1. Geburtstag von Dagoberts Nichte // Rückblick nach einem Jahr

Lesezeit: 9 Minuten

Ich kann es selbst kaum glauben, aber dieser Blog wird morgen schon ein Jahr alt! Meinen ersten Artikel habe ich Mitte Juli 2019 zu schreiben angefangen. Mit drei Posts ging der Blog dann am 21. September 2019 an den Start. 51 weitere Artikel später kann ich eines mit Sicherheit sagen: Bloggen ist definitiv nicht so einfach, wie ich damals dachte.

Nachdem ich vor dem Blogstart in acht Wochen gerade einmal fünf Artikel geschrieben hatte, hätte mir schon damals klar sein sollen, dass ein Post pro Woche ein extrem ambitioniertes Ziel ist. Trotz vieler wortwörtlicher fünf-vor-zwölf (Mitternacht) Veröffentlichungen und einer zwischenzeitlichen Verschiebung der neuen Artikel von jeweils Freitag auf Sonntag, kann ich allerdings heute mit Stolz sagen: Ich habe es tatsächlich geschafft, jede Woche einen neuen Post zu veröffentlichen! Auch wenn es manchmal knapp war 😉

Zum ersten Geburtstag gibt es heute also einen etwas anderen Post als sonst. Quasi ein „Blick hinter die Kulissen“ und auch in den Rückspiegel.

Zahlen, Daten, Fakten

Qualität vor Quantität

Zunächst einmal ist es natürlich noch keine besondere Leistung, jede Woche die Inhalte seines Kopfes ins Internet geschüttet zu haben. Und mein Lektor, also mein Freund Christoph, wird mir sicherlich auch nur ein mäßiges Talent als Autor bescheinigen. Regelmäßig jeden Sonntag verzweifelt er an meinen mangelnden Sprachkenntnissen in meiner Muttersprache. Er rettet so manchen Satz, der sonst im Nichts geendet wäre oder kein Verb enthielt. An dieser Stelle also herzlichen Dank!

Die Kunst, Kompliziertes einfach zu beschreiben

Zu den allgemeinen Rechtschreib- und Grammatikfehlern kommt aber auch, dass ich dazu neige, sehr lange und komplizierte Sätze zu schreiben. Ich möchte zwar zeigen, dass Finanzen und FIRE nicht kompliziert sind. Ob mir das mit meinen oftmals mehrfach verschachtelten Sätzen gelingt, bezweifele ich dann doch.

Oft lese ich Zeitungsartikel oder Blog-Posts und denke, dass die Autorin den Sachverhalt viel zu sehr vereinfacht hat. Oder wichtige Annahmen und Bedingungen weggelassen hat, die alles verfälschen. Daher versuche ich in meinen Artikeln nicht zu stark zu verallgemeinern. Allerdings meist zulasten der Satzlänge!

Mathematische Lesbarkeitsbewertung

Mathematische Formel
Ganz so kompliziert ist es zum Glück nicht!

Ich nutze ein WordPress Plugin (Yoast SEO), das automatisch eine Bewertung meines Schreibstils vornimmt. Dabei werden u.a. folgende Kritierien bewertet: aktive vs. passive Sätze, Nutzung von Bindewörtern, Satzlänge (über 20 Wörter wird’s zu lang), Absatzlänge (mehr als 150 Wörter ohne Absatz oder mehr als 300 ohne Zwischenüberschriften werden bemängelt) und Wiederholung der gleichen Wörter am Satzanfang. Für den ganzen Artikel wird dann der Flesch-Lesbarkeitsindex ausgerechnet, der die durchschnittliche Satzlänge und Silbenlänge in Relation setzt. Idealerweise sollte dieser Score über 60 Punkten liegen. Das habe ich leider nicht immer geschafft. Insgesamt sind die meisten meiner Artikel der Lesefreundlichkeitskategorie „OK“ zugeordnet.

Mein Blog: für ein Fachpublikum okay, für die breite Masse eher schwierig zu lesen

Ich gebe wirklich mein Bestes und gelobe Besserung! Vielleicht klappt es auch irgendwann mit kürzeren Artikeln, die keine Lesezeit von 10 Minuten haben. Der längste bisher erschienene Artikel ist der Notgroschen-Artikel mit 14 Minuten bzw. 3.275 Wörtern.

