Lohnt sich eine Steuererklärung? // Hoher RoI mit wenig Zeiteinsatz

Mann im Geldregen
Lesezeit: 6 Minuten

Bitte eine Runde Applaus: Ich habe gerade meine Steuererklärung abgegeben.

(Ganz unten gibt es ein Update zum Ergebnis)

Dieses Jahr war das ein klein wenig komplizierter, da ich durch die Corona-Situation zum ersten Mal ein häusliches Arbeitszimmer abgesetzt habe. Insgesamt habe ich vom allerersten Schritt („PC hochfahren“) bis zum digitalen Abschicken der Erklärung ziemlich genau drei Stunden gebraucht. Und in der Zeit habe ich sogar noch alle Unterlagen und Briefe sortiert, gelocht und abgeheftet, die in den letzten 12 Monaten so ins Haus geflattert sind. Ich bin zu faul, die eingehenden Dokumente direkt korrekt einzusortieren und lege sie nach dem Lesen meist auf einen von mehreren „Posteingangsstapeln“. Das klingt ordentlicher als es ist. Die Steuererklärung ist für mich einmal im Jahr ein guter Anlass, klar Schiff zu machen. Jetzt sieht das Regalfach, das ich als „Posteingang“ nutze (…zumülle…) endlich wieder aufgeräumt aus 🙂

Elektronische Helfer für maximale Zeitersparnis

Steuerprogramm

Ich verwende auf Empfehlung meines Papas seit Jahren das gleiche Steuererklärungsprogramm von Steuertipps (kein Affiliate Link). Da gibt es einige am Markt, die sich wahrscheinlich nicht großartig unterscheiden. Ich persönlich kenne jetzt nur dieses. Im Abo kostet es pro Jahr 25 Euro, die man aber wieder als Werbungskosten in der Steuererklärung angeben kann. Also kostet es mich eigentlich deutlich weniger. Und die vorausgesagte Rückerstattung hat in den letzten Jahren immer gestimmt. Da ich das bereits seit vielen Jahren mache, kann ich die meisten Daten wie Adresse, Steuernummer, Arbeitgeberadresse, etc. einfach aus dem Vorjahr übernehmen und muss nicht jedes Jahr alles nochmal eingeben.

Ich gebe meine Steuererklärung mit Hilfe eines Elster-Zertifikats komplett digital ab. Wenn man möchte, kann man dann noch zusätzliche Belege per Post nachreichen. Das habe ich bisher aber nie gemacht und es war auch nicht nötig. In einem Jahr hat das Finanzamt von mir die Spendenquittungen angefordert, die ich dann per E-Mail nachgeliefert habe. Das Jahr danach ist diese Pflicht zur Vorlage der Spendenquittungen dann aber abgeschafft worden. Daher reiche ich jetzt gar keine Belege mehr ein, außer natürlich, ich werde dazu explizit aufgefordert. Da sich meine in der Steuererklärung geltend gemachten Positionen (wie z.B. mein Riester-Vertrag) von Jahr zu Jahr kaum verändern und viele Daten automatisch übermittelt werden (wie z.B. die Informationen zu Vermögenswirksamen Leistungen), kann das Finanzamt die meisten der Zahlen auch ohne Belege sehr leicht nachvollziehen.

Vorausgefüllte Steuererklärung (VaSt)

Der echte „Game Changer“ in Sachen Zeitersparnis war für mich die Anmeldung zu vorausgefüllten Steuererklärung (VaSt) vor einigen Jahren. Denn der langwierigste Schritt war für mich immer das Abtippen der ganzen Steuerbescheinigungen. Insbesondere das Übertragen der Lohnsteuerbescheinigung mit – bei mir – 10 verschiedenen Zeilen, die befüllt werden müssen, war immer super nervig. Durch die Teilnahme am VaSt-Verfahren werden sowohl die Lohnsteuerbescheinigung(en) als auch die Informationen für meinen Riester- und VwL-Vertrag schon fertig vorbefüllt.

