Kann man ein Junior-Depot für nicht-eigene Kinder eröffnen? // Investieren für Enkel, Patenkinder oder minderjährige Geschwister

Oma mit Geld
Lesezeit: 10 Minuten

Eine Verwandte von mir wird bald konfirmiert. Ich wünsche ihr sehr, dass die Corona-Beschränkungen im September eine schöne Zeremonie und (private) Feiern in Innenräumen zulassen oder dass zumindest das Wetter mitspielt für eine Verlagerung nach draußen! Bei der letzten Konfirmation, bei der ich Gast war, waren bestimmt 200 Menschen anwesend. Es fällt mir gerade schwer, mich schon bald in einem so vollen Raum zu sehen. Jeder der ca. 20 Konfirmanden bringt natürlich seine ganze Familie mit, denn so ein Fest mit der ganzen Familie gibt es im Leben ja nicht so häufig. Oder hast du zu deiner 18. Geburtstagsparty etwa deine Großtante Helmtraudt eingeladen? Ich jedenfalls nicht…

Die wichtigste Frage für mich ist nicht „Was zieh ich an?“…

Was ich anziehe, weiß ich bereits. So viele passende, also schicke und sommerliche Kleider habe ich gar nicht. Da fällt die Wahl leicht. Als ich die Einladung zur Feier bekommen habe, habe ich vielmehr sofort an das Thema Geschenk gedacht. Meine spontane Idee: statt Bargeld lieber etwas Startkapital in einem Junior-Depot verschenken. Denn was gibt es besseres, als wenn der Zinseszins-Effekt schon mit nur 14 Lebensjahren anfangen kann für einen zu arbeiten?

Aber ist das wirklich eine gute Idee?

Auf Grund des kurzen Zeithorizonts dieser Anlage würde das Geld nicht (bzw. nicht schwankungssicher) bei der Finanzierung von typischen Ausgaben junger Erwachsener (Führerschein, Auslandssemester, erste Möbel) helfen. Von meinem Konfirmationsgeld habe ich mir damals einen ersten eigenen Laptop gekauft und den Rest (ca. 1.000 Euro) für später gespart. Vage hatte ich da den Führerschein als Ziel schon im Kopf. An der Börse habe ich damals glaube ich nichts von den Geschenken angelegt, aber ganz sicher bin ich da nicht mehr. Falls doch, auf jeden Fall nicht komplett selbst entschieden, sondern nur per Anweisung an meinen „Finanzverwalter“ (meinen Papa).

Ein Wertpapierdepot als Geschenk zur Konfirmation ist nur als Startkapital für zeitlich weiter entfernte Ziele sinnvoll. Zum Beispiel als Startkapital für einen Immobilienkauf in ca. 20 Jahren (mit Mitte 30) oder die Altersvorsorge (in ca. 55 Jahren). Kein besonders cooles Geschenk für eine Jugendliche, oder?

Dazu kommt: Ein Geschenkbetrag von 100 Euro bringt bei solchen zwar fernen, aber dafür auch „teureren“ Zielen nicht wirklich etwas. Selbst bei sehr optimistischen 10% Rendite pro Jahr werden aus 100 Euro in 55 Jahren nicht einmal 20.000 Euro. Damit lässt sich die eigene Rentenlücke sicher nicht schließen. Denn wenn man die historische Inflation der letzten 55 Jahre berücksichtigt, kann man sich trotz Traumrendite später nur Waren und Dienstleistungen im Wert von ca. 5.000 Euro leisten. Aus diesem Kapitalstock lässt sich vielleicht eine schöne Reise zum Renteneintritt finanzieren, was ja auch etwas schönes ist. In Summe muss man aber festhalten: Mit solchen Kleinstbeträgen als Einmalanlage macht das Investieren keinen Sinn. Da braucht man schon deutlich höhere Einmalanlagen oder noch viel besser regelmäßige Sparraten über Jahrzehnte.