Beliebtester Artikel

Zerschlagenes Sparschwein
Mit Abstand der beliebteste Artikel, leider mit einem der hässlichsten Titelbilder

Der Notgroschen-Artikel ist gleichzeitig auch der beliebteste Artikel. Von den über 2.100 Aufrufen kamen 60% über eine Google-Suche auf diesen Post. Google sagt, dass dieser Artikel durchschnittlich als 7. Artikel in Suchen zu Begriffen wie „Notgroschen wie hoch“ oder „Notgroschen berechnen“ angezeigt wird. Von den über 15.000 Suchenden, denen mein Artikel angezeigt wurde, haben sich ca. 8,5% entschieden, ihn anzuklicken. Ob sie dann von den 3.275 Wörtern abgeschreckt wurden kann ich nicht sagen, denn ich verwende keine Tracking Software wie Google Analytics. Ich vermute aber, dass die meisten das mit dem Notgroschen dann doch nicht ganz so genau wissen wollten. Die einfache „2-3 Monatsgehälter“ Antwort ist dann wahrscheinlich doch beliebter als meine viertelstündige Abhandlung mit der Aussage „Kommt drauf an!“ 😉

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Top 10 der SuchbegriFFE zum Notgroschen-Artikel

Kurioseste Google-Suchbegriffe, die zu meinem Blog geführt haben

Die meisten Google-Besucher klicken auf meinen Blog, nachdem sie nach „Dagoberts Nichte“ gesucht haben. Erwartbar. Doch es gibt auch einige sehr lustige Suchbegriffe, die Menschen schlussendlich auf meinen Blog bzw. einen meiner Artikel geführt haben. Mein Favorit ist ganz klar die Suchanfrage „was machen rentner den ganzen tag„, die immerhin 12 Leute zu meinem Plänen für die RE-Zeit geführt hat.

Die Begriffe, die in die Google-Suche eingegeben werden, werfen allerdings auch ein paar Fragen auf:

  • Ob der Besucher, der nach „private Frauen“ suchte und meinen Artikel zu frauenspezifischen Finanzprodukten angeklickt hat, sich wohl nur verklickt hat?
  • War der Besucher meines Wirecard-Artikels enttäuscht, dass seine Frage „wie spricht man wirecard aus“ von mir nicht beantwortet wurde?
  • Warum geben Menschen Suchbegriffe wie „manchmal fehlt mir die motivation aber ich komme voran“ oder „was willst du denn von mir“ bei Google ein?
Fragezeichen

Besucherzahlen

Insgesamt habe ich für meinen Blog die Mitte September die 25.000-Aufrufe-Marke geknackt. Da ich bewusst kein Google Analytics verwende (das war mir mit der Datenschutzerklärung zu kompliziert), weiß ich nicht, wie viele unique Besucher das waren. Ich gehe auf Basis der Statistik davon aus, dass die meisten Besucher nur einen spezifischen Artikel anklicken (der z.B. in der Google Suche oder einer Facebook-Diskussion verlinkt ist).

Für ein Abonnement meiner neuen Artikel bzw. die wöchentliche E-Mail-Benachrichtigung (die leider nicht immer funktioniert) haben sich bisher neben meinen Eltern etwa 15-20 Leute entschieden. Und mehr als die Hälfte davon kenne ich gar nicht persönlich! Das ist tatsächlich ein tolles Gefühl, dass sich immerhin eine handvoll Leute so für meinen Blog interessieren, dass sie sich jede Woche an neue Artikel erinnern lassen. Vielen Dank an alle regelmäßigen Leser, egal ob mit oder ohne Abo! 🙂

Alte und neue Ziele

Fußball und Tor
Alternative Stockphotooptionen zum Thema Ziele sind Menschen, die auf Bergen in die Ferne schauen. Dann doch lieber den guten alten Fußball.

Was hatte ich mir vorgenommen?

Wenn ich nochmal zurückschaue auf meinen ersten Artikel dazu, warum ich überhaupt einen Blog schreiben möchte, dann würde ich folgende Punkte als meine damaligen Ziele definieren:

  1. Durch die Recherche für den Blog mehr über FIRE und Finanzen lernen
  2. FIRE in Deutschland bekannter machen
  3. Vielschichtigkeit des Themas aufzeigen inkl. Schnittmengen mit Frugalismus, Minimalismus, etc.
  4. Eigene Startbedingungen aufzeigen und möglichst transparent sein, um Lesern einen Vergleich mit ihrer eigenen Situation zu ermöglichen
  5. Eine Alternative zu kommerzialisierten Finanzblogs bieten, die meiner Erfahrung nach leider häufig unter Interessenskonflikten leiden

Was ich mir nicht vorgenommen, aber trotzdem erreicht habe

Ein Ziel, dass ich mir gar nicht bewusst vorgenommen hatte, habe ich auf jeden Fall erreicht. Durch den Blog habe ich mit Freunden und Bekannten viele gute Gespräche über Geld und Finanzen geführt und mit dem Blog einige Menschen dazu motiviert, ihre Finanzen und Altersvorsorge in Angriff zu nehmen. Das ist das beste Ergebnis, was ich mir überhaupt hätte wünschen können!