Ich muss also nur noch die Zahlen aus den Steuerbescheinigungen meiner beiden Depots abtippen, sowie sonstige Werbungskosten (wie Arbeitsmittel/das Arbeitszimmer) und Sonderausgaben (wie Spenden) selbst eingeben. Ich würde mir wirklich wünschen, dass auch die Kapitalerträge zukünftig Teil der VaSt werden. Eine Erweiterung war zwar eigentlich noch für diese Legislaturperiode geplant, aber ob die wirklich kommt und dann auch bereits Kapitalerträge vollumfänglich integriert sind, bezweifle ich.

Der Rest ist dann Handarbeit

Um meine Steuererklärung fertig stellen zu können, muss ich mich dann noch in einige Accounts einloggen, um an die Daten zu kommen:

  • Zwei Depots (für die Informationen zu Kapitalerträge)
  • Zwei Mail-Accounts (für die Rechnungen von absetzbaren Arbeitsmitteln)
  • Zwei Konten bzw. mein Girokonto und der Paypal-Account (für die Summen, die ich gespendet habe)

Das schwierigste ist hier, sich an all die Passwörter zu erinnern 😉 Die entsprechenden Belege speichere ich alle in einem Ordner auf dem PC, um sie bei Bedarf an das Finanzamt senden zu können. Ein paar relevante Rechnungen liegen mir nur in nicht-digitaler Form vor. Die werden auch fein säuberlich im Reiter „Steuern“ in meinem Ordner abgeheftet.

Das Ergebnis dieses Jahr….

Laut dem Steuerprogramm erwarte ich eine Rückerstattung von 3.356 Euro. Und das bei nur drei Stunden Arbeit! Wo sonst kann man bitte einen Stundenlohn von über 1.000 Euro erreichen? Sieht man den Zeiteinsatz als Investment, ist der Return on Investment (RoI) einer Steuererklärung wirklich unschlagbar!

Mein individueller Durchschnittssteuersatz laut Berechnung des Programms liegt bei 33%. Mein Grenzsteuersatz liegt aber bei über 40%: Wenn ich ausgehend von meiner aktuellen Steuersituation um 100 Euro höhere Werbungskosten hätte, würde ich ca. 44 Euro mehr Rückerstattung bekommen. Dieses Verhältnis von zusätzlich absetzbareren Positionen zu Rückerstattungen finde ich insbesondere beim Spenden super: Wenn ich 3.000 Euro spende, dann kriege ich davon über ein Drittel durch die Steuererklärung zurück. Ich kann also mehr spenden, ohne effektiv mehr Geld auszugeben. Meist nehme ich die Steuerrückerstattung, direkt wenn sie auf meinem Konto eintrifft, und spende ungefähr den Betrag wieder. Ich strebe dabei an, mindestens den Betrag zu spenden, den ich an Kirchensteuer zahlen müsste, wenn ich noch in der Kirche wäre.

…mit Corona-Boost

Dieses Jahr ist meine Steuererstattung durch die Corona-Situation besonders hoch. Davor habe ich nur selten von zu Hause gearbeitet und dementsprechend auch kein häusliches Arbeitszimmer gehabt. Aber im März 2020 hat sich das natürlich auf einen Schlag geändert. Da unsere Wohnung es uns ermöglicht hat, ein separates Arbeitszimmer einzurichten, haben wir dies auch getan. Der separate Raum ist die erste Voraussetzung für die steuerliche Absetzbarkeit. Für alle anderen „Home Officer“ ohne separaten Raum als Arbeitszimmer gibt es für 2020 und 2021 immerhin die neu eingeführte Home Office Pauschale.

In der nachfolgenden Grafik habe ich aufgeschlüsselt, wie viele Tage ich 2020 im Büro bzw. im heimischen Arbeitszimmer verbracht habe. Man sieht, dass der Kontrast zwischen Februar, wo die Corona-Krise gerade ihren Lauf nahm, und April, wo wir uns alle im ersten Lockdown befangen, nicht stärker sein könnte. Rechnet man meine Urlaubstage heraus, habe ich mich insgesamt nur 42% Prozent der Zeit im Büro aufgehalten.