Bei der Wahl seiner Familie kann man nicht vorsichtig genug sein 😉

Versteht mich nicht falsch: 100 Euro sind als Geschenk für eine Jugendliche kein „Kleinstbetrag“. Da wird sich wirklich jeder darüber freuen. Aber meiner Meinung nach hat man als 14-Jährige deutlich mehr Spaß dabei, die 100 Euro einfach heute auszugeben als für die ferne, ferne Rente in 55 Jahren zu investieren. Erst bei größeren Summen kommen da halbwegs nennenswerte Zahlen über die lange Zeitspanne zusammen. Wer zur Konfirmation 1.000 Euro anlegt, kann daraus bis zur Rente bei realistischen 6-7% Rendite pro Jahr immerhin ein durchschnittliches Jahresgehalt machen (zumindest nominell). Idealerweise hat man also sehr reiche und spendable Verwandte. Dann bekommt man vielleicht auch genug Geld geschenkt, um sich gleichzeitig seine Wünsche im Hier und Jetzt erfüllen zu können und trotzdem noch etwas für Später zu investieren. Erben soll ja auch ungemein helfen beim Vermögensaufbau

Was zum Schmunzeln für zwischendurch: Ich bei meiner eigenen Konfirmation, mit zehn Kilo Haarspray für schöne Locken, die trotzdem nicht den Tag überlebt haben, und noch ohne Brille

Gegen die Idee sprechen aber auch ganz praktische Gründe

Selbst wenn man einen so hohen Betrag verschenken würde, dass sich das Ganze rechnerisch lohnt, ergeben sich noch ganz praktische Hürden für ein (geschenktes) Investment im Namen eines Kindes: Steuerlich und organisatorisch gibt es bei dieser Konstellation einige Fallstricke.

Schenkungssteuer

Zunächst muss man die Schenkungssteuer beachten, die ähnlich wie die Erbschaftssteuer ist. Alle 10 Jahre darf ich eine bestimmte Summe steuerfrei verschenkten. Wie hoch dieser steuerfreie Freibetrag ist, hängt von meinem Verwandtschaftsgrad zum Beschenkten ab. Bei den eigenen Kindern (oder Stiefkindern) sind 400.000 Euro möglich. Enkelkindern darf man bis zu 200.000 Euro steuerfrei schenken innerhalb von 10 Jahren. Alle anderen, also auch z.B. die eigene Geschwister oder Nichten und Neffen, können bis maximal 20.000 Euro Schenkungen steuerfrei erhalten. Für Konfirmationsgeschenke sind diese Summen wohl äußerst selten relevant. Zumindest in meiner Verwandtschaft definitiv nicht.

Junior-Depots

Meiner kurzen Recherche nach gibt es aktuell einige Banken, die Junior-Depots anbieten. Ein Depot für Minderjährige kann man z.B. bei Comdirect, ING, Consors, DKB und Flatex eröffnen. Die Depotführung ist meist kostenlos und manchmal sind sogar die (Sparplan-)Kaufgebühren vergünstigt oder entfallen komplett. Hier ein Link zu einem aktuellen Vergleich der verschiedenen Anbieter. Wichtig ist allerdings, dass solch ein Depot ausschließlich von den Eltern eröffnet werden kann. Alle sorgeberechtigten Elternteile müssen auf dem Antrag unterschreiben. Zudem muss man auch die Geburtsurkunde des Kindes einreichen. Also alles etwas komplizierter als eine normale Depoteröffnung für einen selbst.

Anschließend können die Eltern bis zur Volljährigkeit des Kindes über das Geld verfügen. Als anderer Verwandter (Großelternteil, Tante, Onkel, Geschwister) hat man also keinen Zugriff auf das Depot und erhält auch keinerlei Informationen darüber. Es ist in Deutschland nicht möglich, ein Depot für fremde Kinder (z.B. Enkel, Nichten, Neffen) ohne die Eltern zu eröffnen. Dies wird zwar in manchen Werbetexten suggeriert / angedeutet, ist aber rechtlich nicht möglich. Die Eltern müssen den Junior-Depot-Antrag immer unterschreiben und haben als Verwalter theoretisch vollen Zugriff auf das Geld. Wer ohne das Wissen bzw. die Zustimmung der Eltern für ein Kind investieren möchte (als Überraschung oder aus Misstrauen gegenüber den Eltern), kann dies nur im eigenen (ggf. separaten) Depot machen und das Depot dann nach der Volljährigkeit an das Kind verschenken.

