auch die Fähigkeit, bis zur Rente den vermeintlichen Rückstand wieder gut aufholen zu können.

Realitätscheck II: Nur Mut!

Natürlich ist die Rechnung, mit 45% Sparrate über 7 Jahre genug Geld anzusparen, um davon eine fünfjährige Auszeit, die keinen negativen Einfluss auf die langfristige Altersvorsorge haben soll, finanzieren zu können, eher eine Träumerei. Doch ganz so unrealistisch ist der Plan dann auch wieder nicht, wenn, ja wenn, man nur ausreichend früh anfängt, sich mit seinen Finanzen zu beschäftigen.

Es gibt viele Stellschrauben, die aus einem fernen Wunschtraum einen soliden Finanzplan machen können:

  • Wer statt 5 Jahren vielleicht nur 3 Jahre Auszeit plant, erreicht dieses Ziel bei 40% Sparrate schon nach 5 Jahren Arbeitsleben – und kann die negativen Effekte auf die gesetzliche Rente bis zum offiziellen Renteneintritt locker ausgleichen.
  • Wer sein Geld frühzeitig ertragreich investiert, statt es einfach nur auf dem Sparkonto zu parken, kommt mit geringeren Sparraten über lange Zeiträume auch bei einem Start in den Vermögensaufbau mit Mitte 30 zu einem guten Altersvorsorge-Vermögen
  • Wer nicht komplett aussteigt, sondern z.B. mit 50% weiterarbeitet, senkt seinen Finanzbedarf signifikant (z.B. wenn einer der beiden Partner Vollzeit weiterhin arbeitet, oder beide mit jeweils 50%)

Gerade die letzte Möglichkeit, das Weiterarbeiten mit reduziertem Pensum, hilft doppelt. Denn neben dem netten Nebeneinkommen bleibt man so auch up to date, was die Entwicklungen im Arbeitsmarkt angeht und muss beim vollständigen Wiedereinstieg somit auch weniger Gehaltseinbußen auf Grund veralteter Expertise fürchten.

Realitätscheck III: Mini-Teilzeit möglich?

Doch oft ist es gar nicht so leicht, einen Job zu finden, der einem auch eine Beschäftigung mit geringer Teilzeitquote ermöglicht. 50%-Stellen sind in Deutschland recht verbreitet. Doch wer jeden Tag 4h arbeitet, dazu noch pendeln muss und ggf. für die Betreuung seiner Kinder weitere Kosten tragen muss, der hat von seiner Auszeit dann vielleicht doch nicht so viel wie erhofft. Und 10%- oder 20%-Teilzeitstellen werden bei vielen Arbeitgebern gar nicht angeboten. Es kommt hier wohl sehr darauf an, ob man einen Job hat, der sich gut in viele kleine von einander unabhängige Arbeitspakete aufteilen lässt, wie dies z.B. bei Grafikdesignern der Fall sein kann.

Falls der eigene Job keine solche Mini-Teilzeit zulässt (z.B. als Projektmanager), lässt sich ein ähnlicher finanzieller Effekt ggf. über einen Side Hustle, also eine nebenberufliche, oft selbstständige, Tätigkeit generieren, die vielleicht gar nichts mit dem eigentlichen Beruf zu tun hat. Und wer weiß, vielleicht ergibt sich daraus ja auch eine neue hauptberufliche Tätigkeit für die Zeit nach dem Sabbatical?

Was man noch bedenken sollte…

Ich persönlich stelle es mir tatsächlich sehr schwer vor, nach einer jahrelangen Auszeit wieder in den Beruf zurückzukehren. Leider werden die Erfahrungen, die man in seiner Auszeit gemacht haben wird, und alles, was man über das Leben gelernt haben wird, höchstwahrscheinlich im Beruf nicht (monetär) anerkannt werden. Es klingt erstmal schön, sich bei entsprechender Sparrate nach nur sieben Jahren Arbeitsleben schon eine fünfjährige Auszeit gönnen zu können. Aber ob man dann wirklich Lust hat, zurückzukehren und im Job, genau wie bei der Altersvorsorge, quasi nochmal bei „Null“ starten zu müssen?

Wer eine Sparrate von 45% hat und gut investiert, kann laut Rechner auf frugalisten.de innerhalb von ca. 20 Jahren finanziell frei sein. Jeder kann für sich persönlich jetzt entscheiden, ob diese Vorstellung, mit Mitte 40 für immer in Rente zu gehen, attraktiver klingt als der Plan, zunächst 7 Jahre zu arbeiten, dann 5 Jahre Auszeit zu nehmen und dann noch einmal (ggf. mit Gehaltseinbußen) für mehrere Jahrzehnte in den Beruf zurückzukehren.

Wäre das etwas für mich persönlich?

Ich persönlich besitze jetzt, 7 Jahren nach meinem Berufseinstieg, theoretisch genug Vermögen um davon eine Auszeit von über 10 Jahren finanzieren zu können. Doch für mich persönlich wäre so eine befristete Auszeit nichts. Ich spare lieber weiter für meinen Plan, mit 45 Jahren FIRE zu erreichen. Dann bin ich immer noch jung und habe hoffentlich viel Energie die zusätzlich gewonnene Zeit gut zu nutzen. Ich freue mich darauf!