Ich bezeichne mich jetzt selbst (nicht ganz ernst gemeint) als Nano-Influencer, denn immerhin hat auf Grund einer meiner Artikel ein Bekannter seine Finanzen mit einem Vielkontenmodell neu organisiert und ein anderer sich meinen Artikel zum Anlass genommen, mit seiner Freundin über die gerechte Verteilung der Ausgaben in der Beziehung zu sprechen. Ein Leser hat durch eine Diskussion in den Kommentaren seinen eigenen Vermögenswirksame-Leistungen-Vertrag geprüft und festgestellt, dass er bald einen neuen abschließen muss. Ich freue mich wie ein Schneekönig, wenn jemand auf seinem Finanzweg durch mich bzw. meine Blog-Artikel einen kleinen Schritt weiterkommt!

Habe ich erreicht, was ich mir vorgenommen habe?

Besonders Ziel 1 habe ich absolut erfüllt! Ich habe mich mit vielen neuen Finanzthemen beschäftigt und eine Menge dazugelernt. Einige Themen, die ich interessant finde, wie z.B. die Unterschiede zwischen FIRE in den USA und Deutschland, sind sicherlich nicht die Leser-Lieblinge auf dem Blog. Aber am Ende schreibe ich ja auch eher als Hobby für mich statt ausschließlich für die höchsten Klickzahlen. Die anderen Ziele habe ich zumindest nicht eindeutig nicht erreicht. Good enough!

Gehen dir die Themen aus?

Neues lernen ist für mich das Kernziel hinter diesem Blog. Ich habe schon extrem viel dazugelernt, aber noch längst nicht alle Fragen geklärt, die mir auf meinem Weg zu FIRE begegnen werden. Zum Beispiel habe ich noch nicht einmal wirklich festgelegt, wie hoch meine „FIRE-Zahl“ (also mein Vermögen) eigentlich genau sein sollte bevor ich in Rente gehe.

Klingt sicher komisch, oder? Die allermeisten FIRE-Blogs empfehlen als absoluten Schritt 1, sich seine FIRE-Zahl auszurechnen (meist vereinfachend als 25-faches der jährlichen Ausgaben). Ich persönliche sehe aber gar keine Eile. Ich habe noch ca. 15 Jahre Zeit, mein Ausgabeverhalten genau zu verstehen. Ein paar Monate ein Haushaltsbuch zu führen finde ich nervig und in der Hinsicht auch wenig hilfreich!

Denn erst über die Zeit werde ich verstehen, mit welchem Ausgabeniveau ich mich langfristig (über Jahrzehnte) wohlfühle. Da wird es Jahre geben, wo mal ein teurer Urlaub die Kosten in die Höhe treibt und Jahre, wie 2020, wo man eher weniger Geld ausgibt. Dazu kommt, dass sich auch rechtliche Rahmenbedingungen in den nächsten Jahren noch häufiger ändern könnten. Was bringt mir also der bis auf die 3. Nachkommastelle durchgerechnete FIRE-Plan für 2035, wenn sich bis dahin sowieso alles noch einmal ändert?

Neue Ziele

Neben der Tatsache, dass ich mich in Zukunft kürzer fassen und weniger Bandwurmsätze formulieren will, gibt es auch noch ein damit ganz klar in Konflikt stehendes Ziel für das nächste Jahr. Ich habe einige Artikel-Ideen im Kopf, die ich der Kategorie „ambitioniert“ zuordnen würde.

Durchschnittlich verbringe ich etwas 6 Stunden mit einem Artikel, von der Recherche bis zur Veröffentlichung auf dem Blog und Instagram/Facebook. Bei Recherche-intensiveren Artikelserien kommen ggf. noch ca. 3-5 Stunden Recherche hinzu. Daher schaffe ich es selten, mir einen „Vorsprung“ zu erarbeiten und bin quasi in diesem wöchentlichen Hamsterrad gefangen 😉

Trotzdem möchte ich diese aufwändigeren Artikel gerne demnächst angehen und veröffentlichen. Man soll sich ja hohe Ziele setzen, richtig?