Warum ist das so?

Die Regeln für Junior-Depots sind in Deutschland auf Grund von Geldwäscheprävention und zur Vermeidung von Steuerhinterziehung relativ streng. Wenn jeder Fremde ohne das Wissen der Eltern (bzw. der betroffenen Kinder selbst) Depots im Namen von Kindern eröffnen könnte, wäre es sehr schwer zu kontrollieren, ob das Geld (steuerlich gesehen) wirklich dem Kind gehört oder es der Verwandte nur einfach dort bis kurz vor dem 18 Geburtstag „zwischenparkt“, um Steuern zu hinterziehen.

Ich kenne persönlich tatsächlich einen Fall, bei dem im Namen eines (volljährigen) Kinds vom Vater ohne dessen Wissen im Ausland Konten eröffnet wurden, um Steuern zu hinterziehen. Im Zweifel kann man als Verwandter das Vermögen des Kindes, das man später beschenken möchte, auch immer erst einmal selbst, also im eigenen Namen, anlegen und verwalten. So behält man die größte Kontrolle und kann es sich gegebenenfalls sogar später noch einmal anders überlegen mit dem großzügigen Geschenk. Vielleicht ist das aber auch ein Nachteil?

Welche Vorteile bietet ein Junior-Depot?

Wird ein Depot auf den Namen eines Kindes geführt, werden die Erträge des Depots (z.B. Dividenden, Kursgewinne) steuerlich gesehen separat vom Vermögen der Eltern bzw. Schenkenden betrachtet. Das heißt, dass sowohl der Sparerpauschbetrag bei der Kapitalertragssteuer (801 Euro) als auch der steuerliche Grundfreibetrag (9.744 Euro plus 36 Euro Sonderausgabenpauschale) ausgenutzt werden können, bevor Kapitalertragssteuer anfällt. So viele Kapitalerträge muss man erst einmal generieren und realisieren! Bei einer jährlichen Rendite von 6% wäre dazu ein Depot in Höhe von mindestens ca. 180.000 Euro nötig, bei dem man alle Zuwächse durch Dividendenzahlungen und Verkäufe auch realisiert.

Die Robo-Advisor, die auch Junior-Depots ermöglichen, werben explizit damit, dass sie diese steuerlichen Vorteile durch „geschicktes Umschichten“ maximal ausnutzen würden. Wer wirklich 180.000 Euro für sein Kind anlegen möchte, sollte für sich durchrechnen, ob sich die höheren Gebühren (ca. 1% jährlich) von solchen Robo-Advisors wie Oskar oder Ginmon im Vergleich zu einem selbstständigen, nicht automatisch steueroptimierten Investment in ETFs (mit Kosten von typischerweise 0,25% plus ggf. Kauf- und Verkaufsgebühren) bzw. „selbst umschichten für maximale Steueroptimierung“ lohnt. Für die Otto-Normal-Eltern scheint mir das kein relevantes Problem, auch wenn es natürlich erst einmal nett klingt.

Auf der Ginmon-Seite habe ich ein Rechenbeispiel gefunden, dass bei ca. 20.000 Euro Investitionssumme (und 4% Rendite p.a. über 5 Jahre) etwa den Break-Even erreicht, also mehr Steuern spart als man an Zusatzgebühren für diesen Service zahlen musste. Für größere Investitionssummen verlieren diese Steuerspielereien dann auch wieder ihren Reiz, da man mit seinen Erträgen irgendwann sowieso über dem Pauschbetrag von 801 Euro liegt. Ich persönlich habe z.B. 2020 allein durch Dividenden etwa 1.800 Euro Kapitalerträge gehabt. Dabei verfolge ich nicht einmal eine besonders dividenden-orientierte Strategie. Wer seinen eigenen Steuerfreibetrag von 801 Euro sowieso noch nicht ausgeschöpft hat, kann sich den ganzen Aufwand zur Eröffnung eines Junior-Depots auch sparen. Es gibt nämlich auch potentielle Nachteile.