Kannst du dir eine solche befristet (mehrjährige) Auszeit vom Beruf vorstellen? Wofür würdest du sie nutzen wollen? Hast du schon einmal ein Sabbatical gemacht? Wie hast du es finanziert? Durch Überstunden oder ein Lebensarbeitszeitkonto deines Arbeitgebers? Oder durch eigene Ersparnisse? Wie lange hast du darauf gespart? Welchen Effekt hatte dies auf deine Altersvorsorge? Oder hast du dir darüber (noch) keine Gedanken gemacht?

8 Replies to “Mit welcher Sparquote kannst du dir eine Auszeit vom Job selbst finanzieren? // 5 Jahre Sabbatical mit 30”

  1. Ich bin jetzt 64 und seit ein paar Jahren im Ruhestand.

    Nach meinem Studium 1981 mit 24 J bin ich für 10 Mon durch die Welt gereist (Griechenland, Philippinen, Nord Borneo, Australien). Die Länder haben sich zufällig ergeben, eigentlich wollte ich nach Indien trampen… Das war die beste Entscheidung meines Lebens und ich zehre noch heute davon.

    Ich hatte Null Probleme mich wieder in D einzugewöhnen und einen Job zu finden. Diese Zeit in meinem Lebenslauf war, wenn überhaupt, nur ein Thema um in Bewerbungsgesprächen über persönliche Erfahrungen zu sprechen. Ich hatte so 9.000DM dafür gespart – Ferienjobs und alles bis auf meine Schallplatten verkauft.

    Ich empfehle jedem jungen Menschen sowas zu machen – vielleicht noch etwas länger und besser noch vor einem eventuellen Studium – und (ganz wichtig!) möglichst alleine, damit man zu vielen fremden Kontakten „gezwungen“ ist.

    1. Hallo Peter,
      das klingt cool! Das würde ich auch jedem empfehlen, wenn man es schafft, frühzeitig genug anzusparen 🙂 Auch das Beispiel zeigt ja: je früher man anfängt, desto besser!

      Aber 10 Monate direkt nach dem Studium mit 24 ist halt karrieretechnisch natürlich deutlich was anderes als das Szenario, das ich hier aufgezeichnet habe: 5 Jahre (statt 10 Monate) nach 7-8 Jahren Arbeitsleben (statt direkt nach dem Studium). Vielleicht bin da auch zu pessimistisch, aber ich glaube, das ist dann doch eine größere Herausforderung.

      Viele Grüße
      Jenni

      1. Ja! 10 Mon nach dem Studium sind natürlich was ganz anderes als 5 J im Arbeitsleben. Ich kann halt nur berichten was ich selbst erlebt habe.

        Aber viele Annahmen die man haben könnte – wie erwartete Schwierigkeiten mit dem wieder Einleben, Job finden, Einsamkeit beim alleine reisen, Gefährlichkeit von Ländern etc. sind vielleicht unbegründet. Bei einer Auszeit geht es ja gerade darum die Welt mal anders/wirklich zu erfahren und Vorurteile auszuräumen.

        Vielleicht einfach mal losreisen und dann sehen wo es wie lange hingeht.
        Planung ist der Ersatz des Zufalls durch den Irrtum 🙂 Ich plane wohl mehr als die meisten und spiele auch Worstcase-Sznarien durch. Aber nicht unter der Illusion die Zukunft würde entsprechend meiner Planung verlaufen, sondern um zu verstehen wie der beplante Bereich tickt – wie sich geänderte Parameter oder Maßnahmen auswirken könnten. Damit ich verstehe worauf ich Einfluss habe und was ich halt akzeptieren muss und um in Entscheidungssituationen unter Zeitdruck, Stress oder gesundheitlichen Einschränkungen leichter und besser reagieren zu können.

        Warnen möchte ich vor immer mal wieder auftretenden „Reisedepressionen“, also wenn einem irgendwas zu viel / zu unbequem wird und die Heimat so viel besser erscheint – das geht weg wenn man ein paar Tage durchhält… und im Nachhinein sind überwundene Schwierigkeiten oder unerwartete Hilfe bekommen etwas von dem man sein ganze Leben zehren kann.

  2. Ich freu mich schon auf mein Sabbatical nächstes Jahr – Dank eines Langzeitkontos meines Arbeitgebers, auf das ich nun seit 3 Jahren einzahle, wird es mir möglich sein nächstes Jahr 6 Monte „raus“ zu sein – und das bei vollen Gehalt (d.h. das Gehalt läuft einfach weiter auf mein Konto ohne das ich zu Arbeit kommen muss ;)). Ehrlicherweise merke ich schon, dass ich nicht mehr 20, sondern nun 30 bin und ich will nicht warten, bis ich 50 oder 60 bin und mich nicht mehr traue einen Langstreckenflug gesundheitlich anzutreten 🙂

  3. Eine ehemalige Kollegin von mir hat offiziell 50% gearbeitet. Sie hat das dann so praktiziert. dass sie 6 Monate 100% gegangen ist und die restlichen 6 Monate frei hatte. Sie hat dadurch das ganze Jahr über 50% Gehalt bekommen.
    Sie hat sich das halbe Jahr in Deutschland etwas eingeschränkt und ist in den restlichen 6 Monaten durch Länder gereist in denen man mit 50% deutschem Gehalt wie Gott in Frankreich lebt. So hat sie über die Jahre die Welt gesehen und sich das selbst finanziert.

    1. Sehr cool, dass dein Arbeitgeber das mitgemacht hat! Was war das denn (ganz grob) für ein Job? Ich stelle es mir schwierig vor, immer nur das halbe Jahr da zu sein, da muss die Arbeit ja sehr gut in kleine, abgeschlossene Pakete teilbar sein, oder?

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