Anteil Home Office 2020
Im September hatte ich komplett frei bzw. war auf Grund einer OP krankgeschrieben. In Summe ergibt sich eine Büroquote von 42% für 2020.

Die Zahl wäre noch niedriger, wenn man den Jahresanfang herausrechnen würde. Denn den gesamten Januar und Februar, sowie bis zum 12. März habe ich mich noch – wie „damals“, vor Corona, auch noch ganz normal war – jeden Tag im Büro aufgehalten. Nur im Oktober war ich dann wieder recht häufig im Büro, weil es durch den Jobwechsel noch einiges vor Ort zu organisieren gab. Ganz sicher bin ich mir aber auch nicht mehr, ob das wirklich so viele Tage waren oder ich die Home Office-Tage nur nicht korrekt in meinen Kalender eingetragen habe. Das ist wohl der Nachteil, wenn man nur einmal im Jahr für die Steuererklärung Ordnung ins Belege-Chaos bringt statt kontinuierlich „mitzuschreiben“.

Und nun beginnt das Warten…

Ich bin gespannt, ob das Finanzamt meine Steuererklärung dieses Jahr auch ohne Anforderung von weiteren Belegen und inklusive des Arbeitszimmers akzeptieren wird. Letztes Jahr gab es zwar keine Nachfragen, aber dafür musste ich fast sieben Monate auf die Bearbeitung warten. Das lag wohl – neben Corona – auch an dem Zeitpunkt, zu dem ich abgegeben hatte. Durch die Investmentsteuerreform trudelten letztes Jahr die Kapitalertragsbescheinigungen der Bank erst sehr spät ein. Daher konnte ich auch erst später als sonst die Steuererklärung anfertigen und abschicken. Meine Hoffnung ist, dass ich dieses Jahr nicht ganz so lange warten muss. Manchmal, wenn ich wirklich früh dran war, hat es sogar nur zwei Wochen gedauert bis das Geld auf dem Konto war. Ob es dieses Jahr wieder so schnell geht? Selbst wenn die Erstattung am Ende etwas geringer ausfallen wird: Eine Steuererklärung lohnt sich aus meiner Sicht immer! Und mit kleinen digitalen Helfern geht das Ganze so schnell, dass ein sehr guter Stundenlohn dabei herauskommt.

Hast du deine Steuererklärung schon gemacht? Hast du durch Corona einen positiven Effekt oder einen negativen (z.B. durch den Wegfall von Entfernungspauschalen)? Nutzt du auch die vorausgefüllte Steuererklärung (VaSt)? Nutzt du eine separates Steuerprogramm oder einfach Elster online? Oder gleich einen Steuerberater?

Hier das Update zur Steuererklärung: Sehr schnell nach Eingang der Steuererklärung forderte das Finanzamt per Fragebogen noch weitere Informationen zum Arbeitszimmer an. Ich habe einen Grundriss der Wohnung, Fotos vom Arbeitsplatz, eine genauere Aufschlüsselung der Kosten (automatisch erzeugt vom Steuerprogramm), Kopien der Stromrechnung, der Hausratversicherung und des Mietvertrags sowie den ausgefüllten Fragebogen eingereicht.

Christoph, der auf Grund seines Nachnamens bei einem anderen Frankfurter Finanzamt ist, erhielt den gleichen Bogen einige Tage später auch. Lustigerweise hatte er eine um ca. zwei Wochen kürzere Antwortfrist gesetzt bekommen als ich. Das scheinen also wirklich separat arbeitende Finanzämter zu sein… Immerhin war der Fragebogen identisch und das Ausfüllen daher für uns nicht doppelter Aufwand.

Christoph hat seine Steuererstattung und den Bescheid bereits vor einer Woche erhalten, ich habe heute, am 12.6., meinen Steuerbescheid im Briefkasten gefunden. Das Schöne: Beide haben wir die volle Erstattung wie von unserem Steuerprogramm vorausgesagt erhalten!