Welche Nachteile hat ein Junior-Depot?

Ein hohes eigenes Vermögen bzw. Einkommen kann auch Nachteile haben für das Kind, z.B. beim Thema Bafög oder bei der Krankenversicherung. Aber auch hier gilt wieder: Das sind alles absolute Luxusproblemchen, über die man sich im Normalfall keine Gedanken machen muss.

BaFöG

Die sehr günstige Studienfinanzierung hängt vom eigenen Einkommen (Freibetrag: 5.421 Euro pro Jahr), dem eigenen Vermögen (Freibetrag: 8.200 Euro) und vom Einkommen der Eltern ab. Mit einem Depot von 8.200 Euro wird man nie ein höheres Einkommen als die Freigrenze generieren. Dazu wären jährliche Renditen von mindestens 66% nötig. Da die Einkommensfreigrenze allerdings ungefähr einem 450-Euro-Job entspricht, können auch deutlich kleinere Kapitaleinkommen zu einer entsprechend Reduzierung des Bafög-Anspruchs auf Grund von eigenem Einkommen führen.

Wer von Geburt an jeden Monat ca. 30-35 Euro für sein Kind spart, der wird je nach Rendite bis zum 18. Geburtstag mehr als 8.200 Euro angespart haben. Alles Vermögen, was über diesem Freibetrag liegt, wird entsprechend auf das Bafög angerechnet. Das heißt allerdings nicht, dass man gar kein Bafög mehr erhält, sondern nur, dass sich die monatliche Zahlung entsprechend reduziert.

Nur wer über ein eigenes Vermögen i.H.v. mindestens 17.224 Euro verfügt, erhält definitiv kein Bafög mehr, selbst wenn das eigene Einkommen und das relevante Einkommen der Eltern Null wäre. Zu diesem Betrag kommt man bei 6% Rendite pro Jahr über 18 Jahre mit einer monatlichen Sparrate von etwa 45 Euro. Andersherum entspricht diese Summe aber auch ca. 23 Monaten Bafög-Höchstsatz, bis das Geld alle wäre.

Das reicht leider noch nicht für ein dreijähriges Bachelor-Studium. Aber wenn das Geld tatsächlich „alle“ ist (bzw. unterhalb des Freibetrags liegt), gibt es ggf. auch wieder einen Bafög-Anspruch. Jedenfalls sofern eben die anderen Bedingungen (wie z.B. Elterneinkommen) erfüllt sind. In den allermeisten Fällen werden Eltern, die fähig waren, für ihre Kinder bis zur Volljährigkeit diese Summen anzusparen ihr Kind aber auch im Studium weiter finanziell unterstützen können und wollen. Denn Kinder sind (rein finanziell gesehen) immer ein „Zuschussgeschäft“. Das vom Staat gezahlte Kindergeld reicht selbst den frugalistischsten Eltern dauerhaft nicht, um die Kosten eines Kinds zu decken.

Möchte man seinem Kind fünf Jahre Studium (Bachelor und Master) mit mindestens dem Bafög-Höchstsatz ermöglich, müssen dafür über die ersten 18 Jahre des Lebens Sparraten von monatlich ca. 120 Euro mit 6% jährlicher Rendite investiert werden. Dieser Kapitalstock von ca. 45.000 Euro ist auf jeden Fall eine tolle Basis, um in die Volljährigkeit zu starten. Ich hatte das Glück, dank meiner Eltern nicht nur mein Studium finanziert zu bekommen, sondern mit ungefähr dieser Summe nicht nur ins Studium, sondern sogar danach ins Berufsleben starten zu können.