Keine Kommerzialisierung, aber VG Wort

Obwohl ich bereits einige, zum Teil auch haarsträubende, Kooperationsanfragen für meinen Blog bekommen habe, halte ich weiterhin absolut an meiner Auffassung fest, dass die Verknüpfung eines Finanzblogs mit einer Gewinnerzielungsabsicht als Selbstständige die Qualität der Beiträge nicht unbedingt steigert. Ich habe mir allerdings überlegt, meinen Blog bei der VG Wort anzumelden, um nebenbei ggf. sogar genug Geld verdienen zu können, um die Hosting- und Domaingebühren davon zu bezahlen. Ob das geklappt hat, werde ich dann 2022 berichten! Dieses Jahr hätte es der Notgroschen-Artikel wohl ziemlich sicher über die derzeit gültige Monetarisierungsschwelle von 1.500 Aufrufen geschafft. Da hier keinerlei Bezug zur Finanzbranche besteht, sehe ich auch keine Interessenskonflikte, in die ich hineingeraten könnte.

Ich freue mich jedenfalls auf die nächsten 51 Dagoberts-Nichte-Artikel, egal wie oft sie angeklickt werden!

Zur Feier des Tages

Ananas mit Partyhut
Sorry, das Stockphoto musste nochmal sein!

Erster Gastautor bei Dagoberts Nichte

Anlässlich des einjährigen Blog-Jubiläums wird nächste Woche zum ersten Mal ein Gastartikel erscheinen, geschrieben von meinem Freund Christoph. Es wird u.a. um seinen Weg zu FIRE gehen.

Erster Podcast-Auftritt

Wer mich nicht nur lesen, sondern auch einmal hören will, kann sich den Nein2Five-Podcast (Episode 147) anhören, in dem ich heute zu Gast bin. Natürlich geht es auch in meinem Interview mit den beiden Podcastern Christian und Ruben um FIRE.



Erster Buchbeitrag

Im Oktober erscheint dann noch das Buch „Vorbildfrauen“ von Adina Pfenningsdorf, die den Blog lady-invest.de betreibt, für das ich einen Gastbeitrag beigesteuert habe. Ein Exemplar davon werde ich nach der Veröffentlichung auf meinem Instagram bzw. Facebook-Account verlosen. Wer das nicht verpassen möchte, sollte die Seiten also am besten abonnieren/verfolgen.

Wie immer freue ich mich über deine Kommentare und dein Feedback zu meinem Blog! Gerne hier unter dem Post oder auch per Mail an kontakt@dagoberts-nichte.de

Welche Finanz-Themen interessieren dich? Gibt es Fragen zu FIRE in Deutschland, die du gerne beantwortet haben möchtest? Welche Themen sind dir in Finanzblogs bisher zu kurz gekommen?

Welches meiner Blog-Ziele habe ich deiner Meinung nach erreicht? Welches nicht? Welche würdest du dir vornehmen für das nächste Blog-Jahr?

Hast du Tipps und Feedback für mich für das 2. Jahr Dagoberts Nichte? Hättest du gerne mehr kurze Artikel? Oder lieber längere Artikel? Präferierst du einen sehr langen Artikel oder den Split in mehrere Teile einer Artikelserie?

2 Replies to “1. Geburtstag von Dagoberts Nichte // Rückblick nach einem Jahr”

  1. Herzlichen Gückwunsch zum Blog-Geburtstag, Jenni!

    Jetzt lese und schreibe ich ja auch schon eine Weile in der Finanzcommunity, und mich inspiriert am meisten, wenn Blogger neben ihrem Finanzwissen persönliche Erfahrungen teilen, oder auch Herausforderungen, die sie auf ihrem Weg so meistern müssen. Davon für meinen Geschmack also gerne mehr!

    Liebe Grüße
    Katrin

    1. Danke Katrin!
      Auf deinem Blog hat mir dein Juli-Artikel mit der Kritik an der allzu plakativen „Rente mit 40“ Werbebotschaft echt gut gefallen!
      Danke auch für das Feedback! Herausforderungen sind mir bisher ehrlicherweise noch nicht so viele begegnet, aber das ist nach „nur“ ein paar Jahren ernsthaftem Verfolgen von FIRE wahrscheinlich auch normal. Der Anfang ist immer leichter als das „Durchhalten“ bzw. bei mir eher das „Nicht-ungeduldig-werden“. Andererseits bin ich nicht der Typ Mensch, der die ganze Zeit kreuzunglücklich über das vermeintliche Hamsterrad schimpft. Ich mag meine Arbeit sehr gerne! Und Sparen darf für mich nie in Verzicht ausarten. Daher sehe ich aktuell eigentlich keine größeren Herausforderungen auf mich zukommen…das kommt dann wahrscheinlich eher mit dem „Renteneintritt“, wenn man Bekannten erklären muss, warum man plötzlich nicht mehr arbeitet 😉
      Viele Grüße
      Jenni

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