Durch den Zusatzaufwand mit dem Fragebogen und den Kopien, der ca. noch einmal 30 Minuten in Anspruch genommen hat, komme ich mit meinem Stundenlohn also nicht ganz über 1.000 Euro. Aber bei einem Stundenlohn von ca. 960 Euro ist es doch schade, dass man diesen „Job“ nur einmal im Jahr machen kann 😉

6 Replies to “Lohnt sich eine Steuererklärung? // Hoher RoI mit wenig Zeiteinsatz”

  1. Vielen Dank für den Tipp. Das Finanzamt antwortete jedoch, dass im Gegensatz zum Steuerprogramm errechneten Satz 1552 € bis Ultimo nachzahlen solle. Steuerberater: Finanzamt hat leider recht, auch die daten im Steuerprogramm wurden richtig eingetragen.

  2. Wie kommt es denn, dass du die Kapitalerträge in der Steuererklärung extra mit angibst? Mit deutschen Brokern sollte die Steuer doch automatisch abgezogen werden und damit keine Angabe in der Steuererklärung mehr nötig sein, oder hast du einen ausländischen Broker o.ä.?

    1. Ich habe (eine sehr kleine Menge) Kapitalerträge, die nicht automatisch versteuert wird vom Anbieter.
      Bis letztes Jahr hatte ich auch meine Freistellungsaufträge gesplittet über verschiedene Banken. In der Konstellation konnte es sein bzw. war es eigentlich immer so, dass ein Teilfreistellungsauftrag noch nicht ausgenutzt war, der andere aber überschritten. Dieses Jahr habe ich das geändert bzw. es hat sich erledigt, da es sowieso keine Zinsen mehr auf’s Tagesgeld gibt.
      Aber dadurch war es für mich vorteilhaft, die Steuererklärung auch für die Kapitalerträge zu machen. Dieses Jahr habe ich da tatsächlich gar nicht so drüber nachgedacht, ob es wirklich nötig war… jetzt wo du es ansprichst 😄

  3. Wer eine Steuererstattung bekommt, hat übers Jahr zuviel Steuer bezahlt. In Zeiten, als es noch so etwas wie einen Zins gegeben hat, machte das einen Unterschied. Obwohl: Ich will den psychologischen Effekt nicht verkennen. Steuer, die Monat für Monat weggeht, merkt man nicht, wenn dann aber eine Steuererstattung eintrudelt, hüpft einem das Herz im Leibe.

    Was Deinen Steuersatz anlangt, sei getrost: Dein Grenzsteuersatz für 2020 liegt bei 42%+SolZ. Ganz sicher. Das zahlen in der Spitze schon Leute, die etliches weniger verdienen als Du.

    Der Stundenlohn einer Steuererklärung hängt schon sehr von den Details ab. Ich habe letztes Jahr für einen Depotübertrag vierstellig Prämie bekommen :-), die muß ich jetzt angeben, sie wird zu einer Steuernachzahlung führen. Mein Stundenlohn für die Steuererklärung 2020 wird negativ sein.

    Ansonsten machen gerade Kapitalerträge in Zeiten der Abgeltungssteuer keine große Mühe mehr: In aller Regel kann man diesen ganzen Sektor bei der Steuererklärung nämlich weglassen.

    Die Pimpelei mit den Freistellungsaufträgen habe ich übrigens nie mitgemacht: Ein (1) Freistellungsauftrag bei der Bank, bei der das meiste liegt. Das reicht. So wird die Freistellung immer komplett ausgenutzt, aber ich habe keinen Zinnober damit.

    1. Im Prinzip hast du Recht, man kriegt nichts geschenkt durch die Steuererklärung, sondern nur zurück, was man zu viel bezahlt hat. Aber da der Staat ja nicht vorab wissen kann, wie meine Werbekosten sein werden (weiß ich ja vorher selbst nicht), ist es gar nicht anders möglich. Und viele Leute machen leider keine Steuererklärung und verschenken so Geld, das ihnen zusteht.

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