Krankenversicherung

In der Regel können sich Kinder/Jugendliche und Studenten kostenlos familienversichern, solange ihr Einkommen bestimmte Freigrenzen nicht übersteigt. Das Vermögen spielt bei der Ermittlung des Krankenversicherungsstatus allerdings keine Rolle. Die Freibeträge sind sehr ähnlich wie beim Bafög und grob auf 450-Euro-Jobs ausgelegt. Wie oben bereits beschrieben brauche ich ein wirklich sehr großes Depot, um jeden Monat mehr als 450 Euro Erträge realisieren zu können. Da muss es schon ein sechsstelliges Depot sein, bevor das zum Problem wird.

Arbeite ich aber neben dem Studium in einem eigentlich steuer- und sozialversicherungsfreien 450-Euro-Job, könnten auch kleinere Depots bzw. Kapitalerträge dazu führen, dass ich über der Familienversicherungsgrenze liege. Allerdings ist das gar nicht so dramatisch, wie es klingt. Denn auch die Krankenversicherungsbeiträge für pflichtversicherte Studenten sind recht niedrig (ca. 100 Euro monatlich unter 30 Jahren). Wahrscheinlich gibt es in Deutschland nur wenige Studenten, die das Luxusproblem haben, dass ihr Depot so viele Kapitalerträge erwirtschaftet, dass sie nicht mehr von der kostenlosen Familienversicherung profitieren können.

Was ist jetzt mit dem Konfirmationsgeschenk?

Meine Erkenntnis: Ein Junior-Depot ist kein gutes Konfirmationsgeschenk. Auf Grund des benötigten langen Zeithorizonts und der eigentlich benötigten höheren Einmalanlagebeiträge, bis sich das Ganze lohnt, sowie der organisatorischen Komplexität mit den Unterschriften der Eltern (die in einer anderen Stadt wohnen als ich), habe ich eine andere Geschenkidee entwickelt. Die 100 Euro gibt es einfach als Bargeld. Zum Ausgeben oder für später sparen, da möchte ich meiner 14-jährigen Verwandten keine Vorgaben machen. Denn sie ist ein ziemlich kluges Köpfchen und wird schon alleine am besten wissen, was ihr am meisten Freude bringt. Dazu schenke ich ihr aber noch ein Finanzbuch. Denn schon Benjamin Franklin wusste:

Eine Investition in Wissen bringt noch immer die besten Zinsen.

Hast du eine Empfehlung für ein gutes Einsteigerbuch, das auch für Jugendliche geeignet ist? Hast du schon einmal für eine Minderjährige investiert? Per Einmalanlage oder als regelmäßigen Sparplan? Im Junior-Depot oder doch selbst verwaltet? Ist das Ziel dabei konkret (Führerschein, Studienfinanzierung) oder abstrakt (Altersvorsorge)? Überlässt du die Verwendung der Minderjährigen dann komplett selbst oder hast du da eher Bedenken?

P.S. Ich bin zwar getauft und konfirmiert (nein, nicht nur des Geldes wegen!), aber während des Studiums aus (mangelnder?) Überzeugung aus der Kirche ausgetreten (nein, nicht nur des Geldes wegen!).

2 Replies to “Kann man ein Junior-Depot für nicht-eigene Kinder eröffnen? // Investieren für Enkel, Patenkinder oder minderjährige Geschwister”

  1. Meine eigenen Erfahrungen als Vater eines 14-jährigen Konfirmanden dem ich versuche finanzielle Bildung mitzugeben:

    * zuallererst ein eigenes Konto, konkret bei der selben Bank wie die Eltern (DKB)
    * dazu eine Kreditkarte, mit der er sich das wöchentliche! Taschengeld abheben kann. Höhe = Klassenstufe in €
    * dazu noch ein Wertpapierdepot auf das Aktien-Schenkungen übertragen wurden. Zum einen mit persönlichen Bezug (Firmenaktien der Eltern oder vom Patenonkel) oder auch mal zu Weihnachten selbst ausgesucht (->2x Apple war das letztes Weihnachten)

    Vorteil dieses Setups – wir (Eltern) bekommen das ebenfalls in unserer Kontoübersicht angezeigt und Aktien können nicht gehandelt werden von ihm, er kann nur das Giro verwenden und etwas auf die Visa zum Abheben (bei U18 gehen auch Kleinstbeträge wie 5€). Es kommt immer mal wieder was rein an Dividende (leider nicht so häufig) und er sieht das sich das Ansparen auszahlt.

    Was fehlt mir damit es perfekt wäre?
    – die Möglichkeit günstig direkt über sein Depot einen ETF mit Beträgen wie 25€ mtl zu besparen
    – Monatszahler

    Das Thema Bafög habe ich gleich abgehakt und eine NVA eingereicht. Ich schaue auch danach jährlich eine Steuerbuchung vorzunehmen (unter Beachtung der von dir genannten KV-Falle 🙂 )

    Ansonsten hantiert er erfolgreich mit dem Konto, überweist auch mal Geld an die Eltern um sich was bei Amazon bestellen zu lassen und demnächst geht auch das erste eigene Geld ein (1x wöchtentlich Zeitung austragen). Das ganze Setup läuft jetzt erfolgreich seit 2 Jahren, das einzig ihm fehlende (Teenager-Prestige 😉) namens Apple-Pay funktioniert leider mit Accountinhabern <16 nicht, aber er hat ja noch die Visa.

    Bin ganz glücklich so wie es läuft, Aktien✅, Schülerjob✅, Umgang mit eigenem Geld ✅.
    Er versteht es und hat einen Bezug zum Thema

    1. Hallo Andre,
      das klingt wirklich super! Eltern haben so einen großen Einfluss auf die Finanzbildung (vor allen Dingen die „praktische Ausbildung“). Als etwas weiter entfernte Verwandte ist das aber dann schon einen Ticken schwieriger.
      Beim Taschengeld sieht man schön die Inflation: Mein wöchentliches Taschengeld war früher auch „Klassenstufe in DM“ bis meine kleine Schwester da mal nachverhandelt hat als sie selbst Grundschülerin war. Davon habe ich als Oberstufenschülerin dann auch profitiert und statt 24 Euro pro Monat (4 x 12 DM = 6 Euro) dann 50 Euro bekommen, glaube ich. Da ich mit 13 angefangen habe, Nachhilfe zu geben, hatte ich immer mehr als genug Taschengeld für alles, was ich mir leisten wollte.
      Was ich mir total wünschen würde, wäre eine Art „Reste-Abstauber-Sparplan“, also dass man einfach den ganzen Monat lang Geld auf ein spezielles, separates Konto überweisen könnte, und dann immer zum 1. des Folgemonats alles dort angesammelte Geld per Sparplan automatisch investiert wird. Bei der DKB nutze ich etwas ähnliches beim gemeinsamen Haushaltskonto, wo alles Geld über Betrag X am Monatsende auf die zugehörige Visa-Karte (unser „Haushaltssparkonto“) geschoben wird. Wenn man das statt mit der VISA-Karte mit einem Depot-Referenzkonto und einer vollvariablen Sparplanrate kombinieren würde, wäre das doch genial, oder? Die ING bietet ja inzwischen den Sparplan ab 1€ an, also sind eigentlich alle Komponenten dar. Einige Apps, wie Peaks, funktionieren ja nach einem ähnlichen Prinzip. So könnte ich auch als Nicht-Elternteil quasi einen Junior-Depot-Sparplan finanzieren, ohne dass die Eltern selbst aktiv werden müssen und ohne dass ständig die Sparplanraten geändert oder Einmalanlagen getätigt werden müssten. Vielleicht kommt da eine Bank ja bald drauf.
      Viele Grüße
      Jenni

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